#läuftläuft

Wir zeigen Dir, was so läuft bei uns.

#MeineStraße

Hauptstadtmutti: Suse aus Pankow

Statt die Bude sauber machen, lieber mal mit den Kindern auf dem Sofa abhängen

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Uns bewegen Berlin und die vielen, so unterschiedlichen Geschichten seiner Bewohner. Was für Typen leben hier? Wie sieht ihr Alltag aus? Wir zeigen es in #MeineStraße. Den Anfang macht die Hauptstadtmutti. Sie bloggt über die Mütter unserer Stadt. Wir haben sie eingeladen uns über die Berliner Mamas auf dem Laufenden zu halten. Los geht’s mit Suse Marquart aus Pankow. Sie ist 46, Casterin mit eigenem Besetzungsbüro und alleinerziehende Mutti von zwei Kids (17 und 8).

Hauptstadtmutti: Erzähle uns über deinen Job als Casterin.

Suse: Ich suche Schauspieler für Kino- und TV-Filme. Das kann man sich so vorstellen: Es gibt die Idee für einen Kuchen und ich suche die Zutaten zusammen. Backen muss ihn dann der Regisseur. Das mache ich jetzt seit 2001, also fünfzehn Jahre. Ich habe ein Büro in Pankow und eine angestellte und eine freie Mitarbeiterin.

Hauptstadtmutti: Wie sieht bei dir ein klassischer Tag aus, mit deinem Job und zwei Kindern?

Suse: Also wenn ich einen Streber-Tage habe, lege ich die Sachen meines Sohnes echt am Abend zurecht. Das passiert aber an 100 Tagen 99 Mal nicht. Das heißt ich stehe um sechs Uhr auf, suche die Klamotten für meinen Sohn raus, mache Frühstück und mein Sohn zieht sich in der Zwischenzeit an. Meine Tochter verweigert sich dem morgendlichen Ritual und steht erst kurz bevor sie losgehen muss auf. Insofern stelle ich ihr nur das Frühstück, das sie mit in die Schule nehmen soll, hin. Ansonsten ist sie autark, sie ist groß genug. Dann rasen mein Sohn und ich zur Schule – es ist immer ein Rasen, wir schaffen es nie entspannt aus der Tür zu gehen, weil irgendeiner immer irgendwie zu spät ist. Dann bin ich ab 7.30 Uhr, spätestens 8 Uhr im Büro und setze mich an den Rechner. Entweder lese ich Drehbücher oder ich sitze an der Datenbank und suche nach Leuten. Dann gibt es natürlich tausende Anrufe und Mails – manchmal haben wir 20 Projekte parallel, was wirklich ein Mega-Stress ist. In der Regel hole ich meinen Sohn dann um 16.30 Uhr von der Schule ab oder fahre ihn zum Fußball. Manchmal holt ihn eine Freundin oder meine Mutter, dann kann ich länger arbeiten. Sonst geht's nach Hause, er spielt, während ich das Essen mache – und wenn er im Bett ist, arbeite ich wieder.

Ich übe mich darin, Scheiß drauf zu sagen.

Hauptstadtmutti: Du wirkst total entspannt, wenn man dich so sieht.

Suse: Echt? (lacht) Nee, das ist der Humor, der so tut, als wäre ich entspannt. Das ist eine völlig verquere Außenwahrnehmung. Ich wäre wahnsinnig gerne entspannt und ausgeglichen, bin aber das komplette Gegenteil. Leider neige ich auch zum Perfektionismus, was dazu führt, dass ich es mir nie recht mache. Den anderen vermutlich schon, aber eben mir irgendwie nie. Ich find mich immer nur so 70 Prozent okay – im Job oder wie ich das mit meinen Kinder hinkriege. Oder der Klassiker: Wir haben schon Dezember und ich habe immer noch keine Winterreifen drauf. Und meine Geschirrspülmaschine ist kaputt, was ein Desaster ist. Außerdem habe ich immer noch keine richtigen Kekse gebacken und meine Advents-Beschmückung zu Hause lässt arg zu wünschen übrig. Insofern stimmt eigentlich nie alles.

Hauptstadtmutti: Aber was machst du denn, dass trotzdem alles irgendwie funktioniert?

Suse: Ich übe mich darin zu sagen: Scheiß drauf. Dann sind es halt nur Zweige und dann hängt eben nur eine Kugel dran und dann bleiben die Lichterketten im Zweifel halt im Keller. Ich versuche mich selbst nicht mehr so zu stressen oder unter Druck zu setzen. Ich arbeite an meinem Nicht-Perfektionismus. Fünfe gerade sein lassen – das entspannt mich ehrlich gesagt richtig. Und samstags statt sechs Stunden die Bude sauber zu machen lieber mal mit den Kindern auf dem Sofa abzuhängen, Kakao zu trinken und einen Disney-Film anzugucken oder auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Aber das ist ein Prozess gewesen. Ich habe gemerkt – und das hängt vielleicht auch mit meinem Alter zusammen – , dass das Leben vorüberzieht. Und das soll man nicht mit Putzen verbringen, wenn man auch auf den Weihnachtsmarkt gehen kann.

Hauptstadtmutti: Habt ihr schon Pläne für Weihnachten dieses Jahr?

Suse: Wir feiern in der Regel zu Hause. Trotz der karibischen Temperaturen, die hier in den letzten Jahren herrschten, konnte ich es mir irgendwie nie vorstellen wegzufahren. Meine Kinder bestehen auf einen Weihnachtsbaum. Wir werden ihn dieses Jahr ein bisschen früher kaufen und auch früher schmücken, weil ich es ein bisschen als rausgeschmissenes Geld empfinde, wenn man ihn erst am 24. früh schmückt und dann am 2. Januar schon wieder wegschmeißt. Außerdem werden wir wieder sehr viel essen, als gäbe es kein morgen, ohne Sinn und Verstand und mit sehr viel Freude. Bei uns gibt es Gans und den ganzen Plunder. Und danach dann Entspannung, Spazieren gehen oder ein Buch lesen. Ich hab einen großen Stapel an Zeitungen angesammelt, die ich mir immer mal wieder gekauft habe, um sie mir am Wochenende mit einem Glas Rotwein zu Gemüte zu führen.

Hauptstadtmutti: Und was magst du an Weihnachten am liebsten?

Suse: Weihnachten ist für mich insofern die schönste Zeit im Jahr – und das hat gar nichts mit Weihnachten an sich zu tun – , weil wirklich alle Urlaub haben und man ohne schlechtes Gewissen freimachen kann. Alle lassen einen in Ruhe. Und das ist Entspannung genug.