Niederdruck-Gasbehälter, Gaswerk Schöneberg 
 
 

Torgauer Straße 12 – 15
"Allerdings ist der Gasometer nur ein technisches Bauwerk; es dient dem praktischen Nutzen, aber es ist ein Bauwerk von außerordentlicher Kühnheit, ein technisches Wunder von klarer, sinnreicher Konstruktion, die auch dem Laien eine verständliche Sprache redet, der sofort beim Anblick dieser Konstruktion Zweck und Funktion der einzelnen Bauteile begreift und versteht. Ist es nicht erstaunlich, dass ein so gewaltiger Rundturm von 80 m Höhe während der Nacht verschwindet und während des Tages wieder emporgeblasen wird?"¹
Dass der Betrieb des Gasometers sich unmittelbar als öffentliches Erlebnis darbot, schien dem Berliner Architekten Bruno Möhring ebenso erwähnenswert wie die Schönheit seiner Konstruktion.

Und auch Günter Grass ließ sich beim Betrachten des Auf und Ab des Zylinders in dem markanten Gasbehälter inspirieren. "In unserer Vorstadt sitzt eine Kröte auf dem Gasometer. Sie atmet ein und aus, damit wir kochen können."

Der Schöneberger Gasometer "atmete" noch bis Mitte der 90er-Jahre. Mit der berlinweiten Umstellung von Stadt- auf Erdgas wurde der Gasbehälter im Januar 1995 endgültig außer Betrieb genommen, der Zylinder demontiert. Der zwischen 1908 und 1910 von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG) errichtete Gasbehälter in Schöneberg war damals einer der drei größten des Kontinents. Architekt war der Berliner Alfred Messel. In dem Teleskopbehälter konnten bis zu 160 000 Kubikmeter Gas gespeichert werden. Der Durchmesser des Niedrigdruck-Gasbehälters, wie der Koloss korrekt heißt, beträgt 61 Meter; die Höhe 78 Meter. Über dem Wasserbassin aus genieteten Stahlplatten erhebt sich in sechs Stockwerken ein filigranes Führungsgerüst aus 24 senkrechten, ringartig miteinander verbundenen Stahlfachwerk-Masten. Die Funktionsweise des Gasometers war im Prinzip einfach: Das Gas drang durch ein Rohr von unten in den Gasbehälter ein und drückte, da es leichter ist als Luft, die nach dem Teleskopprinzip ausfahrbaren, mit einem Deckel versehenen Stahlwände nach oben. Dazu war lediglich ein Druck von etwa 40 Millibar notwendig. Im Sommer 1994 wurde der Gasometer und das angrenzende Betriebsgebäude unter Denkmalschutz gestellt. Heute wird er gelegentlich für Filmaufnahmen oder Theateraufführungen genutzt.

¹ Möhring, Bruno, Gutachten zum Gasometer, 1912, zit. nach: Spath, Christian/Stimman, Hans, Die Bauwerke der Berliner Gasversorgung. Beiträge zur Berliner Denkmalpflege, Berlin 1986 (unveröffentlichtes Manuskript beim Landeskonservator)

 
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