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Jetzt wird's arty: „Aufbau“ im GASAG Kunstraum

„Ich weiß nicht mal ansatzweise, was geschehen wird.“

Es ist lange kein Geheimnis mehr: Wer gern Kunst anguckt, ist in Berlin-Mitte bestens aufgehoben. Die Galeriendichte ist dort so legendär hoch wie sie abwechslungsreich ist. Doch wir haben da noch einen Geheimtipp – das Kundenzentrum der GASAG direkt am Hackeschen Markt. Habt Ihr noch nicht gewusst? Dann sollte ein Besuch dringend auf Eure Bucket List, denn momentan könnt Ihr dort im Kunstraum in die beeindruckenden Zeichnungen von Katrin Günther eintauchen, die Euch auf einen Kurztrip in die futuristische Gedankenwelt der Künstlerin mitnehmen.

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Großer Andrang: Mit "Aufbau" zeigt Katrin Günther eine Ausstellung speziell für den GASAG Kunstraum

Im Kunstraum angekommen, weiß das Auge gar nicht, wo es zuerst hinschauen soll. Im Großformat begegnet man Architekturgebilden in gerüstähnlichen Strukturen, die stetig zu wachsen scheinen und im Kontrast zu ruhigen, kühlen Zeichnungen von Naturlandschaften stehen. Unzählige Linien und Formen türmen sich vor den Besuchern, sodass es fast etwas Schwindelfreiheit abverlangt. Gemeinsam haben die Bilder eines: den stetigen Aufbau.

Wie entstehen solche komplexen Bilder und was steckt dahinter? Das haben wir uns von der Künstlerin höchstpersönlich erklären lassen und ihr kurz vor der Eröffnung ein paar Fragen gestellt.

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Strich für Strich: Katrin Günther schafft bildhafte Gedankenwelten, in denen sich der Betrachter bereitwillg verliert.

Können Sie uns kurz beschreiben, was für Arbeiten zu sehen sind?

Das sind Zeichnungen auf Papier und auf Leinwand, meistens in schwarz auf weißem Grund, hin und wieder auch mit ein paar kleinen farbigen Akzenten drin. Es ist eine Mischung aus größeren und kleineren Formaten, die für diesen Raum ausgesucht wurden. Es sind Arbeiten, die in den letzten vier, fünf Jahren entstanden sind.

Womit zeichnen Sie?

Ich zeichne üblicherweise und am liebsten mit Tusche auf Papier oder auch auf Leinwand. Manchmal, äußerst selten, kommt dann in der Farbigkeit Acrylfarbe dazu. Neuerdings habe ich auch mal versucht, ein sehr großes Format mit Öl auf Leinwand zu zeichnen. Tusche auf Papier ist aber das Übliche.

Die Zeichnungen sind sehr fein. Nehmen Sie dafür die Feder?

Hauptsächlich die Feder, vor allem die ganz feinen Sachen. Diese hier sind aber teilweise mit einem Tuschestift gezeichnet. Für manche Sachen nehme ich auch einen Pinsel.

Was hat es mit den Motiven in Ihren Bildern auf sich?

Ich würde sagen, dass es Landschaftsbilder sind. Die Landschaft in meinen Bildern baut sich aus architekturähnlichen Situationen auf. Es ist vielleicht etwas entrückt aus dem üblichen Verständnis eines Landschaftsbilds. Der Hintergrund ist der, dass es sich um eine Landschaft handelt, die selbständig agiert und wächst. Daher die Hinweise auf die menschliche Behausung.

Ist die Architektur ein Thema, das sie immer wieder aufgreifen?

Es ist gar nicht unbedingt die Architektur, sondern ein Landschaftsthema, in dem Bäume genauso vorkommen wie Häuser. Natürlich werde ich aus meiner Geschichte heraus immer mit Architektur assoziiert.
(Katrin Günther studierte von 1990–1996 Architektur an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und Universität Mailand, Anm. d. Red.)

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Wissen Sie schon vor Beginn an einer Arbeit, wie sie später aussehen wird?

Wenn ich ein Papier oder eine Fläche vor mir habe, weiß ich nie vorher, was damit passieren sollte. Natürlich geht man mal mit einer Stimmung ran, die positiv oder negativ ist – ob man in den Abgrund schaut oder in den Himmel. Es ist eher ein Gefühl, das vorher drinsteckt. Es funktioniert so, dass ich irgendwo den ersten Strich setze, um den ersten Schlag getan zu haben. Das ist die Stelle, an der man sagt: Jetzt kann es nur den Berg runtergehen oder gelingen. Auf den ersten Strich folgt dann der nächste. So addiert und formt sich alles, genauso wie meine Vorstellung der Landschaft, die sich ganz selbständig entwickelt. Ich kann letztendlich auch nur auf das reagieren, was da passiert.

Sie wissen also selbst nicht, was passieren wird?

Nicht mal ansatzweise.

Wann entscheiden Sie, dass ein Werk fertig ist?

Wenn der nächste Strich zu viel wäre.

Wie lange brauchen Sie für Ihre Arbeiten?

Auf diese Frage habe ich gewartet! Ich weiß es nicht. Es dauert wirklich sehr lang. Es gibt Arbeiten, die lassen einen überhaupt nicht los, weil sie sich völlig unerwartet entwickeln. Manche Arbeiten gehen einem leichter von der Hand und manche sind schwerer zu händeln. Die hat man am längsten im Kopf, weil man sich an ihnen so aufgerieben hat. Das Schöne daran ist, dass die Beschäftigung mit diesen „Problemfällen“ am Ende immer eine neue Erkenntnis zutage bringt, weil man damit etwas macht, was man noch nie vorher gemacht. Das birgt natürlich auch das Risiko, mit dem letzten Pinselstrich alles kaputt zu machen – was aber noch nie vorgekommen ist (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch, Katrin Günther.

Der GASAG Kunstraum zeigt die Ausstellung „Aufbau“ von Katrin Günther noch bis zum 9. Juni 2017. Der Eintritt ist frei.