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10 Tipps für die Berlin Art Week 2017

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Kunstfreunde aufgepasst: Im September wird’s wieder richtig arty in Berlin. Vom 13. bis 17. lädt die Kunstszene der Hauptstadt zum sechsten Mal zur Berlin Art Week ein. Quer durch die Stadt stehen Euch wie schon in den letzten Jahren zwei Messen, zahlreiche Museen und Kultureinrichtungen sowie eine Reihe an Galerien, Privatsammlungen und Projekträumen offen. Um dabei den Überblick zu behalten, verraten Euch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, und Andreas Greiner, Preisträger des GASAG Kunstpreises 2016, ihre Geheimtipps für die Art Week. Von Ausstellungen und Performances bis hin zu Filmvorführungen und Sonderveranstaltungen ist für jeden von Euch etwas dabei.
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© Thomas Feuerstein

1. Haus am Lützowplatz: Thomas Feuerstein – Prometheus Delivered

 Wer sich mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft beschäftigen möchte, ist in der Ausstellung „Prometheus Delivered“ von Thomas Feuerstein richtig aufgehoben. Der österreichische Künstler dekonstruiert historische Mythen und bindet sie in einen neuen wissenschaftlichen Kontext ein. Das Besondere für Andreas Greiner:

„Menschliche Leberzellen in Abhängigkeit einer Bakterienkultur und deren Stoffwechselprodukte in einem Ausstellungsraum statt in einem Labor wachsen zu lassen – das hört sich nach einer großen Herausforderung an, inhaltlich und technisch.“

Wo: Haus am Lützowplatz 9, 10785 Berlin
Wann: Eröffnung 13. Sept., 19 Uhr | 14. Sept.–19. Nov., jeweils Di.–So. 11–18 Uhr

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©Tanja Knaus

2. ZK/U – Zentrum für Kunst & Urbanistik: Speisekino Moabit 

Kunst auf der Kinoleinwand gibt es während der Art Week unter anderem in Moabit: beim Speisekino nach Sonnenuntergang auf der ZK/U-Terrasse. Hier gehen Kunstgenuss und Speisen eine spannende Verbindung ein, wie Thomas Köhler findet:

„In einer ehemaligen Bahnhalle befinden sich Künstlerateliers, ein Club, eine Küche und eine Bar, die gemeinsam im Kollektiv bespielt werden. Beim Speisekino in der Art Week zahlt man für Speis und Trank und kann Filme schauen, die durch Kuratoren des Festivals Transmediale ausgewählt wurden.“

Wo: Siemensstraße 27, 10551 Berlin
Wann: 15. Sept., 19 Uhr (in englischer Sprache)

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© Institut für Raumexperimente, UdK Berlin

3. Hamburger Bahnhof: Festival of Future Nows, 2017 → ∞

Eine Stippvisite im Hamburger Bahnhof ist fast ein Muss für jeden Art Week-Besucher. In diesem Jahr findet dort das viertägige Festival of Future Nows statt, bei dem in Kooperation mit dem Institut für Raumexperimente zahlreiche Arbeiten von verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen ausgestellt werden. Für Andreas Greiner ein Must-see in den Tagen der Art Week:

„Besonders ist vor allem die Interdisziplinarität und Vielseitigkeit: Es stellen rund 100 Künstler aus, hauptsächlich zeitbasierte Medien (Performance, Happening, Experiment, Intervention, Talks usw.). Die Ausstellung wird sich ständig ändern, frei nach Olafur Eliassons Gründungsstatement des Instituts: ‚Nichts bleibt gleich.‘“ 

Wo: Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin
Wann: Eröffnung 14. Sept., 19 Uhr | 14.–17. Sept., täglich bis 23 Uhr

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© Barbara Wolff 

4. Collection Regard: Barbara Wolff – Fotografien. In eigener Sache

Liebhaber der Fotografie kommen während der Art Week unter anderem in der Ausstellung von Barbara Wolff auf ihre Kosten. Die Künstlerin zeigt in chronologischer Reihenfolge verschiedene Ausschnitte ihres vielschichtigen Werkes. Eine kleine Rückschau quasi, die auch Thomas Köhler empfiehlt:

„Die Fotografin Barbara Wolff, 1951 in der Prignitz geboren, wird in den Räumen der engagierten Privatsammlung in Mitte mit einigen ihrer wichtigsten Werkgruppen präsentiert, sodass man von einer kleinen Retrospektive sprechen könnte.“ 

Wo: Steinstraße 12, 10119 Berlin
Wann: 14.–16. Sept, 14–18 Uhr 

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© Margherita Pevere

5. Art Laboratory Berlin: Nonhuman Agents

Wer Lust auf etwas Kunst abseits der großen Institutionen hat, für den ist sicherlich das Art Laboratory eine gute Adresse. Die dort gezeigten Arbeiten führen Euch auf künstlerische, performative und wissenschaftliche Weise Phänomene des Nichtmenschlichen vor Augen. Für Andreas Greiner ein kleiner Geheimtipp in der Art Week-Woche:

„Das Art Laboratory Berlin ist ein kleiner experimenteller Projektraum im Wedding und befasst sich mit der Grenze der Kunst zu den Naturwissenschaften. Deren Ausstellungsreihe ‚Nonhuman Agents‘ hat dieses Jahr schon einige interdisziplinäre Künstler ausgestellt sowie Workshops und Konferenzen veranstaltet. Zur Art Week werden die bisherigen Ergebnisse vorgestellt.“

Wo: Prinzenallee 34, 13359 Berlin
Wann: Eröffnung 14. Sept., 19 Uhr | Präsentationen vom 15.–17. Sept.

