Green Startup: Auf einen Kaffee mit dem Gründer von Kaffeeform

Gegründet im Jahr 2007 ist iHeartBerlin der erste Lifestyle-Blog mit dem thematischen Fokus auf Berlin und mittlerweile die beliebteste Publikation seiner Art. Mit ganz viel Liebe teilen die Autoren von iHeartBerlin ihre Begeisterung über das Leben in der deutschen Hauptstadt mit unzähligen Geschichten, Rezensionen, Fotografien, Illustrationen, Videos und Empfehlungen. Die Macher von iHeartBerlin, Frank Schröder und Claudio Rimmele, engagieren sich in der Berliner Kulturszene, indem sie ihre eigenen Partys, Ausstellungen, Modenschauen, Dinner und andere Arten von Veranstaltungen organisieren. Für uns besuchen und interviewen sie grüne Startups der Hauptstadt.

Tassen aus recyceltem Kaffeesatz

Bei all den spannenden Projekten, die wir Tag für Tag in Berlin neu entdecken und beobachten, kommt es wirklich sehr selten vor, dass wir ein Projekt so innovativ und genial finden, wie das von Julian Lechner. Dabei geht es bei ihm um etwas ganz Alltägliches: Kaffeetassen. Seine sind jedoch alles andere als gewöhnlich, denn sie werden aus recyceltem Kaffeesatz hergestellt. So unerwartet wie das klingt, so einleuchtend ist es eigentlich. Jeden Tag werden in den vielen Cafés Berlins Unmengen an Kaffeesatz entsorgt – warum nicht etwas Nützliches mit diesem Material anfangen?
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© iHeartBerlin

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Wir haben uns mit Julian getroffen um über die Entstehung und Zukunft seiner Firma Kaffeeform zu sprechen. Und welcher Treffpunkt wäre passender, als in einem der Berliner Cafés, die sowohl ihren Kaffeesatz zur Verfügung stellen, als auch ihren Kaffee in seinen Tassen servieren.

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Tassen aus Kaffeesatz, die spülmaschinenfest sind und auch mal runterfallen dürfen. Woher wusstet ihr, dass Kaffeesatz so weiterverarbeitet werden kann, dass man daraus robuste Kaffeetassen herstellen kann?

Anfangs war uns nicht klar, ob sich jemals eine neue Tasse aus altem Kaffee formen lässt. Es war mehr eine Wette am Kaffeetresen, wer es schafft aus altem Kaffeesatz etwas Neues herzustellen. Nach vielen koffeinhaltigen Experimenten, Anregungen von Wissenschaftlern und einer guten Portion Pioniergeist entstand Jahre der ersten Idee eine robuste Tasse.

Was braucht ihr noch so außer Kaffeesatz und eurer Liebe zu Kaffee, um eure Tassen herzustellen?

Neben einer großen Menge Kaffeesatz, die glücklicherweise in Berlin tagtäglich anfällt, braucht man ein verlässliches Team aus fleißigen Helfern. Dafür haben wir uns mit den Berliner Mosaik-Werkstätten und zahlreichen Cafés in Kreuzberg zusammengetan. Der Kaffeesatz muss in den Werkstätten erstmal schonend getrocknet und anschließend für die Weiterverarbeitung gelagert werden. Ein Mix aus pflanzlichen Bindemitteln verleiht dann dem alten Kaffeesatz die nötige Stabilität für die Produktion neuer Kaffeetassen.

Wisst ihr, wie viele Kilo Kaffeesatz ihr seit der Entstehung von Kaffeeform bereits recyclen konntet?

Wir haben im letzten Jahr ca. 50.000 servierte Kaffee-Abfüllungen aus Kreuzberg zu etwa 10.000 neuen Kaffeetassen recycelt! 

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Habt ihr noch Pläne für weitere Produkte, außer Kaffeetassen?

Wir stehen kurz davor einen neuen Mehrwegbecher mit passendem Schraubdeckel aus unserem Recyclingmaterial auszuliefern. Die Becher sind sehr robust und langlebig gefertigt, um damit möglichst viele Pappbecher einsparen zu können. Ebenfalls experimentieren wir noch mit einem ganz anderen Produkt für den kommenden Frühling. Damit wollen wir dann zeigen, dass auch Produkte fernab von Geschirr möglich sind.

Berliner sind sehr wählerisch was die Substanzen angeht, die sie wach halten. Woher stammt der Kaffeesatz, den ihr verwendet?

Der verwendete Kaffeesatz stammt hauptsächlich aus Cafés mit fair gehandelten Kaffeebohnen wie beispielsweise das Concierge Café oder die Kaffeebar in der Graefestraße. Da unser Bedarf jedoch stetig steigt, beziehen wir mittlerweile auch Ausschusskaffee von Röstereien.

Mit Kaffeeform leistet ihr einen echten Beitrag zur Nachhaltigkeit. Habt ihr noch weitere umweltbewusste Tipps für andere Lebensbereiche?

In Zeiten der schnellen und günstigen Reisemöglichkeiten ist die Verlockung groß, die Wochenenden mit häufigen Städtetrips zu verplanen. Probiert es doch lieber mal mit Slow Traveling aus. Eine entschleunigte Zeit mit dem Fahrrad, zu Fuß oder per Anhalter in die nähere Umgebung fahren und den Tagesplan dem Zufall überlassen.

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© iHeartBerlin

Wo sonst auf der Welt würdet ihr am liebsten eure Tassen gerne im Regal stehen sehen?

Spannend wäre eine Kooperation mit Cafés und Gastronomen in Kaffee produzierenden Ländern wie beispielsweise Brasilien oder Kolumbien. Dort wären ebenfalls ideale Bedingungen den Kaffeesatz direkt an der Sonne zu trocknen. Ein enormes Interesse an den Tassen erhalten wir auch aus den USA. Dort würden wir wirklich gerne mit unserem neuen Mehrwegbecher WEDUCER ein Zeichen gegen die große Verschwendung von Einwegbechern setzen!

Was ist dein Lieblingscafé in Berlin und würdest du in Zukunft mal gerne mit einem zusammenarbeiten?

Nach zwei schönen Jahren der Zusammenarbeit sind uns die OSLO Kaffebar und das ISLA Coffee wirklich sehr ans Herz gewachsen. Berlin besticht insgesamt mit einer tollen Auswahl an Cafés und Orten rund um das Thema Kaffee. Wenn wir uns einen neuen Partner frei aussuchen dürften, würden wir die Tassen gerne mal auf Reisen schicken. Zum Beispiel im Speisewagen bei der Bahn. Dort hätten viele Leute dann die Zeit die Tassen und das Konzept dahinter kennenzulernen.

Vielen Dank für das Gespräch, wir freuen uns auf den nächsten Cappuccino aus einer Kaffeeform-Tasse!

Teil 1: Kondomhersteller einhorn

Teil 3: Heldenmarkt

Teil 4: soulbottles

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