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10 Tipps für die Berlin Art Week 2018

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Es ist wieder soweit: Für Kunstfreunde wird Berlin Ende September erneut zum place to be. Bereits zum siebten Mal könnt ihr während der Berlin Art Week vom 26. bis 30. quer durch die Stadt in die Kunstszene eintauchen und zahlreiche Highlights erleben – auf zwei Messen, in zahlreichen Museen und Kultureinrichtungen sowie einer Reihe an Galerien, Privatsammlungen und Projekträumen. Das Programm ist wie jedes Jahr vielfältig. Was ihr auf keinen Fall verpassen solltet, verraten euch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, und Julian Charrière, Preisträger des GASAG Kunstpreises 2018. Voilà ihre Geheimtipps für euch. 

#1 Hamburger Bahnhof: Agnieszka Polska – The Demon’s Brain

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Agnieszka Polska, The Demon’s Brain, 2018 © Agnieszka Polska, Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA

Fans von raumgreifenden Installationen sollten während der diesjährigen Berlin Art Week einen Besuch im Hamburger Bahnhof einplanen. Die Video- und Toninstallation „The Demon’s Brain“ von Agnieszka Polska füllt die Historische Halle des Museums und wirft auf poetische Weise die Frage nach dem Zustand der gegenwärtigen Welt und der Verantwortung des Einzelnen auf. Absolut sehenswert, wie Thomas Köhler findet:  

„Agnieszka Polska wurde der Preis der Nationalgalerie zuerkannt und die Videoarbeit mit dem Titel ‚The Demon’s Brain‘ ist speziell für die Ausstellung entstanden. Sie bezieht sich auf eine historische Begebenheit im Polen des 15. Jahrhunderts und kombiniert Realfilm mit animierten Sequenzen.”

Wo: Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Wann: Eröffnung 26.09. 20 Uhr | 27.09.-03.03., Di.-Mi. 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Fr. 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr

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#2 C/O Berlin: Back to the future. The 19th Century in the 21st Century

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Matthew Brandt, Stepping Stone Falls, 2016 (Triptych) © Matthew Brandt, Courtesy Yossi Milo Gallery, New York
Wer von euch sich mehr für Fotografie interessiert, kommt im C/O Berlin auf seine Kosten. Die dortige Ausstellung „Back to the future. The 19th Century in the 21st Century“ zeigt Werke verschiedener Künstler, die sich mit Techniken, Methoden und Prozessen der frühen Fotografie des 19. Jahrhunderts beschäftigt haben und sich davon zu vielfältigen, teilweise hybriden Arbeiten inspirieren ließen. Für Julian Charrière eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema Fotografie:

Digitale Fotografie und Video, wie auch Live-Streaming, vermitteln den Eindruck einer reibungslosen und unmittelbaren Beziehung zwischen dem Bildschaffungsprozess und der abgebildeten Welt. Heutzutage ist es eher so, als seien Fotos leichter als die Luft und würden in der Cloud schweben, als dass sie eine eigentliche physische Verbindung zur Erde hätten. ‚Back to the future‘ stellt einen Gegenpunkt zur Evolution des Bildschaffungsprozesses. Die Ausstellung zeigt historische Proto-Fotografien aus dem 19. Jahrhundert neben zeitgenössischen Künstlern, die sich diese frühen Fotoverfahren zur Nutze machen, um die prozessorientierte Darstellung einen Schritt weiter voranzutreiben.

Wo: Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin
Wann: Eröffnung 28.09. 19 Uhr | 29.09.-02.12. täglich 11-20 Uhr

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#3 Galerie Sprüth Magers: Robert Irwin

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© Robert Irwin / VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Courtesy Sprüth Magers, Foto: © Philipp Scholz Rittermann
Die Galerie Sprüth Magers ist in diesem Jahr auf der Messe art Berlin präsent, die in ihrer zweiten Ausgabe in zwei Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof stattfindet. Neben dem Besuch der Messe und der art berlin Gallery Openings zu empfehlen ist aber auch ein Blick in die Galerie selbst. Dort wird am 28. September neben den Ausstellungen von Gary Hume und Mika Rottenberg auch eine Ausstellung von Robert Irwin eröffnet, die bei Thomas Köhler bereits Vorfreude weckt:   

„Der amerikanische Installationskünstler Robert Irwin gehört für mich zu den wichtigsten Vertretern der Gegenwartskunst. Er hat die Wahrnehmung und die Bedingungen in der Kunst über Jahrzehnte erforscht und durch ortsspezifische architektonische Interventionen die physische Raumerfahrung der Betrachter*innen herausgefordert. Ich freue mich auf seine Präsentation in der großartigen, geradezu museal operierenden Galerie Sprüth Magers.“

