#MeineStraße

„Ich habe noch nie darüber nachgedacht, woanders hinzugehen.“ Bonsai-Experte Todd über seine festen Wurzeln in der Kantstraße

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Letzten Monat Neukölln, diesen Monat Charlottenburg: Nach dem Auftakt unserer Serie #MeineStraße beim Späti im Weserkiez, folgen wir diesmal dem Treiben auf der Kantstraße. Seit langem eine feste Größe dort im Kiez: Todd Grand mit seinem Laden Japan Bonsai. Schon ein Schritt hinein genügt, um sich inmitten eines grünen Paradieses wiederzufinden. Ringsherum sprießen Bonsais in allen Formen und Größen, jeder für sich ein Hingucker. Im Hintergrund läuft sanfte Musik und entführt weit weg vom Gewusel draußen auf der Straße – bis plötzlich Tuko grüßt, Todds kleiner Hund. Der Besitzer selbst lächelt von der Theke herüber, auf der er gerade einen Bonsai zurechtschneidet.  

Todd Grand kam Ende 1995 der Liebe wegen nach Berlin. Der gebürtige US-Amerikaner folgte seiner Berliner Partnerin in die Hauptstadt. „Auf den Bonsai“ kam er dann zwei Jahre später: Bei einem Besuch bei Japan Bonsai, damals noch ums Eck in der Krumme Straße, sah er die kleinen Bäumchen zum ersten Mal. „Ich war sofort fasziniert und völlig hin und weg“, lacht er. 2009, über zehn Jahre später, übernahm er den Laden, bevor 2010 der Umzug in die belebte Kantstraße folgte.
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Wohl und zuhause fühlte er sich dort sehr schnell. Ein Grund dafür sind die Menschen, die er kennen und schätzen gelernt hat: „Wenn man selbst einen Laden hat, kommt man schnell in Kontakt mit den anderen Ladenbesitzern und den Nachbarn,“ erklärt Todd und setzt die Schere zu einem weiteren Schnitt am Bonsai an. Er hat viele Stammkunden, größtenteils natürlich aus der Gegend. Manche sogar der Zeit, als der Laden noch in der Krumme Straße lag: „Unsere älteste Kundin hat ihre Pflanze im Dezember 1981 bei meinem Vorbesitzer gekauft und kommt seitdem zur Pflege zu mir.“ Andere erben eine Pflanze von ihrer Großmutter. Für ihn als Bonsai-Liebhaber immer ein Grund zur Freude: 

Manchmal begleiten Bonsais Familien über Generationen hinweg.

Häufig geben Todds Kunden ihre Bonsais sogar zur Ferienpflege in den Laden. „Einige Leute kommen direkt vom Flughafen, mit Gepäck und allem, um ihre Pflanze wieder mit nach Hause zu nehmen“, berichtet er und fügt hinzu: „Ihre Wohnung sei ohne den Baum sonst so leer.“ Andere nehmen ihren Bonsai gleich mit in den Urlaub, erzählt er: „Ein Kunde von mir fährt jedes Jahr mit seinem Bäumchen auf einen Campingplatz in Polen und geht mit seinem Bonsai sogar im See schwimmen“, lacht Todd und schreibt den Namen eines Bäumchens für seine Kunden auf ein kleines Holzschildchen.
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Dort ist immer was los. Passanten ziehen vorbei, zwischendurch mal ein eiliger Radfahrer, dann wieder schlendernde Flaneure mit Einkaufstüten. Ein reges Treiben bestimmt das Bild. Und doch ist die Kantstraße für Todd nicht mit anderen Einkaufsstraßen zu vergleichen: „Ich finde wirklich interessant, dass es an einer so großen Straße so viele kleine Läden gibt. Es sind nur wenige Ketten und stattdessen viele spannende Läden“. Und das spricht sich scheinbar rum: „Hier auf der Kantstraße sind in letzter Zeit viele Wechsel zu beobachten. Leute ziehen ein und aus. Auch viele Touristen tummeln sich hier.“

Charlottenburg ist definitiv der schönste Stadtteil.

Todds Herz hingegen schlägt nicht erst seit gestern für seinen Kiez: „Ich bin seit 20 Jahren täglich hier und finde, Charlottenburg ist definitiv der schönste Stadtteil! Es gibt genügend Platz, alles ist da und man trifft die unterschiedlichsten Leute.“ Aus Charlottenburg wegzuziehen oder gar Berlin zu verlassen sei für ihn keine Option: „Klar, man kann sich gut über die Stadt aufregen, aber fort will man dann doch nicht. Ich habe jedenfalls noch nie wirklich darüber nachgedacht“, bemerkt er und schenkt Tuko ein Leckerli. Ein eingespieltes Team, das den Kiez hoffentlich noch lange mit seinem grünen Paradies erfreut.