Green Startup: Zu Besuch bei den Machern des Heldenmarkts

Gegründet im Jahr 2007 ist iHeartBerlin der erste Lifestyle-Blog mit dem thematischen Fokus auf Berlin und mittlerweile die beliebteste Publikation seiner Art. Mit ganz viel Liebe teilen die Autoren von iHeartBerlin ihre Begeisterung über das Leben in der deutschen Hauptstadt mit unzähligen Geschichten, Rezensionen, Fotografien, Illustrationen, Videos und Empfehlungen. Die Macher von iHeartBerlin, Frank Schröder und Claudio Rimmele, engagieren sich in der Berliner Kulturszene, indem sie ihre eigenen Partys, Ausstellungen, Modenschauen, Dinner und andere Arten von Veranstaltungen organisieren. Für uns besuchen und interviewen sie grüne Startups der Hauptstadt.

Fair, nachhaltig, umweltverträglich

Wenn man den Begriff „Held“ hört, da denkt man eigentlich automatisch an die klassischen Comichelden wie Superman, Spiderman und Batman. Auch wenn wir beim heutigen Thema sofort an Captain Planet denken mussten, geht es im Falle des Heldenmarkts, der Messe für nachhaltige Projekte und Unternehmen, jedoch keineswegs um Männer in Strumpfhosen, vielmehr geht es um junge Unternehmer mit heldenhaften – oder vielmehr ehrenhaften – Ambitionen. In einer Welt die vom maßlosen Konsum regiert wird, der leider fast immer auf Kosten der Umwelt und von Arbeitern geht, ist es eben heldenhaft, wenn man sich der Gier, dem Druck und dem Zwang des Profits entgegenstellt und Fairness, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit an erster Stelle seines Projektes setzt. Auf dem regelmäßig in vielen deutschen Städten stattfindenden Heldenmarkt trifft man genau solche Unternehmer an.
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© iHeartBerlin

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Wir haben den Machern des Heldenmarkts einen Besuch in ihrem Berliner Büro abgestattet und an ihrem Team-Lunch teilgenommen. Dabei haben wir wahnsinnig viel über dieses tolle Projekt erfahren können, was wir heute mit euch teilen wollen.

Warum nennt ihr euch eigentlich „Heldenmarkt“? Was tun die Händler mit dem Verkauf Heldenhaftes?

Unsere Aussteller haben eine sehr wichtige Gemeinsamkeit. Sie zeigen mit ihren Produkten und Dienstleistungen, dass es in eigentlich allen Bereichen umweltfreundliche oder sozial verträgliche Alternativen zum herkömmlichen, konventionellen Konsum gibt. Das fängt an bei Bio-Lebensmitteln, bei denen die Umweltbelastungen weit unter den konventionellen Lebensmitteln liegen, geht weiter über Kleidung aus Bio-Baumwolle, die unter fairen Bedingungen produziert wird, bis hin zu ethischen Banken, die nicht in Waffengeschäfte investieren, sondern soziale Produkte fördern. Die Liste, was mittlerweile möglich ist, ist endlos. Der HELDENMARKT ist ein Ort, an dem sich Helden treffen: Das sind unsere Aussteller, die die Welt mit ihrem Angebot verändern bzw. ein bisschen besser machen wollen und Besucher*innen, die sehen, dass jede*r einzelne von uns Verantwortung trägt, wie sich unsere Zukunft entwickelt.

In welcher Stadt hat der Heldenmarkt seine Premiere gefeiert und wie viele Händler waren involviert? 

Der erste HELDENMARKT fand 2010 im Postbahnhof in Berlin statt. Damals waren rund 65 Aussteller vertreten. Das war eine richtige Hippie-Veranstaltung, bei der zum Abschluss alle zusammen gesungen und getanzt haben. Das hat sich sehr geändert. Der HELDENMARKT hat sich mittlerweile zu einer Veranstaltung entwickelt, die tendenziell alle Menschen anspricht, die schon mal etwas von „Nachhaltigkeit“ gehört haben, vielleicht aber noch nicht genau wissen, wie sich Nachhaltigkeit oder ein grün(er)er Lifestyle ins eigene Leben integrieren lässt.
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© iHeartBerlin
Welche Art von Händlern wollt ihr auf euren Märkten am liebsten unterstützen? 

