CheckCreated with Sketch. device, computer, phone, smartphone < All mini chat PLANT PLANT white CALENDAR CALENDAR white PHONE PHONE white EURO EURO white THUMBS UP THUMBS UP white
  • Über 174 Jahre Erfahrung
  • 800.000 Kunden
  • Günstige Strom- & Gastarife
  • Kostenfreier Wechsel
Über 174 Jahre Erfahrung
800.000 Kunden
Günstige Strom- & Gastarife
Kostenfreier Wechsel
  1. Magazin
  2. Nachhaltig
  3. interview-dominik-schmidt-gasag-gruene-gase

„Es geht darum, die Transformation zu gestalten“

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist so schnell nicht möglich. Aber warum eigentlich nicht? Im Gespräch mit Dominik Schmidt, Manager Wasserstoff bei der GASAG.

Gruene-Gase_1360x700

Herr Schmidt, warum sind grüne Gase für eine erfolgreiche Energiewende so wichtig?
Die Klimaziele der Bundesrepublik sehen vor, dass wir die CO2-Emissionen bis 2050 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Wir müssen dazu den Energieverbrauch reduzieren und den verbleibenden Energiebedarf mit Erneuerbaren Energien decken. Um dieses Ziel zu erreichen, werden neben Wind-, Sonnen- und Bioenergie auch Gase gebraucht. Für einen Übergangszeitraum wird das noch Erdgas sein. Dann werden klimaneutrale Gase wie Bio-Erdgas oder mit Wind und PV erzeugter grüner Wasserstoff (Power to Gas) Erdgas zunehmend ersetzen. Diese Gase können z.B. in Kraftwerken eingesetzt werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Oder sie werden in der Industrie oder bei der Wärmeversorgung von Gebäuden eingesetzt, weil in Deutschland die allermeisten Industriebbetriebe und Gebäude an das Gasnetz angeschlossen und deshalb perspektivisch auch mit grünen Gasen wie Biomethan oder Wasserstoff versorgt werden können.

Warum ist der Umstieg auf erneuerbare Energien so schnell nicht möglich?
Der schnelle Umstieg auf Erneuerbare Energien ist eine gewaltige Aufgabe. Gut vorangekommen sind wir bei der Stromerzeugung. Hier wird schon 50% auf Basis von Erneuerbaren Energien erzeugt. Atomenergie und Kohle werden aber künftig aus dem Energiemix herausfallen, Windkraft und Photovoltaik müssen diese Versorgungslücke dann zusätzlich schließen. Hingegen stockt der Ausbau von Wind und PV derzeit, genauso übrigens wie der notwendige Leitungsausbau im Stromnetz, auch wegen wachsenden Widerstands der Bürger.

Und wenn man den Blick auf andere Verbrauchssektoren wie Verkehr, Gebäude und Industrie richtet?
Dann sind die Anteile von Erneuerbaren derzeit noch bedeutend geringer als im Strombereich - trotz mittlerweile ca. 20 Jahren Energiewende in Deutschland. Insgesamt werden nur rund 20% des Energieverbrauchs mit Erneuerbaren gedeckt. Ein wichtiger Grund für diese unbefriedigende Entwicklung ist sicherlich, dass fossile Energien nach wie vor günstiger als Erneuerbare Energien sind. 

Welche Rolle spielt die GASAG auf diesem Weg in die klimaneutrale Energiezukunft?
Ziel der GASAG ist es, bis 2050 die Erdgasversorgung schrittweise auf grüne, klimaneutrale Gase umzustellen und so einen Beitrag zur CO2-Einsparung in Berlin und Brandenburg zu leisten. Ausgangspunkt sind unsere Kunden: 700.000 Gas- und Stromkunden in Berlin und Brandenburg, die zunehmend innovative und umweltfreundliche Produkte wünschen. Dazu werden perspektivisch unserer Einschätzung nach auch grüne Gase gehören. Allein in Berlin können wir über unser Gasnetz mehr als 180.000 Gebäude erreichen. Unsere Rolle wird es also sein, die Kunden mit innovativen Technologien und umweltfreundlichen Energien zu unterstützen, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.

Mit grünen Gasen in die Energiezukunft: Wo werden sie eingesetzt werden?
Klimaneutrale Gase können in vielen Anwendungsfeldern eingesetzt werden: In der Stromerzeugung, in der Industrie, im Verkehrsbereich und bei der Wärmeversorgung der Gebäude. Am Ende sollte aber der Markt darüber entscheiden, wieviel grünes Gas produziert und wo dies eingesetzt wird. Und da wird die Verteuerung der fossilen Energieträger durch den CO2-Preis eine entscheidende Rolle spielen, genauso wie die zukünftigen Kostensenkungen der Technologien. Mit dem CO2-Preis werden dann Signale gesetzt, damit Produktions- und Anwendungstechnologie für klimaneutrale Gase gleichermaßen in die Wirtschaftlichkeit kommen.

