Repair Cafés: Werkeln statt wegwerfen

Vom Toaster bis zum Plattenspieler: In Repair Cafés könnt Ihr kaputte Geräte wieder flott machen

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Wer kennt das nicht: Beim Trocknen der Haare schmort der Föhn durch, beim Staubsaugen gibt der Sauger den Geist auf und der Handybildschirm wird während dem Telefonat plötzlich schwarz. Die schnelle Lösung ist da meist, ein neues Gerät anzuschaffen. Dass das auch anders geht, weiß Daniel Affelt vom BUND Berlin. Er veranstaltet Repair Cafés, in denen Ihr Altes und Kaputtes reparieren könnt – unterstützt von Profis, die mit passendem Werkzeug und technischem Fachwissen helfen. Im Repair Café in Schöneberg haben wir Daniel getroffen und den Besuchern einen Abend lang beim Tüfteln, Schrauben und Werkeln über die Schulter geschaut.

Das Repair Café in Schöneberg ist eines von vielen in Berlin. Fünf von ihnen hat Daniel gegründet. Als wir ankommen, steht er schon im Eingangsbereich und erwartet uns. „Unsere Gäste kommen mit ihrem defekten Gerät zu uns und erfahren von den Helfern, warum das Gerät kaputt gegangen ist“, erklärt er uns gleich beim Eintreten und ergänzt: „So lernt jeder etwas dabei.

Professionelle Ingenieure, Physiker, PC-Techniker und Hobby-Tüftler

Die ehrenamtlichen Helfer haben sich bereits um einen großen Tisch versammelt. Jeder von ihnen ist Experte auf einem bestimmten Gebiet und hat sein Werkzeug vor sich verteilt. „Teilweise helfen hier sehr hochqualifizierte Leute: Ingenieure, Physiker, PC-Techniker“, erzählt Daniel. „Aber auch Leute, die privat gerne tüfteln. Die kennen sich ebenfalls super aus. Dafür spricht auch die hohe Erfolgsquote, auf die Daniel zu Recht stolz ist: „In 70 Prozent der Fälle können unsere Gäste mit einem funktionierenden Gerät nach Hause gehen.“
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Kurz darauf kommen auch schon die ersten Besucher und der Raum füllt sich. Man hört leise Gespräche, das Surren des Akkuschraubers und das Zischen von Lötkolben. Im Raum herrscht ein geschäftiges Treiben. An jeder Ecke des Tischs arbeiten kleine Grüppchen vertieft an ihren Projekten. Diesmal mit dabei sind auch der achtjährige Anton und sein kleiner Bruder Paul. Gemeinsam mit ihrem Vater wollen sie den kaputten CD-Player wieder fit machen. „Ich möchte meinen Söhnen vermitteln, dass man Dinge auch reparieren kann, statt sie wegzuschmeißen“, erzählt der Vater, während der Elektrofachmann den beiden Jungen die Mechanik des Geräts erklärt. 

Auf dem Tisch direkt daneben steht ein alter DVD-Player. Die Besitzer Anne und Martin sind zum Repair Café gekommen in der Hoffnung, ihn reparieren zu können. „Bisher kannte sich keiner damit aus“, erzählt Anne und fügt hinzu: „Ein Freund gab uns den Tipp vorbeizukommen und jetzt versuchen wir, den Player gemeinsam mit dem Experten wieder in Schuss zu bringen.“ Warum die beiden lieber reparieren statt neu zu kaufen? „Wenn man immer alles neu kauft, dann entsteht ja auch wieder neuer Abfall“, erklärt sie und nennt noch einen weiteren Grund: „Obendrein spart man durch das Reparieren Geld.“

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Nicht nur deshalb erfreuen sich die Repair Cafés einer wachsenden Nachfrage. Die Gäste sind ganz bunt gemischt – von Jung bis Alt kommt jeder vorbei. „Unser ältester Gast war eine 85-jährige Frau, die mit ihrem orangefarbenen Rührgerät aus den 70ern zu uns kam“, erinnert sich Veranstalter Daniel. „Der Elektrofachhandel hat sie hierher geschickt, weil ihr die neuen Geräte in der Handhabung zu schwer waren. Wir mussten nur ein Kabel neu anlöten und sie konnte das Rührgerät wieder benutzen.“

Vom Laptop bis zum Gartenhäcksler

Auch was die zu mitgebrachten Geräte angeht, herrscht große Vielfalt: Laptops, Drucker, Pürierstäbe, Toaster, Wasserkocher, Videorekorder – fast alles kann wieder flott gemacht werden. „Einmal kam jemand mit einem Gartenhäcksler. Den konnten wir auch reparieren“, lacht Daniel. Nur Smartphones und sehr große Geräte wie Waschmaschinen werden hier in Schöneberg nicht repariert. Es gibt aber andere Repair Cafés in Berlin, die darauf spezialisiert sind. Manche Reparaturen sind ganz schnell erledigt, andere dauern mehrere Stunden. „Bei sehr komplizierten Problemen müssen Gäste manchmal auch noch ein weiteres Mal wiederkommen“, verrät Daniel. 

Das Repair Café findet einmal im Monat von 18 bis 21 Uhr jeweils in unterschiedlichen Kiezen statt. Daniel Affelt und sein Team gründen gerade einen neuen Standort in Steglitz. Helferinnen und Helfer werden noch gesucht: „Nicht nur technische Hilfe ist gefragt. Auch an der Anmeldung oder am Buffet ist immer etwas zu tun“, so Daniel. Also nichts wie los und mitmachen, damit noch mehr alte Schätze am Leben erhalten werden!