#TypischGASAG

Tiefenentspannt im Untergrund

Arbeiten im Berliner Erdgasspeicher

#wirversorgendich – übrigens auch mit Einsatz unter Tage: Axel Schröter arbeitet seit 30 Jahren im Keller Berlins, dem Erdgasspeicher. Was seinen Job so "unterirdisch" spannend macht und warum in seinem Reich alles andere als Finsternis herrscht: ein Besuch bei jemandem, der sich ganz unten hochgearbeitet hat.
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Gebirgsformationen prägen Axel Schroeter vom Berliner Erdgasspeicher (BES) beruflich und privat gleichermaßen. Wenn der 56-jährige Produktionstechniker eine Auszeit vom Job nimmt, zieht es ihn in sein kleines Holzhäuschen hinauf in luftige Sphären, in fast 700 Meter Höhe. Mitten im Fichtelgebirge, in der Nähe des Ochsenkopfes, spannt Schroeter dann mit seiner Frau in Garten und Laube aus, den Blick auf Gipfel und Täler gerichtet. Beim Berliner Erdgasspeicher sind es auch die geologischen Formationen, die ihn seit fast drei Jahrzehnten faszinieren – Erd- und Gesteinsschichten, tief unter der Oberfläche, die einem unterirdischen Gebirge ähneln. Wenn Schroeter in seine „Katakomben“ steigt, um dort Druckbehälter und Bohrlöcher zu überprüfen sowie die Technik zu warten, taucht er in sein zweites Zuhause ab.

Mit 200 Millionen Kubikmetern Erdgas ist der Speicher bei seiner Inbetriebnahme befüllt worden und Axel Schroeter ist quasi der Chef im unterirdischen Maschinenraum. Er kontrolliert und überwacht mit seinen Kollegen, ob das Erdgas korrekt gefiltert, komprimiert und über Sonden in den Speicher eingeleitet wird. Der wuchtige Mann mit original Berliner Schnauze liebt seine Frau, seine Kinder – und den Berliner Erdgasspeicher. „Der Speicher hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin“, sagt Schroeter.

Sein Abstieg war ein echter Aufstieg

Dabei hatte er sich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn zunächst um Gaspedale und nicht um Gasspeicher gekümmert. Die Karriere als Kfz-Mechaniker war jedoch nur kurz, und nachdem sein damaliger Chef tödlich verunglückte, heuerte Schroeter im Gaswerk Mariendorf an. Mit Erfolg: Er wartete Anlagen und war in den Schichtdienst integriert. So aufregend die Zeit auch war, Axel Schroeter fühlte, dass er noch nicht sein Ziel erreicht hatte. Auch nach dem Wechsel vom Gaswerk zum Speicher nicht. „Als selbständiger Mensch war mir das Einhalten des Dienstwegs zudem sehr ungewohnt“, erinnert er sich. Reine Kontrollgänge während seiner Schichten wurden ihm schnell zu langweilig, und so griff er sich dicke Leitz-Ordner, in denen die Gewährleistungsmängel des jungfräulichen Speichers aufgelistet waren – und begann sie abzuarbeiten.

Als die Betriebsleitung davon Wind bekam, war der Schichtbetrieb für Schroeter Geschichte, und er begann seine ganz eigene zu schreiben, als staatlich geprüfter Techniker für Erdgas- und Erdölförderung, kurz: Fördermeister. Der Speicher ist sein Baby, obwohl beide in die Jahre gekommen, aber nach wie vor „Stand der Technik“ sind. „Wir haben ihn in Betrieb genommen, ihn befüllt und dann richtig Geld gemacht!“, blickt er zurück. Schicht für Schicht. Sieben Nächte, sieben Spätschichten, sieben Frühschichten und dann zwei freie Wochenenden.

Der Speicher hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Seit Jahrzehnten ist die nach Einschätzung von Schroeter vermutlich kleinste Untertageabteilung Deutschlands sein Reich. Ein Reich mit aufwändigen technischen Installationen, die für ein Höchstmaß an Sicherheit rund um die Bohrlöcher sorgen. Dieses Reich teilt er mit einem Bohr- und einem Lagerstätteningenieur, der zugleich sein Gruppenleiter ist. „60 bis 65 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich im Freien“, erzählt der Berliner, und bei den ganz großen „Baustellen“ wie dem der Untertägigen Methanisierung, einem auf zweieinhalb Jahre ausgerichteten Forschungsprojekt, ist Schroeter ein gefragter Experte der Projektpartner.

Im Untergrund hat er endlich den Freiraum und die Entscheidungsfreiheit, die er sich immer gewünscht hat. „98 Prozent meiner Entscheidungen waren richtig, sonst hätte es für den Speicher teuer werden können“, sagt er selbstbewusst. „Wenn ich etwas verbocke, kann das schnell mal mehrere 100 000 Euro kosten.“ Bislang sind ihm und dem BES das erspart geblieben. Aber die Zeit beider läuft ab. Axel Schroeter plant, in knapp drei Jahren in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Und der BES hat den Betrieb des Berliner Erdgasspeichers und somit die Vermarktung von Speicherkapazitäten schon Anfang 2017 eingestellt. „Das tut mir schon weh“, gibt Schroeter zu. „Wir hatten Tage der offenen Tür und Ausbildungsführungen und waren stolz, den Leuten zu zeigen, was wir hier machen.“

Drei Jahrzehnte – alles richtig gemacht

Fast 30 Jahre ist er auf Augenhöhe mit „seinem“ Speicher, und mittlerweile kann ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen. „Wenn man so lange wie ich in der Koksbude gearbeitet hat“, sagt er, „dann ist man wirklich tiefenentspannt.“ Also im nächsten Leben alles noch einmal von vorn? „Nein, nicht ganz. Ich würde mich bemühen, schon viel eher als Techniker arbeiten zu können.“

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Unterwegs unter Tage: Axel Schroeter in seinem Reich – dem Berliner Erdgasspeicher (BES)