Wo: Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin 
Wann: Eröffnung 28.09. 18 Uhr | 29.09.-10.11. Di.-Sa. 11-18 Uhr

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#4 Haus der Kulturen der Welt: The Most Dangerous Game

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Internationale Situationniste, Ohne Titel, Zielscheibencollage aus der Ausstellung Destruktion af RSG-6 in der Galerie Exi, Odense, Dänemark, 1963 Courtesy Private Collection
Die Ausstellung „The Most Dangerous Game“ im Haus der Kulturen der Welt zeigt die Situationistische Internationale, eine Ende der 50er entstandene Gruppe europäischer Künstler und Intellektueller, auf dem Weg in den Mai '68. Eine gute, weil nicht zuletzt seltene Gelegenheit zur Betrachtung relevanter Werke dieser Bewegung, findet Julian Charrière:

„Die situationistische Bewegung und die Radikalität ihrer Praxis hatten damals wie heute einen großen Einfluss darauf, wie Leute mit Kunst umgehen. Leider kommt dieser Bewegung in Ausstellungen zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Als ich noch studiert habe, haben mich an dieser Bewegung die Wichtigkeit des Alltags und der direkten Umgebung, sowie der Fokus auf direkte Erfahrungen sehr inspiriert.“

Wo: John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin
Wann: Eröffnung 26.09. 19 Uhr | 27.09.-10.12. Mi.-Mo. 11-19 Uhr

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#5 Projektraum stay hungry @ c/o KUNSTPUNKT BERLIN: Survive Revisionsklappe

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In actu, Pätzung / Hertweck, Schauspiel Leipzig, Residenz, Baumwollspinnerei Halle18, Leipzig. Foto: © Karin Matz
Sicher um eine Erfahrung reicher seid ihr nach einem Besuch im Projektraum stay hungry im c/o Kunstpunkt. Die dort gezeigte ortsspezifische Arbeit sorgt spielerisch für Verunsicherung in eurem alltäglichen Raumempfinden. Ein guter Ort zum Experimentieren, so Thomas Köhler: 

„Der Projektraum ‚stay hungry‘ wurde 2014 von den Künstler*innen Michel Aniol und Meike Kuhnert gegründet, um nationalen und internationalen Kunst- und Kulturschaffenden eine nicht hierarchische, selbstbestimmte und finanziell unabhängige Plattform des Austausches und des Experimentierens zur Verfügung zu stellen. Der lustig anmutende Name ist auch Programm: Zu den Vernissagen finden Essen mit Bezug zur Ausstellungsthematik statt.“

Wo: Schlegelstraße 6, 10115 Berlin
Wann: Eröffnung 27.09. 19 Uhr | 28.09.-07.10. wechselnde Öffnungszeiten | während der Berlin Art Week 13-19 Uhr

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#6 Galerie Esther Schipper: Simon Fujiwara – Empathy I

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Exhibition view: Simon Fujiwara, Empathy I, Esther Schipper, Berlin, 2018, Courtesy: the artist and Esther Schipper, Berlin, Foto: © Andrea Rossetti
Genauso wie die Galerie Sprüth Magers ist auch die Galerie Esther Schipper in diesem Jahr auf der Messe art berlin vertreten. Genauso wenig entgehen lassen solltet ihr euch aber einen Besuch in der Galerie selbst. Dort nur noch bis zum Ende der Berlin Art Week zu sehen ist die Ausstellung „Empathy I“ von Simon Fujiwara, die euch laut Julian Charrière auf eine Reise der besonderen Art mitnimmt:

„Fujiwara macht mit seiner Arbeit ‚Empathy I‘ die visuelle Erfahrung zu einem ganzheitlichen Körpererlebnis und bietet uns eine Reise in unser Selbst. Durch Technologien, die man aus Vergnügungsparks kennt, erfährt man ganz alltägliche Situationen, was er als ‚sculptural experience‘ beschreibt.“

Wo: Potsdamer Straße 81E, 10785 Berlin
Wann: bis 30.09. Di-So 11-18 Uhr

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#7 Schering Stiftung: Cecilia Jonsson – Contemporary Diagram - Berlin

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© Cecilia Jonsson, 2018
Im Fall der Ausstellung „Contemporary Diagram - Berlin“ von Cecilia Jonsson treffen Kunst und Wissenschaft aufeinander. Darin einzutauchen gleicht dem Besuch eines Forschungslabors. Mikrobiologische Phänomene werden über unterschiedliche Medien visualisiert und hörbar und dadurch greifbarer. Eine spannende Herangehensweise, so auch Thomas Köhler.   

