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Radeln mit Felix

Komm mit auf eine Tour durch Berlin

Berlin Mitte an einer Straßenkreuzung. Es ist laut. Der Stadtverkehr brummt. Aber nicht nur Autos, Kleintransporter und LKWs sind auf den Straßen unterwegs. Dazwischen tummeln sich auch immer mehr Radfahrer. Tendenz steigend. Man hat nicht nur Spaß am Fahrradfahren, sondern schont auch noch die Umwelt. Nicht zuletzt deshalb steht Radfahren auch bei uns wieder hoch im Kurs. Immer mehr unserer Kollegen kommen jetzt wieder mit dem Rad zur Arbeit oder nutzen für kurze Dienstfahrten innerhalb der Stadt eines unserer sechs Leihräder oder zwei E-Bikes – und sind damit nicht allein. Denn von den rund 3,5 Millionen Berlinerinnen und Berlinern ist rund jeder Siebte täglich auf dem Drahtesel unterwegs. Darunter auch Felix. Er nimmt uns mit auf einen kleinen Teil seines Radweges und verrät uns, was für ihn Radfahren in Berlin ausmacht.

Felix, Du schwingst Dich fast täglich aufs Rad. Was genau macht am Fahrradfahren für Dich den Reiz aus? Sprich: Was motiviert Dich jeden Tag in die Pedale zu treten? 

In erster Linie natürlich, weil es Spaß macht und fit hält. Mit dem Fahrrad kommt man einfach ganz anders auf der Arbeit an. Du warst schon an der frischen Luft, hast Dich bewegt und hast keine nervige Fahrt in der überfüllten Bahn hinter Dir. Wenn dann noch das Wetter stimmt, ist es perfekt! Jetzt an den ersten warmen Tagen fahre ich teilweise auch mal etwas früher los und mache noch einen kleinen Umweg vor der Arbeit. Das Fahrrad ist einfach für alle Wege, die in der Innenstadt anfallen, die schnellste und unkomplizierteste Art sich fortzubewegen – außer es gießt oder es liegen 10 Zentimeter Schnee. Dann lasse ich es auch stehen.

Was war Dein schönstes Fahrraderlebnis in Berlin? 

Ich glaube, das war tatsächlich das allererste Mal, als ich im legendären Velodrom auf der Bahn gefahren bin. Das war schon irgendwie besonders. (schmunzelt)

Du hast einen Tag frei und die Sonne scheint: Wohin führt Dich Deine Lieblingsstrecke mit dem Rad?

Wenn ich frei habe, fahre ich als erstes raus aus der Stadt. Ich drehe dann meistens eine längere Trainingsrunde mit dem Rennrad. Da ich in Prenzlauer Berg wohne, führt der kürzeste Weg aus der Stadt nach Norden. Da kenne ich mich gut aus und habe verschiedene Strecken, die ich meistens spontan nehme. Meine aktuelle Lieblingsrunde führt über Altlandsberg, Bernau, Lanke, Prenden bis nach Liebenwalde und von dort zurück Richtung Berlin. Auf der Strecke hat man gute Straßen, wenig Autos und viel Natur. 
 
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© Felix Koschel

Hand aufs Herz: Berlin ist nicht gerade als fahrradfreundlichste Stadt bekannt. Was nervt Dich beim Fahrradfahren in Berlin besonders?

Ich habe jetzt schon viel Positives übers Fahrradfahren gesagt, aber Fahrradfahren in Berlin ist eigentlich wirklich übel! Da gibt es so viele Dinge, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. (lacht) 

Das Hauptproblem ist wahrscheinlich wirklich, dass es so gut wie keine Infrastruktur für Radfahrer gibt. Die meisten Radwege sind absolut unbefahrbar. Sie sind schmal, meistens grob gepflastert und baufällig. Meist sind sie zwischen den parkenden Autos und den Fußgängern angelegt. Das heißt von links gehen die Autotüren auf und von rechts laufen Fußgänger ohne hinzuschauen auf den Radweg. Breite, markierte Radwege auf der Fahrbahn sind die einzig richtige Lösung, doch davon gibt es immer noch viel zu wenig.

Das zweite große Problem hat nicht nur mit Radfahrern zu tun: Es ist die Intoleranz von allen Verkehrsteilnehmern. Wobei ich sagen muss, dass Radfahrer schon die Schlimmsten sind. Und ich sage das als Radfahrer UND als Autofahrer! Was manche Radler abliefern, ist absolut haarsträubend. Da kann ich den Ärger der Autofahrer und Fußgänger gut nachvollziehen. Generell glaube ich, dass sich viel Frust und Unfälle vermeiden ließen, wenn es jeder ein wenig ruhiger angehen lassen würde.

Was machst Du, wenn Dein Rad kaputt ist? Selber reparieren oder ab zur Werkstatt Deines Vertrauens?

Das kommt ganz darauf an, was kaputt ist. Die meisten Sachen mache ich selbst. Zum Beispiel die Reifen wechseln, also quasi die generelle Wartung. Für manche Dinge braucht man dann schon besonderes Know-how oder Spezialwerkzeug und da gehe ich tatsächlich zu einem Laden meines Vertrauens. Mein Tipp wäre hier, sich kein Billig-Rad zu kaufen und sein Rad immer gut zu pflegen, denn dann geht eigentlich so gut wie nie etwas kaputt.

Zum Abschluss: Verrätst Du uns drei Deiner Fahrrad-Geheimtipps, die man als Radfahrer in Berlin unbedingt ausprobiert, gesehen oder besucht haben sollte?

Der absolute Knaller ist die Critical Mass. Besonders jetzt, wenn es warm wird, ist das mit Abstand die beste "Fahrrad-Veranstaltung" in Berlin. Die Critical Mass ist eine Art Fahrrad-Demo, die an jedem letzten Freitag des Monats stattfindet. Das Besondere daran ist, dass echt viele Leute dabei sind und dass das Ganze von der Polizei begleitet wird. Bei der letzten Tour waren circa 3.500 Radler dabei! Man fährt also mit tausenden Radlern auf leeren Straßen durch Berlin. Keine Ampeln, keine Autos – alles steht still für die Critical Mass und das einmal im Monat. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis und ein besonderer Weg Berlin auf dem Rad zu erleben.

Was ich noch empfehlen würde, wäre die Berliner Fahrradschau: die beste Messe rund ums urbane Radfahren. Wer mal echte Profis live sehen will, sollte zum Sechstagerennen ins Velodrom – eine Berliner Institution und eigentlich eine Pflichtveranstaltung für Radler.

Berlin hat außerdem eine ganze Menge toller Fahrradläden. Der schönste ist "The Gentle Jaunt" in der Simon-Dach-Straße. Da gibt's nicht nur schöne Räder, sondern auch ein Café mit richtig gutem Kaffee und Kuchen. 

Vielen Dank für Deine Zeit und das Interview. Wir wünschen Dir eine gute und sichere Fahrt!

Danke!