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Schnell viel CO₂ sparen – wie geht das?

Mithilfe eines einfachen Prinzips lässt sich der CO₂-Ausstoß verringern.

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Klimaneutral leben – das hört sich fantastisch an! Und mit der Einführung des CO2-Preises ab 2021, von manchen auch CO2-Steuer genannt, macht sich CO2-Sparen auch deutlich im Geldbeutel bemerkbar. Doch von heute auf morgen alle Emissionen abstellen und auf Gewohnheiten, die auf Kosten des Klimas gehen, verzichten? Das scheint so aufwendig, dass man gar nicht erst anfangen möchte. Aber mit einigen kleinen Schritten große Wirkung erzielen? Das klingt schon viel besser. Und funktioniert mit dem Pareto-Prinzip ganz einfach.

Pareto-Prinzip auf das CO₂-Sparen übertragen

Das Pareto-Prinzip wird auch die 80-20-Regel genannt. Es besagt, dass man den größten Teil einer Aufgabe mit nur wenig Aufwand erledigen kann: Nämlich 80 Prozent des Ergebnisses mit nur 20 Prozent Aufwand. Erst, wenn man auch die letzten 20 Prozent, also Perfektion, erreichen will, muss man mit dem erheblichen Aufwand von 80 Prozent rechnen. 

Wenn sich das Pareto-Prinzip auch nicht 1 zu 1 auf den Klimaschutz übertragen lässt, steht eines fest: Schon mit wenig Aufwand lässt sich in den eigenen vier Wänden eine Menge CO₂ einsparen.

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Wie sieht CO2-Sparen nach der 80-20-Regel in der Praxis aus? Vielleicht so: Familie Sparer ist eine deutsche Durchschnittsfamilie. Zwei Erwachsene, zwei Kinder. Zusammen leben sie zur Miete in einer 97 m2 großen Berliner Altbauwohnung. Sie fahren ein Auto. Essen drei Mal pro Woche Fleisch.

Familie Sparer möchte umweltschonender leben. Mithilfe des CO2-Rechners des Umweltbundesamtes haben sie berechnet, dass Mutter Sparer im Jahr mit ihrer Lebensweise rund 9,5 Tonnen CO2 verursacht. Das ist zwar weniger als der Durchschnittsdeutsche mit seinen 11 Tonnen, aber dennoch zu viel. Denn das Klimaziel der Bundesregierung lautet: Bis 2050 sollen 95 Prozent weniger Treibhausgase als im Jahr 1990 ausgestoßen werden. Um das zu erreichen, darf jeder Deutsche bis dahin weniger als 1 Tonne CO2 emittieren. Familie Sparer will daher jetzt schon viel tun und entschließt sich, ihren ökologischen Fußabdruck zu halbieren. Heißt: Statt jährlich 38 Tonnen CO2 zu verursachen, sollen es nur noch 19 Tonnen sein. Die ersten 80 Prozent – also 15,2 Tonnen – erreichen sie durch folgende Maßnahmen.

So spart Familie Sparer ordentlich CO2 ein

 

Bereich Energie
Familie Sparer wechselt zu Ökostrom und reduziert damit ihre Emissionen um 90 Prozent.- 1,4 t
Auch die Umrüstung auf LEDs geht schnell.
-135 kg
Der Kühlschrank mit Effizienzklasse B wird durch ein modernes „A+++“-Gerät ersetzt.- 160 kg
Der Wäschetrockner verursacht viel CO2 und wird abgeschafft.- 300 kg
Familie Sparer besorgt sich einen Sparduschkopf. Der kommt mit etwa der Hälfte an Wasser pro Minute aus.- 640 kg
Ein PC verbraucht mehr Strom als ein moderner Laptop. Die beiden alten Geräte werden ersetzt.- 120 kg
Im Internet hat Papa Sparer gelesen, dass man richtig CO2 spart, wenn man die Zimmertemperatur in der Heizsaison um 1 Grad reduziert.

- 350 kg

CO2-Ersparnis pro Jahr = 3,1 Tonnen

 

Bereich Mobilität
Vater Sparer fährt jeden Tag mit dem alten Volvo 7,2 Kilometer von Prenzlauer Berg nach Kreuzberg zur Arbeit – und zurück. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 9,9 Litern auf 100 km macht das 3,3 kg CO2 pro Tag! Ab sofort nimmt er das Fahrrad.

