Die Wertschätzer

Manuela Rehn und Jörg Reuter lieben einfache Lebensmittel, wenn sie besonders gut sind. Jedes Produkt in ihrem Laden erzählt seine eigene Geschichte.
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Am Ende fallen aus der Aufschneidemaschine makellose, hauchdünne Scheiben des Schinkens. Aus dem profanen Abtrennen wird eine innige Auseinandersetzung. Wenn Jörg Reuter Schinken schneidet, geschieht das präsis und liebevoll zugleich: „Das ist die Wertschätzung gegenüber dem Tier, das nun als verarbeitetes Endprodukt vor mir liegt.“

Ein dezenter, würziger Geruch liegt im Raum. Am liebsten würde man sich quer durch die Theke probieren, in der die Schinken, Salamis und Würste würdevoll und mit viel Raum für ihre Eigenheiten nebeneinander liegen. Nicht dichtgedrängt oder gar plastikverhüllt, wie man es aus dem Supermarkt kennt. Denn hier im Laden namens „Vom Einfachen das Gute“ in der Invalidenstraße darf jedes Produkt noch für sich sprechen. Und alle haben eine interessante Geschichte zu erzählen.

Jener hauchdünn geschnittene Schinken mit dem unaussprechlichen Namen Txogitxu aus dem Baskenland zum Beispiel: Er stammt von zehn Jahre alten Milchkühen. Oder der Wein vom jungen fränkischen Winzer: Der seine Trauben wie anno dazumal mit den Füssen stampft. Die Produkte müssen bio sein oder aus artgerechter Tierhaltung stammen. Dies ist das Hauptkriterium, danach kommt die Frage nach dem außergewöhnlichem Geschmack. Doch es war anfangs gar nicht so einfach, Produkte zu finden, die beides erfüllen. Vieles was sie während der Entstehungsphase des Ladens verkosteten, hätten sie wieder verworfen, erinnert sich der 49-jährige Reuter. „Inzwischen aber hat sich das geändert: Die guten Produkte finden uns“, erläutert seine Ladenpartnerin Manuela Rehn.

Mit Erfolg: Der Laden verfügt über sieben Mitarbeiter und einen treuen Kundenstamm. Alles Menschen, die sich Gedanken über ihren Fleisch- und Käsekonsum machen. Und bewusster einkaufen wollen. Der Fokus liegt zwar auf den vermeintlich simplen Dingen: Wurst, Käse, guten Brot und Wein. Aber auch hochwertige Nudeln, Olivenöl oder einfach ein guter Brotaufstrich lagern in den Regalen.

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Ein typischer Feinkostladen ist „Vom Einfachen das Gute“ trotzdem nicht. Dazu wirken die Räumlichkeiten mit rustikalen Holzregalen, dem rissigen dunklen Linoleumboden, grauem Stuck an der Decke und einem einladenden, großen Holztisch im hinteren Teil des Raumes, viel zu bodenständig und gemütlich. Wer mag, bekommt von den Mitarbeitern des Ladens eine Stulle geschmiert und darf sie in Ruhe am Tisch mit Kerzenleuchter und Wachsflecken verspeisen.

Vor dem Fenster hängen krumme, luftgetrocknete Salamis, an den Wänden bunt gerahmte Fotos von zufriedenen Produzenten und glücklichen Tieren. Rehn und Reuter haben die Bilder bei ihren Vor-Ort-Besuchen geschossen. Der enge Austausch mit den Produzenten und das Teilhabenlassen des Kunden ist wichtiger Teil ihrer Ladenphilosophie.

Die Botschaft kommt an: Die kulinarischen Abende, die der Laden hin und wieder veranstaltet, erfreuen sich großer Beliebtheit. Zu einem unvergesslichen Geschmackserlebnis gehört neben besten Zutaten und einer hervorragenden Verarbeitung eben auch die emotionale Komponente. Wenn Jörg Reuter dann über den Geschmack von Schinken schwärmt, geht es gleichzeitig auch immer um Respekt gegenüber dem Tier und wie es gehalten wurde. „Die Dinge schmecken einfach besser, wenn man die Geschichte dahinter erfährt“, sagt Reuter. Und reicht zum Beweis eine Scheibe baskischen Milchkuh-Schinken über die Theke.

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Einfach selbst vorbeikommen

Invalidenstraße 155, 10115 Berlin
Dienstag bis Samstag 10:00 Uhr – 20:00 Uhr
www.vomeinfachendasgute.com

Die Super-Stullen

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© Gene Glover

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