#Stromotion

Zu später Stund' im Tierpark Berlin

So kommen Wolf, Flamingo & Co. abends zur Ruh

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Wenn über Berlin die Dämmerung hereinbricht, wird so mancher belebte Ort zur ungeahnt ruhigen Oase in einer Stadt, die niemals schläft. Einige dieser zur späten Stund‘ oft unbekannten Orte besuchen wir für euch. Nach unserem Auftakt im nächtlichen Museum für Kommunikation Berlin folgt ein abendlicher Besuch im Tierpark Berlin, wo sich bei einbrechender Dunkelheit die Menschen zurückziehen und die Tiere das Feld übernehmen. 

Die letzten Besucher verlassen gemächlichen Schritts den Tierpark im Osten Berlins. Mütter und Väter lenken Kinderwägen durch den Ausgang, Omas und Opas ziehen ihre Enkelkinder hinter sich her. Die Kleinen werfen einen letzten wehmütigen Blick zu den Baumstachlern und Präriehunden, deren Gehege kurz vor dem Ausgang liegt. 
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Genau hier beginnt für uns im Licht der Abenddämmerung eine ganz besondere Führung. In den nächsten anderthalb Stunden wird uns unser Guide Adrienne die ‒ im wahrsten Sinne des Wortes ‒ dunklen Seiten des Berliner Tierparks zeigen. Welche Tiere sind nachts aktiv? Wer bevorzugt den Komfort eines warmen Hauses und wer schläft lieber unter freiem Sternenhimmel?

Gleich zu Beginn der Tour stellt Adrienne klar: „Zootiere passen sich ihrer Umgebung an. Wenn also tagsüber viel los ist, schlafen auch die Nachtaktiven nicht den gesamten Tag.“ Anders sei es bei Tieren, deren Biorhythmus nicht gestört werden darf. Diese leben – wie zum Beispiel im Zoo Berlin – in einem Nachttierhaus, in dem der Tages- und Nachtrhythmus vertauscht wird, damit Besucher diese Tiere erleben können. Und von den Nachtaktiven gibt es jede Menge: So bestehen die meisten der heute lebenden Säugetierordnungen aus vorwiegend oder ganz nachtaktiven Arten.

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Zu ihnen gehören auch die Baumstachler. Noch haben sich die drei Nordamerikaner – mittlerweile sind sie zu viert – an diesem lauen Frühjahrsabend hoch oben auf den Ästen eingemurmelt, gleich kugeligen Misteln sind sie kaum erkennbar. Doch je ruhiger es um sie herum wird, desto aktiver werden die Tiere. Ein herzhaftes Gähnen, ein erstes Kratzen am Bauch, dann rutschen Annie, Oskar und Pixie von den Ästen herunter und begrüßen sich. Genau wie bei uns Menschen ist auch ihre erste Handlung nach dem Aufstehen: die Morgentoilette. 

Wir lassen die gerade munter werdenden Baumstachler hinter uns und gehen weiter hinein in den weitläufigen Park, der mit seinen 160 Hektar der größte Landschaftstiergarten Europas ist. Hier und da begegnet uns noch ein Besucher, spazierend in der untergehenden Abendsonne Richtung Ausgang. Es wird ruhiger, aber nicht stiller. Verstummen die Menschen, werden die Tiere umso lauter. Die Schreie der Varis hallen durch die Luft, und die Rothunde, die erst vor kurzem Nachwuchs bekommen haben, schnattern aufgeregt in die Dämmerung hinein. Breite Wege liegen verlassen vor uns. Auf einmal stolzieren Pfauen vorbei und lassen sich auf dem großen Spielplatz nieder, wo vorher noch Dutzende Kinder laut und ausgelassen getobt haben.
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Knapp 9.000 exotische Tiere leben in dieser abwechslungsreichen, weitläufigen Parklandschaft. Je nach Klimazone stehen ihnen Tropen-, Warmhaus, Höhle oder Unterstand als Ruhelager zur Verfügung. Schlafende Tiere sind bis auf wenige Ausnahmen allerdings keine entspannten Träumer, sondern Wesen in Alarmbereitschaft. Nur Raubtiere können sich den sorglosen Schlummer leisten. „Fluchttiere dagegen ruhen und dösen, fallen aber nicht lange in Tiefschlaf“, erzählt uns Adrienne. 

Die 30-Jährige arbeitet seit 2015 in der Tierparkschule, plant und organisiert Führungen wie Rallyes für Kids, Spurensuchen oder After-Work-Touren. Heute habe sie endlich mal wieder Gelegenheit, Schreibtisch gegen Bollerwagen zu tauschen und uns den Tierpark in der Abenddämmerung zu zeigen. Schon als Kind war die geborene Berlinerin häufig mit ihren Eltern zu Besuch im Tierpark. Zu ihrem Lieblingstier, dem Afrikanischen Elefanten, kommen wir heute allerdings nicht: „Die Tiere würden sich nur furchtbar erschrecken, wenn wir sie in ihrer Abendruhe stören würden.“ 
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Ganz anders die Tüpfelhyänen, die jetzt erst richtig wach werden. Neugierig schauen sie zu uns Fremden hinüber. „Das sind wirklich spannende Tiere. Denn Weibchen führen die großen Clans an. Leider werden sie in unserer Gesellschaft noch immer verkannt“, so Adrienne. Auch der sich in Deutschland wieder ansiedelnde Wolf habe sein schlechtes Image zu Unrecht, bedauert die Verhaltensbiologin. Während uns die drei im Tierpark lebenden Wolfsbrüder argwöhnisch beäugen, betasten wir einen echten Wolfspelz, den Adrienne in ihrem Bollerwagen mitgebracht hat. 

Da sich unterdessen die Dunkelheit über den Tierpark legt, beginnt langsam der Rückweg. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, nur noch ein Sicherheitsdienst patrouilliert durch den Park. Steht bei einem trächtigen Tier allerdings eine Geburt an, beziehen Pflegerinnen und Pfleger auch mal ein Nachtquartier, um im Notfall eingreifen zu können, erzählt Adrienne. Ein Chef vom Dienst sei rund um die Uhr erreichbar. Manchmal passieren aber auch Überraschungen – so wie am Neujahrsmorgen 2016, als auf einmal Babyelefant Edgar die Pfleger überraschte. 
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Kurz darauf ist es um uns herum fast dunkel. Keine einzige Laterne beleuchtet den Tierpark, nur im Terrarium der Maras auf unserem Weg leuchtet noch eine Wärmelampe. Noch völlig unbeirrt von der hereinbrechenden Dunkelheit sind die Flamingos: großes Gezeter auch zu später Stund. Ansonsten raschelt es auf dem Weg hier und da in den Blättern, „manchmal streifen auch frei lebende Füchse durch den Park“, so Adrienne. Zwischen den ersten Sternen am Abendhimmel blinken ab und zu Lichter eines Flugzeugs auf. Der Tierpark – zunehmend ein schwarzes Loch inmitten einer Stadt, die niemals schläft. 

Weitere Informationen zu den verschiedenen Führungen im Tierpark Berlin findet ihr hier.