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© Simon Vogel

6. Julia Stoschek Collection: Jaguars & Electric Eels

Auch in diesem Jahr öffnet mit der Julia Stoschek Collection eine der größten Privatsammlungen Berlins zur Art Week ihre Türen. Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, sollte die Chance auf jedem Fall nutzen und sich die Sammlung anschauen, findet Thomas Köhler:

„Die Julia Stoschek Collection konzentriert sich auf Videoarbeiten und bespielt zwei Etagen eines Plattenbaus in der Leipziger Straße. Zur Art Week kann man die Ausstellung Jaguars & Electric Eels anschauen, deren Titel sich auf einen Aufsatz Alexander von Humboldts bezieht und die eine neue künstlerische Annäherung an Zoologie und Anthropologie versucht.“

Wo: Leipziger Straße 60 / Eingang Jerusalemer Straße, 10117 Berlin
Wann: 14.–17. Sept., 12–20 Uhr

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© James Thornhill / Studio Claire Fontaine. Courtesy Claire Fontaine und / and Galerie Neu, Berlin

7. Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.): Claire Fontaine – The Crack-Up

Nachdem der n.b.k. bereits im letzten Jahr mit dem Künstler Halil Altindere für ein volles Haus sorgte, werden in diesem Jahr Arbeiten des Künstlerkollektivs „Claire Fontaine“ gezeigt. 2004 in Paris gegründet, arbeitet das Kollektiv an der Schnittstelle zwischen Skulptur, Installation, Malerei und Videokunst. Für Andreas Greiner absolut sehenswert:

„Das Künsterlduo Claire Fontaine setzt sich in seinen Arbeiten kritisch und oft provozierend mit der Dialektik des Kapitalismus und unserem modernen Künstlerbegriff auseinander. Sie nennen sich einen ‚Ready-Made-Artist.‘”

Wo: Chausseestraße 128 / 129, 10115 Berlin
Wann: Eröffnung 13. Sept., 18 Uhr | 14. Sept. 2017–26. Jan. 2018, Di.–So. 12–18 Uhr, Do. 12~20 Uhr

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© Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, I'm Coming Home in Forty Days, 1997, Production Still Courtesy of Galerie Buchholz and Willem de Rooij

8. KW Institute for Contemporary Art: Willem de Rooij – Whiteout

Außerdem auf Eure To-Do-Liste für die Art Week setzen solltet Ihr einen Besuch der Ausstellung „Whiteout” von Willem de Rooij. Präsentiert werden Werke aus 20 Jahren, in denen sich der Künstler unter anderem mit den ethischen und politischen Folgen der massenhaften Verbreitung visueller Medien auseinandersetzt. Laut Thomas Köhler ein Highlight in Berlin Mitte: 

„Die Kunstwerke sind eine inzwischen legendäre Institution in der Auguststraße. Dort wird eine Retrospektive des 1969 geborenen niederländischen Künstlers Willem de Rooij gezeigt, der in vielen Medien zuhause ist und das Gebäude der Kunstwerke sicherlich großartig bespielen wird.“

Wo: Auguststraße 69, 10117 Berlin
Wann: Eröffnung 13. Sept., 19–22 Uhr | 14. Sept.–17. Dez., Mi.–Mo. 11–19 Uhr, Do. 11–21 Uhr

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© Antje Ehmann/Harun Farocki 2011

9. Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.): Nacheinander/Nebeneinander. Harun Farocki Retrospektive 

Ein weiterer Geheimtipp abseits der Galerien, Museen und Messen sind die Filme von Harun Farocki im Kino Arsenal. Unter dem Titel „Nacheinander/Nebeneinander“ zeigt der Neue Berliner Kunstverein dort erstmals das filmische Gesamtwerk des bereits verstorbenen Künstlers. Begleitet wird das Programm während der Art Week von verschiedenen Gesprächsreihen, bis Ende November folgen weitere Programmblöcke. Für Andreas Greiner ganz große Leinwandkunst:

„Der Videokünstler Harun Farocki beschäftigte sich auch als Dozent und Medientheoretiker mit der Macht von Bildern und speziell mit der Frage, wie sich Machstrukturen in visueller Kultur manifestieren. Zum Beispiel in unserer Medienrealität, wie Videospielen, der Kriegsberichterstattung und der Werbung.“ 

Wo: Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin
Wann: 15.–30. Sept., 21.–31. Okt., 20.–30. Nov.

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© Reinout Hiel

10. Hebbel am Ufer (HAU): Werkschau & Performance von Miet Warlop

Performance-Fans sollten während der Art Week außerdem das HAU ansteuern. Gezeigt werden gleich drei unterschiedliche Performances der Künstlerin Miet Warlop. Mit „Dragging the Bone“, „Mystery Magnet“ und „Fruits of Labor” verschmelzen ganz verschiedene Kunstarten zu einem Gesamtwerk, das man sich laut Thomas Köhler nicht entgehen lassen sollte:

„Das Hebbel am Ufer bespielt den Grenzbereich zwischen bildender und darstellender Kunst in überzeugender Weise. Nun hat man Gelegenheit, das Werk der belgischen Künstlerin Miet Warlop kennenzulernen, eine bisweilen abstrus wirkende, exzessive Mischung aus Performance, Konzert und Bildender Kunst.“

Wo: HAU1: Stresemannstraße 29, HAU2: Hallesches Ufer 32, HAU3: Tempelhofer Ufer 10
Wann: 14.–16. Sept.

Mehr Informationen:
Dragging the Bone
Fruits of Labor
Mystery Magnet