Prinzipiell alle, die uns bei ihrer Anmeldung glaubhaft versichern oder belegen, dass sie unseren Zulassungskriterien entsprechen und wirklich umweltfreundlich arbeiten. Natürlich möchten wir insbesondere junge, innovative Unternehmen unterstützen. Wir wissen selbst, wie schwer es ist, sich am Markt zu etablieren. Deshalb haben wir an allen Standorten einen Startup-Contest und auch ein vergünstigtes Startup-Paket. Außerdem vergeben wir an allen Standorten immer einen Anteil der Gesamtfläche kostenfrei an Vereine und gemeinnützige Organisationen. Vereine, wie z. B. Ärzte ohne Grenzen oder Foodsharing leisten großartige Arbeit und brauchen dringend die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, eben weil ihre Arbeit so wichtig ist! 

Inwiefern passt eure neue Kampagne #fuerallediewasmerken zu der Mission vom Heldenmarkt? Glaubt ihr, die konsumkritischen Plakate können die Denkweise von manchen Leuten wirklich beeinflussen?

Wahrscheinlich können die Plakate mit den provokanten Headlines selbst die Menschen nicht unmittelbar beeinflussen, aber sie animieren mit Sicherheit zum Nachdenken. Genau die Menschen, die beim Lesen dieser Headlines anhalten, kurz überlegen und merken: „Hey, das ist irgendwie nicht geil, wenn meine Erdbeeren einmal um den halben Globus geschifft werden, nur damit ich sie Weihnachten essen kann“ wollen wir erreichen.

Wie setzt ihr euer nachhaltiges Konzept bei der Organisation des Heldenmarkts um?

Den Büroalltag versuchen wir so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Wir beziehen Ökostrom, lassen über Lokay umweltfreundlich Poster und Plakate drucken, verwenden ausschließlich Recyclingpapier, auf dem fast immer alles doppelt bedruckt wird. Wir haben im Büro einen rotierenden Kochplan, das heißt ein Teammitglied bekocht die anderen. Wir kochen bio-vegan und kaufen die Zutaten meistens aus der 50 %-Kiste der Bio Company. Das sind dann Lebensmittel, die günstiger verkauft werden, weil sie nicht mehr zu 100 % frisch sind. 

Die Messen selbst versuchen wir auch so nachhaltig wie möglich zu gestalten: Die Anreise erfolgt immer mit der Bahn, wobei zwei Leute von uns einen Sprinter aus Berlin fahren, mit dem wir unser Messe-Equipment transportieren. Unsere Messewände bestehen aus Bauzäunen und alten, recycelten LKW-Planen und Werbebannern. Einweggeschirr ist auf den Messen nicht erlaubt. Außerdem gleichen wir die nicht vermeidbaren Emissionen über unser Projekt Regional Kompensiert aus. Das heißt wir unterstützen finanziell einen Bio-Bauernhof in der jeweiligen Region, damit dieser den Humusaufbau auf seinen Feldern fördern kann, wodurch wieder CO2 aus der Atmosphäre im Boden gebunden wird. 
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© iHeartBerlin   
Bei euch gibt es ja wirklich alles. Wie kamt ihr von Schuhen zum Verkauf von Essen?

Mit den Schuhen hat ja alles angefangen. Lovis, der HELDENMARKT-Initiator, der damals noch einen Plattenladen betrieb, hat eines Tages ein Paar Turnschuhe entdeckt, das zu 99 % aus Recyclingmaterialien bestand, das es hier aber nirgends zu kaufen gab. Er importierte daraufhin den Schuh und verkaufte ihn neben Vinylscheiben in seinem Plattenladen, um dem Produkt eine Plattform zu bieten – die Idee vom HELDENMARKT war geboren.

Kleidung oder Schuhe sind aber ja nur ein kleiner Bereich, in dem man anfangen kann, nachhaltig zu konsumieren. Der HELDENMARKT soll eine Plattform für jeden Lebensbereich darstellen, den es sich nachhaltig bestreiten lässt. Da sind Lebensmittel natürlich ein riesiger Punkt. Die konventionelle Produktion hat unglaublich verheerende Folgen für unsere Umwelt, insbesondere fürs Grundwasser und unsere Böden. Das wiederum wirkt sich negativ auf den Klimawandel aus. Auf dem diesjährigen HELDENMARKT in Berlin haben wir diesem Thema eine besonders hohe Aufmerksamkeit geschenkt, in dem wir das Sonderthema „Boden“ ins Leben gerufen haben.

Wir danken für die heldenhafte Beantwortung unserer Fragen und natürlich für euer Engagement. Wir können es kaum erwarten, euch auf der nächsten Messe zu besuchen!

Teil 1: Kondomhersteller einhorn

Teil 2: Kaffeeform

Teil 4: soulbottles

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