Kann der CO2-Preis den Einsatz von grünen Gasen unterstützen?
Bei dem aktuellen CO2-Preisniveau ist es noch nicht so, dass sich Business-Cases aus den neuen klimafreundlichen Gasen inklusive der damit verbundenen Technologien ergeben und wir sie kurzfristig in die breite Anwendung bringen können. Sprich, die CO2-Preis-Lenkungswirkung kann sich noch nicht ausreichend entfalten. Die Zusatzkosten für die Erzeugung und Verwendung von klimaneutralen Gasen sind aktuell noch höher als die Vermeidungskosten aus dem CO2-Preis. Umgekehrt kann die Bundesregierung natürlich nicht von heute auf morgen einen zu hohen CO2-Preis ansetzen, während die erforderlichen Technologien für klimaneutralen Gasen noch im Aufbau sind. Wir werden also neben einem CO2-Preis auch eine zeitlich befristete staatliche Unterstützung für Forschung und Entwicklung und einen Markthochlauf benötigen. Und da gibt es durchaus gute Zeichen, denn die von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie stellt dafür Mittel zur Verfügung.


Wo setzt die GASAG grüne Gase ein, inwieweit ist sie an Forschungen, etwa bei Power-to-Gas, beteiligt?
Wir projektieren gerade in Ketzin in Brandenburg eine Power-to-Gas-Anlage für die Produktion von grünem Wasserstoff in Kooperation mit einem Partner. Die Anlage steht inmitten der „Nauener Platte“, mit viel Strom aus Windkraft. Den grünen Wasserstoff wollen wir ins Gasnetz einspeisen oder auch der Wasserstoffmobilität zur Verfügung stellen. So können wir unseren ersten kleinen Beitrag für die Erreichung der Klimaziele leisten.

Wie ist Berlin als Standort für die Wasserstoffforschung aufgestellt, welche Synergien nutzt die GASAG?
Mit der Initiative H2Berlin, die die GASAG unter anderem mit den Berliner Wasserbetrieben, den Stadtwerken, der Stadtreinigung (BSR) und Vattenfall angestoßen hat, wollen wir den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zur Reduktion des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Einhaltung der Klimaziele in der Hauptstadt fördern. Wir glauben, dass Berlin international vorangehen muss und zeigen sollte, wie Klimaneutralität durch die Erzeugung grünen Wasserstoffs in einer Metropole gelingt. Bislang ist das Standortpotenzial der Hauptstadt noch weitgehend ungenutzt, das wollen wir ändern. Unser Ziel ist es, Impulse für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Berlin zu geben. Wir wollen unsere Kräfte bündeln und eine Roadmap für die Wasserstoffnutzung in Berlin entwickeln. Wichtige Fragen sind: Wie können wir die Kosten der Technologien senken? Wie schaffen wir es zum Beispiel, eine Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen, um Fahrzeuge zu betanken, die mit einer Brennstoffzelle unterwegs sind? Solche Autos können zur Betankung mit Wasserstoff ja nicht einfach ans Erdgasnetz angeschlossen werden.

Welche konkreten Marktchancen ergeben sich denn daraus?
Die H2Berlin-Initiative greift genau das auf und will Anreize schaffen, um Wasserstofftechnologien zur Anwendung zu bringen. Momentan sind viele Einsatzfelder noch mit herkömmlichen Energien belegt. Denken Sie z.B. an Baustrom und die Dieselaggregate, die man dafür braucht. Im Moment ist dieser Strom natürlich noch günstiger als vergleichbare klimaneutrale Lösungen. Stellen Sie sich vor, dass Dieselaggregate innerhalb des Berliner Rings in Zukunft durch saubere Wasserstoffsysteme ersetzt würden. Das eröffnet neue Marktchancen. Außerdem ist Berlin als Forschungsstandort sehr gut aufgestellt. In Adlershof gibt es viele Firmen, die sich mit der Entwicklung Wasserstofftechnologien beschäftigen. Die Firma Graforce, mit der wir im Austausch sind, entwickelt Konzepte für die Herstellung von klimaneutralem Wasserstoff. Mit der Firma HPS (Home Power Solutions) testen wir ein dezentrales Energiesystem, das Wasserstoff aus Sonnenenergie erzeugt und ein energieautarkes, CO2-freies Wohnen möglich macht. Wir tun das, um für unsere Eigenheimkunden ein emissionsfreies und nachhaltiges Angebot zu entwickeln, und wir begleiten solche Best-Practices Ansätze, um dafür zu sorgen, dass sie schneller zur Marktreife kommen.

Das könnte Sie auch interessieren ...

Grüne Firmen-Mobilität in Berlin
GASAG und die SHK- und Schornsteinfeger-Innungen gehen eine Klimaschutzpartnerschaft ein - für mehr grüne Mobilität in Betrieben.
CNG-Autos: die heimlichen Umwelt-Helden
Zu Besuch bei Familie Svarovsky in Potsdam und ihrem VW Touran EcoFuel