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Self-made energy: Biogas aus dem Wunderstoff Alge

Benjamin und Johann tüfteln im InfraLab Berlin an CO2-freier Energieversorgung mit Algen

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Als echter Großstadtberliner sieht man sie im Sommer vielleicht mal im Müggel- oder Schlachtensee, selten jedoch im asphaltierten Großstadtdschungel: Algen. Doch das Seegras spielt nicht nur für das Ökosystem der Berliner Gewässer, sondern auch für die künftige Energieversorgung eine wichtige Rolle. Davon jedenfalls sind Johann Bauernfeind und Benjamin Herzog überzeugt. Sie arbeiten an kleinen Kraftwerken für die Hauswand, in denen Algen für die Produktion von Biogas eingesetzt werden und damit zur klimaneutralen Energiegewinnung beitragen. Wir haben die beiden im InfraLab auf dem Euref-Campus in Schöneberg getroffen und mit ihnen über ihr Start-up solaga und grüne Energie gesprochen.

Auf die Idee für ihre molekularen Kraftwerke kamen Johann und Benjamin 2015. Sie war so überzeugend, dass die Humboldt-Universität zu Berlin ihnen ein Labor zur Verfügung stellte. „Bevor wir mit den Experimenten beginnen konnten, mussten wir viele Hypothesen voraussetzen. Zum Beispiel, dass unsere Algen auch über einen längeren Zeitraum produktiv und stabil genug sind, um eine reale Anwendung zu ermöglichen“, erzählt Biotechnologe Johann und fügt freudig hinzu: „Unsere Theorien haben sich zum Glück bewahrheitet.“ Der 27-jährige Benjamin, seinerseits Biologe und Jurist, ergänzt stolz: „Nach zahlreichen Versuchen fokussierten wir uns auf die Nutzung von Algenbiofilmen, die auch in extremen Verhältnissen überleben können. Das war echte Pionierarbeit auf diesem Gebiet.“ Gemeinsam gründeten die beiden daraufhin das Startup solaga und forschen seitdem an solarer Biogasgewinnung mithilfe von Mikroorganismen.

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Das Prinzip: Die beiden gewinnen Energie durch die Fähigkeit von Algen, Kohlendioxid und Sauerstoff zu fixieren. Dabei werden kohlenstoffreiche organische Verbindungen aufgebaut, die mithilfe von Bakterien in Biogas umgesetzt werden. Perspektivisch sollen Kleinst-Solarbiogasanlagen entstehen, die sogar Ein- und Mehrfamilienhäuser CO2-neutral versorgen können. Dazu befinden sich die Solarpaneele auf dem Dach und der Brennwertkessel im Keller.

Wir möchten einen Fußabdruck in der Welt hinterlassen und etwas verbessern.

Auf diese Weise soll jeder seine eigene Energie erzeugen und langfristig speichern können – und sich gleichzeitig seines eigenen Verbrauchs bewusst werden. Ein weiterer positiver Effekt: Die Dezentralisierung der Energieerzeugung führt zu Einsparungen fossiler Energieträger und reduziert Rohstoffabhängigkeiten. „Wir möchten einen Fußabdruck in der Welt hinterlassen und etwas verbessern. Und mit was kann man mehr Einfluss haben als mit Energie?“, sind sich die Unternehmensgründer sicher. Seit kurzer Zeit hängen deshalb an der Fassade des Euref-Campus Algen-Panels. Sie sollen den Einfluss von realen Wetter- und Lichtverhältnissen auf die Algen testen. 2018 soll erstmals auch vor Ort Biogas erzeugt werden.
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Auf ihrem Weg in eine grüne Zukunft haben die Jungunternehmer auch personelle Unterstützung bekommen. Mittlerweile umfasst das solaga-Team vier Personen sowie ein großes Netzwerk an Helfern. Und zwischendurch greifen ihnen auch andere Biotech-Interessierte mit ihrem Können unter die Arme. So wie Thomas Sczyrba, selbständiger Informatiker aus Hamburg, und Michael Pfeifer, Kybernetiker aus Stuttgart. Nachdem sie solaga kennen gelernt hatten, entschlossen sich die beiden kurzerhand, dem Startup zu helfen. Zusammen mit dem Team schraubten, löteten und programmierten sie an einer Platine, mit dem das Algen-Panel ans Internet angebunden werden kann, um die Prozesse auch digital zu überwachen. Es fehlt also nicht mehr viel, bis der Wunderstoff Alge seine Wirkung entfalten kann. 

Die GASAG unterstützt das Start-up solaga als Partner und stellt unter anderem das Co-Working-Space Infralab auf dem Berliner Euref-Campus als Arbeitsraum und Versuchsort zur Verfügung. Als moderner und zukunftsorientierter Energiedienstleister fördern wir innovative Projekte zur Wärmewende schon seit vielen Jahren.