#MeineStraße

100 Berlin-Ansichten von Robert Stumpf

„Ich sehe die Stadt wie ein Android“ – Künstler Robert Stumpf über seine Berliner Manga-Zeichnungen

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Motiv 73/ Gasometer Schöneberg, Motiv 83/ Fernsehrturm

Pinsel in durchsichtigen Weckgläsern, großformatige Plakate an der Wand und ein Drucker auf dem schweren Holztisch. Robert Stumpf ist Berliner Künstler mit Leib und Seele und malt unter dem Synonym Rost Graphics seine Werke mit Motiven aus der Hauptstadt im Stile japanischer Mangas. Wir haben ihn in seinem Atelier in Friedrichshain besucht, ihn bei einem Spaziergang begleitet und viel erfahren über seine Kunst und seine besondere Sicht auf die Stadt.

Beim Eintreten in sein Atelier begrüßt uns Robert Stumpf mit einem Lächeln. Seit über zehn Jahren lebt er nun in Berlin und arbeitet als freischaffender Künstler. Nach einer Ausbildung zum Schreiner kam der gebürtige Bayer 2006 in die Hauptstadt, um sich komplett der Kunst zu widmen: „Mein Vater hatte den Vorschlag mit den Berliner Mangas. Er ist Architekt und als ich noch klein war, haben wir immer gemeinsam gezeichnet. Das hat mich beeinflusst.“


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Daraus sind inzwischen über 100 Bilder geworden, die Berlin aus einer neuen Perspektive zeigen. Grundlage für die Bilder ist immer ein Foto, das Robert selbst schießt. Dann beginnt die müßige Arbeit des Abzeichnens. Für ein Bild braucht er ungefähr zwei Wochen. Danach wird es eingescannt und die Farben am Computer bearbeitet. Seine Motive zeigen Ausschnitte der Stadt vom Müggelsee, über den Fernsehturm bis hin zur Landebahn des Tempelhofer Felds – ganz Berlin eben.

Stadtplanern mag‘s gefallen, für Künstler wird‘s schwieriger

“Mich interessiert nicht das Perfekte, sondern das Unaufgeräumte und Unbewohnte. Ich kann mir vorstellen auch andere Städte zu zeichnen, aber Berlin ist besonders spannend, weil hier die Spuren der Geschichte noch anders erlebbar sind“, verrät er, während er durch seine Zeichnungen blättert und resümiert: „Leider wird jedoch auch das in Berlin immer weniger. Stadtplanern mag‘s gefallen, für Künstler wird‘s schwieriger.“

Gemeinsam verlassen wir das Atelier und machen einen Spaziergang zum Frankfurter Tor. Robert nicht ohne seine Kamera. Seine Touren durch die Stadt macht er meist in den Sommermonaten, im darauffolgenden Jahr werden die gesammelten Motive gezeichnet. Diese sucht er völlig unabhängig vom Stadtteil aus: „Ich sehe die Stadt wie ein Android, immer nur einen kleinen Ausschnitt. So scanne ich Berlin nach interessanten Motiven ab.“ Am häufigsten hat er seinen eigenen Stadtteil Friedrichshain gezeichnet: „Wenn man eine Stecknadel in eine Stadtkarte stecken würde, würde es zur Samariterstraße immer dichter werden“, erzählt er, während wir den U-Bahnhof derselben passieren.

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Motiv 62/ Kottbusser Damm
Berlin habe sich in den letzten zehn Jahren baulich sehr verändert und immer andere Stadtteile seien beliebt. Robert merkt das nicht zuletzt am Verkauf seiner Bilder: „2010 habe ich ein Motiv von der Ankerklause in Kreuzkölln gemacht, das verkaufe ich nun viel besser als noch vor acht Jahren!“ Andere Motive seien jetzt sogar nicht mehr im Stadtbild vorhanden, erzählt er beim Einbiegen auf die Frankfurter Allee und schießt ein Foto von einer großen Laterne: „Diese Laterne zum Beispiel ist neu. Ich habe ihre Vorgängerin gezeichnet, weil sie so schön alt und schrullig und ein toller Kontrast zur Stalin-Architektur war. Die gibt es aber mittlerweile nur noch auf alten Fotos, oder eben auf meiner Zeichnung.“
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Motiv 46/ Frankfurter Tor
Wir überqueren die Straße und erreichen ein von Säulen getragenes Dach. „Motiv 102“, verkündet Robert und macht ein paar Schüsse mit seiner Kamera. Dieses Motiv sei besonders spannend, weil der Unterschied zwischen dem großen Gebäude im Hintergrund und den kleinen Säulen im Vordergrund einen tollen Kontrast kreiere. Das Foto zeige deshalb ein anderes Bild von Berlin als das, was man auf Postkarten und in Reiseführern findet.
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Motiv 102/ Frankfurter Tor

Auch in Zukunft möchte er weitere Bilder zeichnen: „Solange ich die feinen Linien noch sehen kann, mache ich weiter – noch hundert neue Ansichten von Berlin.“ Wir machen uns auf den Heimweg quer durch Berlin und werfen nun selbst einen etwas anderen Blick auf die Stadt.

Wer neugierig geworden ist, kann die Werke von Robert Stumpf aktuell im GASAG Kunstraum kostenlos sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 08. Juni und ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Mitmachen und gewinnen!

Nutzt eure Chance und gewinnt eines von drei Berlin-Manga-Postern von Robert Stumpf. Sucht euch einfach eines der Poster aus der untenstehenden Fotogalerie aus und beantwortet folgende Frage:

Welches Motiv am Frankfurter Tor hat Robert Stumpf gezeichnet, weil es so schön "alt und schrullig" war?

Viel Glück! 

Das Gewinnspiel ist beendet. Vielen Dank für die Teilnahme. Die Gewinner wurden per E-Mail benachrichtigt.