Das Lächeln des Kojoten

Ab Mitte Juni sind großflächige Zeichnungen des Berliner Künstlers Robert Patz im „Kunstraum“ der GASAG zu sehen.
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Robert Patz (36), Künstler und Architekt

Die Schnauze leicht in die Luft gereckt, die Ohren zum besseren Lauschen breitgestellt: So steht das neue Maskottchen der Freien Universität in Dahlem. Der 100 Kilogramm schwere Holzkojote steht vor dem neuen Gebäude der FU, der „Holzlaube“. Kinder turnen darauf. Hunde nähern sich vorsichtig dem übergroßen Wolfsverwandten. Daneben steht an diesem Vormittag der Berliner Künstler Robert Patz. Er hat das Tier entworfen. Und beschreibt das Kunstwerk so: „Ich nenne es ‚Trickster‘, so werden in schamanischen Kulturen schillernde Wesen genannt, die uns Menschen an der Nase herumführen.“

Die Freie Universität hatte einen Wettbewerb zur „Kunst am Bau“ ausgeschrieben, auf der Suche nach Konzepten, „die sich mit der räumlichen Situation, der Architektur und dem Dialog der Kulturen auseinandersetzen“. Robert Patz hat gewonnen. Nicht allein mit dem Maskottchen, zum „Trickster“ gehören noch sechs große, farbige Stahlplastiken, die an aufgerollte Bücherseiten erinnern. Und eine riesige Wandmalerei im Foyer, mit einem Gewimmel unverständlicher Zeichen: „Weil die Welt unserem Streben nach Forschung stets ausweicht: Immer wenn wir etwas entdecken oder Fragen beantworten, entstehen wieder neue Fragen“, sagt Patz.

Er ist „von Haus aus Architekt“, und Architektur erlebe er oft „sehr sachlich, sehr industriell“. Darüber möchte er mit seiner Kunst „eine zweite Schicht auftragen, die Architektur mit Aura aufladen“. Genau das will er ab dem 13. Juni auch im „Kunstraum“ der GASAG umsetzen: „Wir freuen uns, mit Robert Patz zum ersten Mal für den Kunstraum einen Künstler gefunden zu haben, der extra für den Ort und unser Unternehmen eine Arbeit entwickelt. Wir sind schon sehr gespannt auf seine Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Netze‘. Und natürlich auch auf die Umsetzung!“, sagt Birgit Jammes, bei der GASAG für die Kulturförderung zuständig.

 
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Seine Ausstellungseröffnung ist am 13. Juni 2018 um 19 Uhr im GASAG Kunstraum, Henriette-Herz-Platz 4.
Fast 10 Wochen sind noch Zeit, die Ausstellung wächst und gedeiht. In Gedanken. Denn vorher setzt sich Robert Patz intensiv mit der 170-jährigen Geschichte der GASG auseinander: „Die frühe Versorgung einer Metropole mit Gas ist etwas Besonderes, die Stadtentwicklung Berlins sehr stark damit verbunden“, sagt er. Gleichzeitig sei das Unternehmen „hochmodern, unglaublich dicht vernetzt im eigentlichen wie im übertragenen Sinne.“ Patz stöbert für seine Recherche deshalb nicht nur in Archiven, sondern sammelt Informationen und Anregungen auch an Orten wie der Netzleitwarte der GASAG-Tochter NBB, an der die Gasversorgung Berlins organisiert und überwacht wird. Wo immer Patz hinschaut, entdeckt er „weitere Netze“: „Die Mitarbeiter, die Kunden, die Infrastruktur, alles steht zueinander in vielfältigsten Beziehungen.“

Auf seinen Streifzügen durch die Welt der GASAG begleitet Robert Patz sein großes Skizzenbuch: Karten, Pläne, Grundrisse hat er mit klarem Strich hineingezeichnet. Mit „großen Papierarbeiten“ plant er die Kunstraumwände zu überziehen, ein eigenes Netz aus Zeichnungen darüber zu spannen: „Die Betrachter sollen glauben, dass sie etwas erkennen, etwas verstehen. Bis sie merken, das sich die Erkenntnis – wieder einmal – heimlich entzogen hat.“ Robert Patz sagt’s und lächelt. Der Kojote neben ihm auch. Wahrscheinlich lösen sie sich beide gleich in Luft auf.
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Große Kunst

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© Renate Wolff

Wem die Stunde schlägt: Der Berliner Architekt und Künstler Robert Patz empfiehlt sieben Orte, an denen man in Berlin beeindruckende und topaktuelle Kunst am Bau erleben kann.

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