Interview mit Dr. Gerhard Holtmeier

Sie sind nun beinahe seit 100 Tagen Vorstandsvorsitzender: Wie haben Sie die GASAG bisher erlebt?

Die GASAG hat für mich die beste Energiemarke der Hauptstadtregion. Sie ist nicht nur Marktführer im regionalen Wärmemarkt sondern auch die Nummer 1 bei Ökostrom in Berlin. Es ist eine tolle Aufgabe, einem so starken Unternehmen vorzustehen und gemeinsam mit meinen Kollegen und Mitarbeitern so auszurichten, dass nach 171 Jahren erfolgreicher Arbeit die Weichen für weitere Jahrzehnte nachhaltig gestellt werden. Dafür wollen wir auch investieren. In den nächsten drei Jahren werden wir rund 400 Millionen Euro in Energienetze und in unsere Geschäftsaktivitäten investieren.

Welche Schwerpunkte setzen Sie strategisch?

Kerngeschäftsfelder sind die Gasinfrastrukturen im Großraum Berlin/Brandenburg, der Vertrieb von Gas und Strom sowie der Bereich der Energiedienstleistungen. Besonders ist mir derzeit daran gelegen, dass die teilweise sehr alten Öl- und Gasheizungen aus den Berliner Heizungskellern verschwinden. Das Klima wird sich freuen – und günstiger wird es auch noch. 

 

Dieselskandal, Feinstaub, Mobilitätsgesetz: Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die GASAG?

Mobilität ist ein Geschäftsfeld mit großem Potenzial. Hier gibt es Raum für viele Lösungen, von (Bio-)Erdgas- über Elektroantrieb bis hin zur Brennstoffzelle – Eco-Mobilität eben. Erdgasfahrzeuge können zum Beispiel sehr kurzfristig eine sinnvolle Ergänzung bei der Mobilitätswende sein, etwa wenn man Fahrverbote vermeiden will. Die Infrastruktur dafür steht. Die 24 Berliner Erdgastankstellen könnten sofort 10.000 zusätzliche Fahrzeuge versorgen. Andere Großstädte in Europa zeigen, dass die Lärm- und Feinstaubbelastung schnell und drastisch sinkt, wenn Busse oder die Stadtreinigung auf (Bio-)Erdgas umgestellt werden. Ein Hinweis: 20% Biogasbeimischung reduziert den CO2-Ausstoß um fast 40%. Das merkt auch der Verbraucher. Die Zahl der Neuzulassungen bei Erdgasfahrzeugen hat sich im Mai im Verhältnis zum Vorjahresmonat verzehnfacht! 

 

In diesem Jahr wird die Klimaschutzvereinbarung der GASAG mit dem Land Berlin 20 Jahre alt. Wie geht es damit weiter?

Wir sind weiterhin ein verlässlicher Partner der Klimaschutzpolitik. Und wir bleiben ein Schrittmacher in Sachen Klimaschutz. Dies haben wir im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht erneut dokumentiert. Bis 2020 wollen wir insgesamt zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen. Aktuell gehen wir noch einen Schritt weiter: In unserem neuen Unternehmensleitbild verpflichten wir uns für eine CO2-neutrale Zukunft einzutreten. Ich erwarte hierzu eine spannende Diskussion aber natürlich auch konkrete Umsetzungen.