- 755,7 kg
Oma und Opa Sparer wohnen in München. Bisher fliegt Familie Sparer alle drei Monate zu ihnen. Pro Besuch hat die Familie 1,2 Tonnen CO2 verursacht. Jetzt nehmen sie den Zug. Mit dem UmweltMobilCheck der Deutschen Bahn haben sie herausgefunden, dass sie für Hin- und Rückfahrt alle vier nur 0,64 kg verursachen. Was für ein Unterschied!

- 4,8 t

CO2-Ersparnis pro Jahr = 5,6 Tonnen

 

Bereich Konsum & Ernährung
Jeder Einwohner in Deutschland verursacht laut Statistischem Bundesamt pro Jahr 200 kg CO2-Emissionen für Kleidung und Textilien. Allein in der Produktion eines T-Shirts aus Baumwolle stecken 11 kg CO2! Familie Sparer nimmt sich vor, künftig fast ausschließlich auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden einzukaufen. Frau Sparer besucht eine Kleidertausch-Party.
- 150 kg
Familie Sparer isst etwa so viel Fleisch wie die Deutschen im Durchschnitt – und damit rund 60 kg pro Person. Das entspricht 324 kg CO2 pro Familienmitglied. Künftig soll nur noch halb so viel Fleisch auf den Tisch kommen.- 648 kg
Dass Butter das Lebensmittel ist, das pro kg am schädlichsten fürs Klima ist, überrascht Familie Sparer. Rund 24 kg CO2 landen in der Atmosphäre, um 1 kg Butter herzustellen. Bei Margarine sind es nur 1,35 CO2 je kg. 5,79 kg verzehrt jedes Familienmitglied pro Jahr – wie der Durchschnittdeutsche auch. Sie steigen um.
- 524,6 kg

CO2-Ersparnis pro Jahr = 1,32 Tonnen

 

CO2-Kompensation
Familie Sparer möchte 5 t ihres CO2-Ausstoßes kompensieren. Sie finden einen Anbieter, bei dem 1 Tonne 16 Euro kostet, zahlen also 80 Euro. Mit diesem Geld wird andernorts CO2 eingespart. Etwa, indem Menschen in Ruanda mit effizienten Öfen ausgestattet werden, was Brennstoff spart, oder in Nepal eine Biogasanlage errichtet wird.- 5 t

CO2-Ersparnis pro Jahr = 5 Tonnen

 

Mit diesen Maßnahmen, die Familie Sparer insgesamt überraschend leicht gefallen sind, sparen sie in Summe 15 Tonnen CO2 ein. Sie nehmen sich vor, weiter an der Verbesserung ihrer Klimabilanz zu arbeiten, sind sich aber bewusst, dass die restlichen 20 Prozent bis zu ihrem Ziel schwerer zu erreichen sein werden als die ersten 80 Prozent. Aber sie haben schon Ideen:

So will Familie Sparer weiter CO2 einsparen:

  • Mama Sparer liebt Avocados. Aber: Anbau, Transport und Lagerung eines Kilos stößt nach dem Bundesministerium für Umwelt 846 g CO2 aus. Künftig kauft sie weniger.
  • Familie Sparer will versuchen, auf Plastik zu verzichten. Einmal die Woche kaufen sie in einem Unverpackt-Laden ein.
  • Auch der Fischkonsum soll heruntergefahren werden.
  • Mama Sparer kann sich nicht vorstellen, auf Kaffee zu verzichten. Aber Papa Sparer versucht es. Pro Tasse spart er rund 75 g CO2.
  • Alle wollen energiesparender leben.
  • Online-Shopping, Lieferservice, Streaming – Familie Sparer zügelt sich.

Wie das Beispiel der fiktiven Familie Sparer zeigt: Es ist möglich, klimafreundlicher zu leben. Es ist nicht zwangsläufig nötig, Geld auszugeben, um CO2 zu kompensieren – so wie Familie Sparer es getan hat, um ihr persönliches Klimaschutz-Ziel schnell zu erreichen. Mit anderen Einsparungen lässt sich das auch erreichen. Dabei muss nicht sofort der gesamte bisherige Lebensstil umgekrempelt werden. Wichtiger ist vielmehr, überhaupt anzufangen. Das wird sich auch im Geldbeutel bemerkbar machen!

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