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InfraLab 4: Wir machen hier Innovation

„Guckt mal hier! Die machen richtig was Tolles!“

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Das war nicht unbedingt abzusehen, dass Frieder und Norbert hier landen. Der eine Biologe und Wirtschaftsingenieur, der andere Energie- und Verfahrenstechniker. Beide arbeiten bei der BSR, der Berliner Stadtreinigung, im Innovationsteam und haben ihre Schreibtische zeitweise ins InfraLab Berlin, dem Co-Working-Projekt der sechs großen Berliner Infrastrukturunternehmen, verlegt. Warum tauschen sie einen klassischen Arbeitsplatz im Stammhaus des Unternehmens mit einem mobilen Arbeitsplatz im Containerhaus?

„Mach mal Innovationen!“ – diesen Auftrag bekam Frieder 2008 von seinen Chefs. Er sollte die Innovationskultur im Unternehmen verändern. Denn die war „nicht so richtig prickelnd“, erzählt er. Also ging es nach draußen, Input holen, Innovationen für Müllabfuhr und Reinigung. Durch Zufall kam der Kontakt zur Fachhochschule Potsdam und der Kunsthochschule Weissensee zustande und es gab schnell ein erstes Projekt mit Designstudierenden. „Die hatten praktisch ein Semester Zeit, die Müllabfuhr neu zu denken“, erklärt Norbert. „Wir haben einfach nur erklärt, wie jetzt Abfallsammlung und Straßenreinigung funktionieren und haben auf Wunsch der Professoren den Studierenden überhaupt keine Vorgaben gemacht.“ Das Ergebnis: Die Studentinnen und Studenten haben nicht einfach die Mülltonnen oder Müllfahrzeuge ein bisschen optimiert. Sondern sie haben zum Beispiel einen ergonomischen Besen entworfen und sogar Ideen entwickelt, wie man Müll über die Kanalisation entsorgen könnte. Die Reaktion der BSR beschreibt Frieder so: „Wow, Mensch. Ist alles ganz anders!“

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Frieder hat den Fisch am Haken, oder besser gesagt: Die Ideen für die Zukunft.

Aber im Innovationsteam soll es nicht bei der Idee bleiben. Mit Design-Studentin Evelyn wurde eine Idee innerhalb von drei Jahren bis zum fertigen Produkt entwickelt. Der Mülltonnenhalter Arc32, mit dem Rollstuhlfahrende aber auch Kinder und ältere Menschen ihren Müll barrierefrei entsorgen können. Mittlerweile arbeitet Evelyn fest als Produktdesignerin bei der BSR, denn die völlig andere Denkweise, die Designer mitbringen, hat auch die Führungskräfte bei der BSR überzeugt. Davon wollten sie mehr.

Und das war der Punkt, an dem die BSR ans InfraLab gekommen ist. Norbert erzählt: „Wir haben gesehen: So kommen wir nicht weiter. Wir können nicht jedes Mal einen Studierenden einstellen, damit die oder der seine Idee zu Ende bringt. Wir brauchen selbst Räume und Kapazitäten, um solchen Ideen  weiter nachgehen zu können. Dieser Ansatz war ursächlich für unser Engagement  beim InfraLab.“
Dabei gibt es bei der BSR ein eigenes Ideenlabor schon seit 2010. Beschäftigte aus allen Bereichen können daran mitwirken, und  es gibt keine Hierarchien. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben die Chance, aus ihrer BSR-Box rauszukommen – in ein anderes Umfeld, wo sie frei denken können.“

Vor allem die Nähe zu den anderen Unternehmen im InfraLab ist ganz nach Norberts Geschmack: „Austauschen, Synergien nutzen, auf Erfahrungen anderer aufbauen. Jedes Unternehmen kann hier machen, was es will. Wenn beispielsweise die GASAG Lust hat, ein Projekt zu machen, dann können die ihre Leute hier hinsetzen und machen lassen.“ Synergien nutzen heißt zusammenarbeiten und zwar über Unternehmensgrenzen hinweg. Deshalb kümmern sich gemeinsame Arbeitsgruppen der InfraLab-Partner zum Beispiel um das Thema Klimaschutz und um ein Bildungsangebot, das Schülerinnen und Schülern einfach erklärt, was die Berliner Infrastrukturunternehmen eigentlich so für den Klimaschutz machen.

Frieder und Nobert schöpfen alle Möglichkeiten aus, die das Arbeiten im InfraLab zu bieten hat. Etwa drei Mal in der Woche sind sie hier, treffen  Kollegen der  anderen Unternehmen  und tauschen sich aus. Aktuell wird gemeinsam an Konzepten zur Elektromobilität gearbeitet. Ziel ist es, Schnittstellen der Unternehmen untereinander optimal zu nutzen, um nachhaltige Projekte voranzubringen. „Denn im Endeffekt stehen wir doch alle vor den gleichen Herausforderungen und diesen stellen wir uns hier eben gemeinsam“, erzählt Norbert.

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Raum zum Ausbrechen und Neudenken – dafür kommt Norbert ins InfraLab.

Ach und da war ja noch etwas: Der Auftrag „Mach mal Innovationen“. Geht das so einfach? „Wir kommen mit neuen Ideen und Produkten derzeit am besten weiter, wenn wir es ein bisschen an der Hierarchie in der Organisation vorbei machen. Sonst dauert alles einfach zu lange oder wird abgelehnt“, verrät Frieder. Das soll sich aber ändern, denn mit  einer gelebten und etablierten Innovationskultur wird das anders. Da wird dann nicht mehr gleich sagt: „Geht nicht“, sondern erst mal zugehört und ausprobiert. Einen langen Atem haben, Versuch und Irrtum zulassen. So versteht Frieder seinen Job. Im InfraLab findet er das passende Umfeld für Gedankenexperimente. Deshalb arbeiten er und Norbert gern und regelmäßig hier. Aber vielleicht auch ein bisschen deswegen, weil er den Dorfplatz im InfraLab so mag. „Weil hier am meisten passiert. Oder besser: passieren sollte."