Slow Food: weniger verschwenden, mehr genießen

Das meiste Obst und Gemüse, das wir im Supermarkt angeboten bekommen, ist genormt. Die Gurken sind schön grün und gerade, Karotten haben eine hübsche Trichterform und Paprika eine gleichmäßige Färbung. Fakt ist allerdings, dass bei der Ernte auch viele Gurken krumm sind, Karotten oft zwei oder mehr Wurzelenden haben und Paprika manchmal gefleckt statt einfarbig sind. In die Auslage im Supermarkt und unsere Teller schaffen es diese Lebensmittel nicht, gegessen werden können sie aber natürlich trotzdem.  

Dafür setzt sich die Slow Food Bewegung ein. Sie animiert dazu, die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu vermeiden und dadurch nachhaltiger und bewusster zu leben. Denn allein in Deutschland werden jedes Jahr circa 15 Millionen Tonnen Essen weggeworfen. Auch in Berlin trägt die Bewegung bereits erste Früchte. Wir stellen Euch mehrere Initiativen vor, die der Verschwendung den Kampf angesagt haben, und eine bewusstere Ernährung fördern. 

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© Culinary Misfits

Misfits im Mittelpunkt

 

Das Berliner Startup Culinary Misfits hat den Slow Food Trend aufgegriffen und zeigt mit verschiedenen Maßnahmen, dass vermeintlich hässliches Gemüse nicht schlechter ist als genormte Ernteprodukte. Auf Facebook und ihrer Homepage macht die Initiative auf das „Außenseiter“-Gemüse aufmerksam und zeigt mit einer mobilen Gemüsewerkstatt und Workshops für Groß und Klein, was sich daraus Leckeres zaubern lässt. Ab und an kann man das Team von Culinary Misfits auch auf Märkten finden, wo sie ihre „Misfits“ verkaufen.


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© SirPlus

Outlet für Ausschuss-Lebensmittel

Ein ähnliches Geschäftsmodell hat der neu gegründete Lebensmittel-Outlet-Laden SirPlus. In der Wilmersdorfer Straße gibt es Ausschuss-Lebensmittel, die in normalen Supermärkten entsorgt würden. Das Startup bietet „gerettete“ Lebensmittel an, die bestens genießbar sind. Das große Plus: Man schont nicht nur Umwelt und Ressourcen, sondern auch den eigenen Geldbeutel. Für alle, die nicht in der Nähe des Outlets leben, wird es ab Herbst auch einen Online-Shop geben, der gerettete Produkte in ganz Deutschland liefert.

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© Dörrwerk

Knackige Snacks aus gerettetem Obst und Gemüse

Nicht normgerechte Lebensmittel machen auch bei Dörrwerk eine neue Karriere – und zwar für weniger Kochbegeisterte. Denn: Die Berliner Manufaktur fertigt Snacks aus Obst und Gemüse, das aufgrund ästhetischer Mängel nicht mehr in den Handel kommt und oftmals tonnenweise weggeworfen wird. Dörrwerk erwirbt bei Landwirten und Großhändlern Lebensmittel mit Makeln und verarbeitet sie in Handarbeit und frei von Zusatzstoffen zu leckeren und gesunden Snacks. Gemüsechips und Fruchtpapier von Dörrwerk sind in fast jedem Supermarkt erhältlich.


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© Restlos glücklich

Restlos glücklich essen in Neukölln

Wer fair und ressourcenschonend essen gehen möchte, ist bei Restlos glücklich in der Neuköllner Hobrechtstraße an der richtigen Adresse. In dem Restaurant werden überschüssige Lebensmittel besonders wertgeschätzt. Aus Produkten, die zwar noch voll und ganz genießbar sind, aber sonst entsorgt würden, kocht das Team kreative und hochwertige Gerichte. Auch schräges Obst und Gemüse aus der Region kommt so auf die Speisekarte und den Teller. Bezogen wird es unter anderem von Querfeld. Das Startup liefert nicht für den Verkauf geeignete Erzeugnisse von Bauern der Umgebung an Kitas und Restaurants. Wer damit selbst gerne einmal kochen möchte, kommt bei Restlos glücklich übrigens auch zum Zug: Das Restaurant bietet neben seinen wechselnden Gerichten auch Kochkurse an.

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© ResQ

Lebensmittelrettung per App

Für kurzentschlossene Lebensmittelretter gibt es die Plattform ResQ. Sowohl auf der Website als auch in der App der Initiative werden verschiedenste Lokalitäten in der Umgebung angezeigt, in denen übrig gebliebene, aber noch voll genießbare Produkte und Gerichte angeboten werden. Sei es beim Supermarkt, Bäcker oder Italiener ums Eck – meist findet jeder etwas nach seinem Geschmack. Die gesicherten Gerichte können dann im Laufe des Tages direkt beim Anbieter abgeholt werden.