„Die Schering Stiftung zeigt in ihren Räumen Unter den Linden die schwedische Künstlerin Cecilia Jonsson. Ihre Kunst ist zwischen naturwissenschaftlichen und künstlerischen Verfahrensweisen anzusiedeln. Häufig sind ihre Arbeiten von naturwissenschaftlicher oder naturhistorischer Forschung inspiriert. Basierend darauf entwickelt Jonsson eigene künstlerische Interpretationen. Das Ergebnis ihrer aktuellen Forschungen ist in der Ausstellung ‚Contemporary Diagram - Berlin‘ zu sehen.“ 

Wo: Unter den Linden 32-34, 10117 Berlin
Wann: Eröffnung 28.09. 18 Uhr | 29.09.-26.11. Do.-Mo. 13-19 Uhr

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#8 Galerie Dittrich & Schlechtriem: Nicola Martini – Molten

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© Nicola Martini, Courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin 
Sowohl skulptural als auch performativ ist die Installation „Molten“ von Nicola Martini in der Galerie Dittrich & Schlechtriem. Dort unterzieht der Künstler den unterirdischen Galerieraum einer fortwährenden Metamorphose und schafft eine sich wandelnde Landschaft mit ständig wechselnden Erlebnissen für die Besucher. Auch für Julian Charrière ein spannender Prozess:  

„Für seine erste Einzelausstellung in Berlin plant Nicola Martini, die unterirdischen Räume der Galerie Dittrich & Schlechtriem mit 20 Tonnen Quarzsand in eine Landschaft mit sich ständig entwickelnder Topographie zu verwandeln. Skulpturen werden aus dem Sand errichtet und geformt, unterliegen aber auch einem ständigen Verfall, der die Formen kontinuierlich zu seinem Ursprung zurückführt. Auch die Betrachter und die Spuren, die sie hinterlassen, werden so Teil des Gesamtbildes.“

Wo: Linienstraße 23, 10178 Berlin
Wann: Eröffnung 28.09. 18 Uhr | 25.09.-17.11. Di.-Sa. 11-18 Uhr | verlängerte Öffnungszeiten 29.-30.09. 11-19 Uhr

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#9 Salon Dahlmann: Privatsammlungen

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Foto: © Nick Ash, Courtesy Miettinen Collection, 2018
Wie jedes Jahr bietet die Berlin Art Week auch 2018 die Möglichkeit, einen Blick in private Kunstsammlungen zu werfen. Geöffnet ist unter anderen der Salon Dahlmann in der Nähe vom Ku’damm. Dort erwarten euch gleich zwei Ausstellungen – übrigens in schönem Ambiente, wie Thomas Köhler verrät: 

„Der Salon, der eigentlich eine großbürgerliche Wohnung in Wilmersdorf ist, wurde nach der letzten Besitzerin des Hauses, Hildegard Dahlmann, benannt. Das Gebäude in der Marburger Straße 3 wurde 2010 von der Familie Miettinen erworben. Einen Ausschnitt aus der Sammlung der Familie zusammen mit Werken einer weiteren Privatsammlung kann man sich in einer großartig renovierten Immobilie anschauen.“ 

Wo: Marburger Straße 3, 10789 Berlin
Wann: 22.09.-15.12. Sa. 12-18 Uhr nach Vereinbarung | Sonderöffnungszeiten während der Berlin Art Week 26.09. 18-21 Uhr, 27.09.-30.09. 12-18 Uhr

Mehr Informationen Sammlung Peters-Messer und Miettinen Collection und Aurora Reinhard High Rider

#10 Julia Stoschek Collection: Athur Jafa – A series of utterly improbable, yet extraordinary renditions

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Installationsansicht, Julia Stoschek Collection, Berlin, 2018, Foto: © Simon Vogel 
Wer nicht genug von Installationen bekommen kann, sollte während der Berlin Art Week definitiv noch einen Abstecher zur Julia Stoschek Collection machen. Dort wird eine Ausstellung von Athur Jafa gezeigt, in der gängige kulturelle Aussagen über Identität und ethnische Zugehörigkeit thematisiert werden. Sein bevorzugtes Medium dafür: Film. Unbedingt reinschauen findet Julian Charrière:

„Für Berliner ist die Ausstellung natürlich keine Neuheit mehr, aber niemand, der extra für die Art Week anreist, sollte die erste Einzelausstellung in Deutschland des US-amerikanischen Künstlers und Filmemachers Arthur Jafa in der Julia Stoschek Collection verpassen.“

Wo: Leipziger Straße 60, 10117 Berlin
Wann: 26.09.-30.09. 12-20 Uhr | bis 25.11. Sa.-So. 12-18 Uhr

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