Preisträger im Rückspiegel

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Berlin ist die Hauptstadt der Kreativen. Viele spannende Künstler sind hier beheimatet und machen die Stadt zu dem, was sie ist: unkonventionell, liebens- und absolut lebenswert. Grund genug, besonders vielversprechende Nachwuchstalente aus der Berliner Kunstszene mehr ins Rampenlicht zu rücken, findet die GASAG. Und vergibt deshalb alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie den „GASAG-Kunstpreis“ an aufstrebende, in Berlin ansässige Künstler. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und richtet sich an Kunstschaffende, deren Arbeiten sich an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft bewegen. 

2018 ist der gebürtige Schweizer Julian Charrière der Auserwählte. Aber wer waren eigentlich die bisherigen GASAG-Kunstpreisträger? Wir stellen vier von ihnen vor:

2016: Andreas Greiner

So wie Charrière ist auch der 1979 geborene Andreas Greiner ein Meisterschüler des Isländers Ólafur Elíassons. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Naturphänomenen und stellt dabei auch gerne unser bisheriges Verständnis von Individuum und Spezies infrage. 

So stellte er 2016 unter anderem das im 3-D-Druckverfahren erzeugte Skelett eines genetisch veränderten Masthuhns aus. Die sieben Meter hohe Skulptur namens „Monument für die 308“ erinnerte jedoch verstörend an die Rekonstruktion eines Flugsauriers, der gerade zum Flug ansetzt, und weniger an das, was sie ja eigentlich war: ein – überlebensgroßes – Huhn. 

Für seine Installation „From String to Dinosaurs“ (2014) ließ er Leuchtalgen anstatt auf Meeresbewegungen auf die Klänge eines selbst spielenden Konzertflügels reagieren. Als lebende Organismen, die irgendwo zwischen Pflanze und Tier angesiedelt sind, üben Algen eine besondere Faszination auf Greiner aus. Deshalb hat der ehemalige Medizinstudent die Einzeller immer wieder zu Exponaten seiner Ausstellungen gemacht – ob als Einzelporträts in Form von riesigen mikroskopischen Aufnahmen oder als Teil von Installationen.

www.andreasgreiner.com

 

2014: Nik Nowak

Nik Nowak ist Bildhauer – wer aber deshalb bei dem gebürtigen Mainzer klassisch in Stein gemeißelte Skulpturen erwartet, liegt falsch. Stattdessen schafft der 1981 geborene Absolvent der Universität der Künste Klangskulpturen in Form von mobilen Soundsystemen. Und die haben es in sich: Ob „Echodrohne“, „Panzer“ oder „Mobile Booster“ – Nowaks Soundskulpturen sind akustische Waffen. Er zeigt Schall nicht als flüchtige Erscheinung, sondern als etwas, das nachhaltig Spuren hinterlässt. 

So ließ er 2014 für seine Schau „Echo“ in der Berlinischen Galerie Roboter-Drohnen auf die Museumsbesucher los, welche diese nicht nur sensorisch erfassten, sondern auch deren Gespräche mittels eingebautem Mikrofon aufzeichneten. Anschließend wurden die sorglos dahingesagten Sätze über eine riesige Subwoofer-Anlage für jeden anderen Besucher hörbar in die große Ausstellungshalle hinausposaunt. 

Eine spielerische und zugleich kritische Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld Privatsphäre versus Öffentlichkeit vor dem Hintergrund der Digitalisierung, die immer tiefer in unser Leben eingreift, ohne dass wir uns dieser Tragweite wirklich bewusst sind.

www.niknowak.de

 

2012: Tue Greenfort

1973 im dänischen Holbæk geboren, studierte Tue Greenfort unter anderem bei Thomas Bayrle an der Städelschule in Frankfurt am Main. Heute lehrt der Wahlberliner, der von der Galerie König vertreten wird, selbst als Professor an der Funen Art Academy in Odense (Dänemark). Für Greenfort hat Kunst nicht bloß eine ästhetische Funktion, sondern sollte auch Denkanstöße geben – ohne dabei jedoch bekehren zu wollen. 

Der Künstler setzt sich in seinen Arbeiten – meist Installationen – mit drängenden ökologischen Fragen und dem Verhältnis des Menschen zur Natur auseinander. Er macht deutlich, wie sich komplexe, globale und wirtschaftliche Entwicklungen auch auf lokaler Ebene niederschlagen. 

Anlässlich der GASAG-Kunstpreis-Verleihung zeigte er 2012 in seiner Ausstellung „Erdgas“ unter anderem eine Reihe typischer alt-berliner Gaslaternen, die er jedoch nicht mit Gas, sondern mit Energiesparlampen zum Leuchten brachte. Damit stellte der Däne die Frage in den Raum, ob die beliebten, aus dem Stadtbild kaum mehr wegzudenkenden Lampen mit unserem zeitgenössischen Umweltbewusstsein vereinbar sind.

www.tuegreenfort.net 

2010: Susanne Kriemann

Susanne Kriemann ist eine deutsche Künstlerin und Professorin, die sich in ihrer Arbeit intensiv mit erweiterten Möglichkeiten des Mediums Fotografie auseinandersetzt und damit den Rahmen der bloßen Abbildung sprengt. Sie interessiert sich insbesondere für den sozialhistorischen Kontext von Fotos. Susanne Kriemann bekam im Jahr 2010 den GASAG-Kunstpreis verliehen, der erstmals in Kooperation mit der Berlinischen Galerie vergeben wurde. Sie überzeugte dort mit einer Foto-Installation, die Bilder von Ausgrabungsstätten in moderne Zusammenhänge stellte: Fremde und eigene Fotos ergänzten sich zu einer Recherche nach dem Zusammenhang zwischen Archäologie und Moderne. Die Jury lobte „ihre recherche-intensive Arbeitsweise und die Komplexität ihrer Darstellungsformen“.

Seit 2017 ist Susanne Kriemann Professorin für Künstlerische Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Karlsruhe.

www.susannekriemann.info