Auf dem Markt mit Krautkopf

So bringen die Food-Blogger Yannic und Susann von Krautkopf die Natur auf den Teller

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Susann und Yannic betreiben den vegetarischen Food-Blog Krautkopf. Das Paar lebt im Wedding, liebt das Leben in der Stadt und ist trotzdem sehr naturverbunden. Wir haben sie beim Markteinkauf am Wittenbergplatz begleitet und mit ihnen über regionale und saisonale Ernährung, Rezeptideen und Nachhaltigkeit gesprochen.

Ihr geht gerne und häufig auf den Markt. Was mögt Ihr daran?

Yannic: Ich finde besonders schön, dass man direkt mit den Erzeugern in Kontakt kommt und sich austauschen kann. Man sieht auch sofort, was Saison hat – anders als im Supermarkt. Und die Inspiration natürlich: Man guckt sich auf dem Markt um und schaut, was einen anspricht.

Susann: Man kriegt auch besondere Produkte: Heidelbeeren und Pfifferlinge aus dem Wald zum Beispiel. Manche Sachen, wie die Schossen vom Rosenkohl, bekommt man nur auf dem Markt. Die hätten wir sonst nie entdeckt.

Was habt Ihr heute so auf dem Zettel? Wisst Ihr, was Ihr kaufen wollt oder lasst Ihr Euch treiben?

Yannic: Wir kaufen heute für ein Event am Wochenende ein, lassen uns sonst aber auch gerne treiben. Diesmal suchen wir unter anderem Schwarzwurzel, Meerrettich und Pilze.

Worauf achtet Ihr beim Kauf Eurer Lebensmittel?

Yannic: Wichtig ist uns, so regional und saisonal wie möglich einzukaufen.

Wo kauft oder besorgt Ihr Eure Lebensmittel sonst noch?

Yannic: In Berlin gibt es für jeden Tag den passenden Markt. Donnerstags gehen wir gerne auf den Wittenbergplatz oder auf den Markt am Kollwitzplatz. Der Markt am Leopoldplatz ist für uns der nächstgelegene und samstags machen wir hin und wieder einen Ausflug zur Markthalle Neun.

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Mit Euren Markteinkäufen zaubert Ihr immer tolle Gerichte. Inwiefern ist das ein Stück Lebensqualität für Euch? 

Yannic: Bereits meine Eltern haben auf gute Lebensmittel geachtet. Wir haben früher immer auf einem Biohof in der Region eingekauft, in Zeiten, in denen das nicht gängig war. Meine Eltern haben eher auf Urlaub verzichtet, als auf gute Lebensmittel und gutes Essen für unsere Familie. Heute fließt nur ein Bruchteil des Einkommens in Lebensmittel und Leute geben lieber Geld für Konsumgüter aus.

Susann: Ich finde, es geht nicht nur darum, was man kauft und wo man kauft, sondern darum, sich Zeit für die Zubereitung zu nehmen. Klar, es gibt auch im Biomarkt tolle Fertigprodukte, aber die sind halt trotzdem Fertigprodukte und mit Zusatzstoffen angereichert.

Wie und wann ist daraus die Idee des Blogs entstanden?

Susann: Das war so gar nicht geplant (lacht). Wir kochen beide seit langem wahnsinnig gerne und sind hauptberuflich Fotografen. Wir wollten eine Plattform finden, um unsere Fotos zu zeigen. Damit es nicht langweilig ist, haben wir zu den Bildern auch die Rezepte aufgeschrieben. Aber was ein Blog wirklich bedeutet, wussten wir damals noch nicht.

Yannic: Dann haben wir plötzlich gemerkt, dass unsere Leser sich für unsere Posts interessieren und die Rezepte sogar nachkochen. Damit wir mit unseren Lesern direkt in Kontakt treten können, organisieren wir mittlerweile auch Dinner und Offline-Events.

Was kommt derzeit so bei Euch auf den Teller? Was hat Saison? Habt Ihr gute Tipps?

Susann: Kürbisse, Rosenkohl und alles Wurzelgemüse.

Yannic: Einfach alles, was man gut lagern kann: Kohlsorten, Rote Beete, Äpfel und Birnen, Porree, Sellerie. Das Sortiment ist nach wie vor wundervoll bunt. Im Sommer sind wir auf dem Markt eher überfordert, wenn es alles gibt. Jetzt gibt es langsam weniger und es ist eine tolle Zeit, um kreativ zu werden.

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Ihr macht gerne Ausflüge ins Berliner Umland. Wo sucht Ihr in Berlin die Natur? Welche Lieblingsorte habt Ihr?

Yannic: Man muss ja nur ein kleines Stück raus aus Berlin und ist schon inmitten toller Natur – im Spreewald, in der Schorfheide und all diesen Regionen. Direkt in Berlin ist das Tegeler Fließ ganz toll.

Könntet Ihr Euch vorstellen, komplett aufs Land zu ziehen?

Yannic: Unser Leben entwickelt sich so schnell und unerwartet, darum schmieden wir keine großen Zukunftspläne und lassen uns treiben. Wenn wir uns mal in ein Haus verlieben, sehen wir weiter.

Susann: Aufs Land ziehen stellen sich viele Städter so romantisch vor. Aber einen Garten zu bewirtschaften ist harte Arbeit und neben einem Vollzeitjob kaum möglich. Darüber hinaus kommt es auf die Community vor Ort an – wie man aufgenommen wird und ob man sich wohlfühlt.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Euch?

Susann: Für uns gehören zum Beispiel Einkäufe auf dem Markt dazu. Bevor wir Bio-Produkte in Plastik verpackt aus dem Supermarkt holen, kaufen wir lieber regional auf dem Markt. Saisonalität ist für uns auch ein Riesenthema. Nachhaltigkeit hat für uns nichts mit Verzicht zu tun, sondern damit, bewusster zu konsumieren.

Habt Ihr einen einfachen Tipp, wie jeder einzelne von uns Natur und Nachhaltigkeit nach Berlin, in die Stadt, bringen kann?

Susann: In Berlin bekommt man es ja sehr leicht gemacht. Es gibt schon viele tolle Projekte, die man unterstützen kann. Zum Beispiel verpackungsfreie Läden oder Initiativen wie Culinary Misfits.

Noch mal zu Eurem Blog und den Rezepten: Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen?

Yannic: Meist wissen wir das selbst nicht (lacht). Mal gucken, was die Winterzeit uns an Inspirationen bringt. Wir haben noch die Idee, einen vegetarischen Weihnachtsbraten herzustellen, den man auch anschneiden kann. Wir wissen aber noch nicht ganz sicher, ob wir das umgesetzt kriegen. Jetzt sind wir durch Euren Blogbeitrag ja fast genötigt, das wirklich in die Tat umzusetzen.

Wir sind nun jedenfalls gespannt. Vielen Dank Euch beiden für das Gespräch. 

Falls Ihr nun hungrig seid und selbst loskochen wollt, schaut mal rüber auf den Blog von Yannic und Susann. Unser aktuelles Lieblingsrezept von Krautkopf: heiße Waldpilzsuppe mit Grünkernklößchen. Lasst es Euch schmecken.