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Versteht ihr Handwerk: NBB-Auszubildende Rebecca

„Einen Bürojob würde ich nie machen!“

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Als angehende Anlagenmechanikerin zeigt Rebecca Altmann seit September, was sie drauf hat. Ob beim Schweißen, Bohren oder Sägen – in ihrer Ausbildung bei der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) legt die 17-Jährige derzeit die Grundlagen, um sich zukünftig um den Betrieb, die Wartung und die Instandhaltung des Berliner Gasnetzes zu kümmern. Mit uns hat sie über ihr Technikinteresse, Reaktionen auf ihre Berufswahl und Fahrten in voller Arbeitsmontur in der S-Bahn gequatscht.

Rebecca, du bist für deine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin zunächst in der Werkstatt. Was genau lernst du hier?
Die Ausbildung ist zu Beginn darauf ausgerichtet, die Grundlagen der Metallverarbeitung zu lernen, also zum Beispiel Feilen, Sägen und Bohren. Aber auch der Bau von Formstücken für Rohre gehört dazu. Und natürlich Schweißen.

Gar nicht so ungefährlich, oder?
Klar. Ich muss natürlich Schutzkleidung tragen. Ne Schweißerbrille und ne Mütze, damit mir die Haare nicht abbrennen. Und je nach Schweißart manchmal auch Schürze, Handschuhe und Gamaschen aus Leder.  

Klingt auf Anhieb nicht nach dem typischen Kindheitstraum. 
Nein, als kleines Kind wollte ich eigentlich mal Primaballerina werden. (lacht) 

Wie ist denn dann dein Interesse für Handwerk und Technik entstanden?  
Ich war in den großen Ferien immer bei meinem Opa in Jena. Er hatte eine Werkstatt und hat mir viel beigebracht. Mal haben wir ein Bett gebaut, mal im Garten gewerkelt. Da habe ich gemerkt – einen Bürojob wie meine Mutter würde ich nie machen.
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Hast du dann vielleicht mal beim Girls‘ Day mitgemacht? 
Ja, einmal. Im Fokus stand an dem Tag aber Elektrotechnik. Das war nicht so meins.  

Und trotzdem bist du bei deinem Plan geblieben. Wie hast du also letztlich zu deiner heutigen Ausbildung gefunden?
Zur Orientierung habe ich nach der Schule zunächst ein Technisches Jahr für junge Frauen absolviert. Das ist ein Programm, das Einblicke in vermeintliche Männerberufe gibt. Direkt im ersten Teilabschnitt war ich bei der NBB und habe bei der Arbeit in der Werkstatt von der Ausbildung erfahren. Kurz darauf ging meine Bewerbung raus. 

Quasi ein Girls‘ Day über 365 Tage. 
Genau. Es folgten zwar noch Abschnitte in anderen Unternehmen, aber von da an wollte ich Anlagemechanikerin werden. 

Hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, dass du damit einen vermeintlichen Männerjob wählst?
Ich mache keinen Unterschied zwischen Männer- und Frauenberufen. Ich bin schon damit groß geworden und wusste, dass ich sowas genauso gut machen kann. 

Und deine Familie und Freunde? Welche Reaktionen hat deine Berufswahl ausgelöst? 
Nachdem ich in der Schule mal ein Praktikum in einer Bibliothek gemacht habe, war meine Mutter zunächst überrascht, dass ich nun tatsächlich etwas Technisches machen wollte. Sie hat mich dreimal gefragt, ob ich wirklich sicher sei. Genauso wie alle anderen, denen ich davon erzählt habe. Auch wenn ich heute neue Leute treffe und sage, was ich mache, ist die Überraschung groß. In den Augen vieler ist das nicht normal und so schreiben mir die meisten eben doch einen Bürojob zu. Ganz stereotypisch. 
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Sind es immer die gleichen Leute, die so reagieren? 
Je älter die Leute sind, desto größer ist die Verwunderung und desto länger brauchen sie, um meine Berufswahl zu verstehen. Das habe ich zum Beispiel gemerkt, als mein Opa mich seinen Freunden vorgestellt hat. Die waren fast schon geschockt. Jüngere verstehen so etwas eher und sind aufgeschlossener. 

Wie gehst du mit solchen Begegnungen um?
Ich merke natürlich, dass ich nicht gleich ernst genommen werde und so mancher mir die Ausbildung nicht zutraut, aber da habe ich von Anfang an drüber gestanden. Ich mache das und ziehe das durch. 

Glaubst du denn, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sich für junge Frauen etwas ändert?
Leider immer noch sehr langsam. Es fängt ja schon in der Kindheit an. Mädchen tragen meist rosa, die Jungs blau. Dadurch werden Kinder gleich in klassischen Rollenbildern geprägt.

Gibt’s denn auch andere Reaktionen auf deine Ausbildung?
Im Verhältnis zum allgemeinen Erstaunen ganz, ganz selten. Vielleicht 1:100. Das sind dann Leute, die das Thema sowieso fördern und gut finden. 

Und in der Werkstatt? Wie ist das Miteinander?
Ich bin die einzige Frau in unserem Ausbildungsjahrgang, unwohl fühle ich mich aber nicht. Im Gegenteil. Wir verstehen uns gut. Auch dass ich mit Abstand die Kleinste bin, ist kein Problem: Zwar ist der Tisch zu hoch, mir wurde aber eine Platte davorgelegt, damit ich etwas höher stehe. 
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Gibt es andere Benachteiligungen im Vergleich mit den männlichen Kollegen? 
Nein. Ich erinnere mich nur noch an einen Fall während des Technischen Jahres. In einem Betrieb gab es nur eine Umkleide. Die war natürlich von den Männern belegt, sodass ich jeden Morgen in voller Montur in der Bahn zur Arbeit saß. Das war selbst für mich etwas ungewohnt, als mich die Leute alle angesehen haben. Aber nach ein paar Tagen war es mir egal. Und wer weiß, vielleicht ist das Bild irgendwann ganz normal. 

Dazu trägst du ja nicht zuletzt auch mit deinem Instagram-Kanal bei, auf dem du Eindrücke von deiner Arbeit in der Werkstatt teilst.
Genau. Irgendwann muss sich ja mal was ändern. Es wäre schön, wenn zukünftig noch mehr Mädchen und Frauen Technikberufen nachgehen würden. Deshalb zeige ich auf meinem Kanal mit Bildern und Storys, was ich in der Ausbildung mache. 

Wir finden’s super und freuen uns, dich an Bord zu haben. Vielen Dank für das Gespräch. 

Auch Interesse bekommen? Die NBB, ein Unternehmen der GASAG-Gruppe und Betreiber der Energienetze in Berlin und Brandenburg, bildet jährlich ab 1. September im Bereich Anlagenmechanik aus. In der dreieinhalb Jahre dauernden Ausbildung lernst du, Rohrleitungssysteme der Gasversorgung im Straßen- und Gebäudebereich herzustellen, zu betreiben, zu warten und instand zu halten. Die Ausbildung legt den Schwerpunkt auf Rohrsystemtechnik und wird in Kooperation mit der BEGA.tec GmbH durchgeführt. Eindrücke und weitere Informationen findest du auf unserer Ausbildungsseite und in diesem Video.