Das Picknick-Comeback

Gibt’s lange Gesichter, weil beim Italiener ums Eck mal wieder alle Plätze reserviert sind? Dann ist ein Feinkost- Kiosk-Picknick die rettende Idee.


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Kürzlich sprachen mein Mann und ich davon, recht bald mal zu zweit abends essen zu gehen. Einfach in einem lauschigen Lokal sitzen, das ein oder andere Glas Wein trinken. Vor allem: Sich darüber freuen, nach einem kräftezehrenden Winter und einem sich in die Länge ziehenden Frühjahr endlich wieder draußen sitzen zu können.

Ich rief also in weiser Voraussicht schon einige Tage vor dem geplanten Outdoor-Abend zum Start der warmen Jahreszeit bei unserem Lieblingsrestaurant an, um einen Tisch zu reservieren. Schließlich ist auch mir nicht entgangen, dass unser Kreuzberger Kiez mittlerweile Weltruhm erlangt hat – von New York über Tel Aviv und Barcelona bis nach Helsinki.

Der Wirt konnte sich am anderen Ende der Leitung nur mit Mühe ein Lachen verkneifen. „Sorry, alles voll! Und das nicht erst seit gestern.“ Ich telefonierte mit zunehmender Verzweiflung, die Reaktionen schwankten stets zwischen ungläubiger Belustigung („Du willst am Freitag kommen und rufst erst am Dienstag an?“) und Mitleid („Wenn ihr um 22.30 kommt und noch eine Stunde an der Bar wartet, klappt es vielleicht!“). 

Sollte es in meinem eigenen Kiez nicht mehr möglich sein, einen Abend unkompliziert auswärts und mit leckerem Essen unter Leuten zu verbringen?

Bis mir eine Eingebung kam: Beim Spazierengehen in Neukölln lief ich neulich an einem der ersten lauen Abenden ganz zufällig an einem „Feinkost-Kiosk“ vorbei: Es ist ein kleiner Laden, von zwei langjährigen Neuköllner Kiezbewohnern eröffnet, in dem es neben einer feinen Getränkeauswahl auch lokale und internationale Köstlichkeiten zu kaufen gibt. Am Wochenende sogar bis 22 Uhr. Das war die Idee: Ein Feinkost-Picknick! Wir nahmen freitags von zuhause eine Decke mit, packten etwas Geschirr ein, und füllten uns im Feinkost-Kiosk den leeren Korb mit jeder Menge leckerer Sachen. Mit diesem Gepäck setzten wir uns an den Landwehr-Kanal.

Und wir waren beileibe nicht die einzigen! Überall saßen Pärchen oder Grüppchen, die nicht mehr im Restaurant untergekommen waren. Oder die von vornherein dem verlockenden Charme und der Romantik eines abendlichen Picknicks den Vorzug gegeben hatten. Ein paar Decken weiter tönten französische Chansons aus dem mitgebrachten Mini-Lautsprecher. Das Paar neben uns reichte einen Korkenzieher, den wir Picknick-A nfänger vergessen hatten.

Mein Mann und ich stießen mit Pappbechern und kühlem Weißwein an. Und hatten das schöne Gefühl, an diesem Abend genau am richtigen Ort zu sein.


Über die Autorin

Lisa Seelig 

Buchautorin und Redakteurin bei „Edition F“.
Sie lebt und schreibt in Berlin

Auf die Decken!

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VISUALSPECTRUM photography; Foto: Julien L. Balmer

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