Heizwärmebedarf: Was sagt er aus und wie lässt er sich berechnen?
Wer den Heizwärmebedarf eines Gebäudes kennt, weiß, wie energieeffizient es ist. Wie lässt sich der Heizwärmebedarf ermitteln? Und welcher Wert ist ideal?
Was ist der Heizwärmebedarf?
Mit dem Begriff Heizwärmebedarf (HWB) beschreibt man die Wärmemenge, die benötigt wird, um ein Gebäude auf eine bestimmte Temperatur zu erwärmen. Der ermittelte Wert gibt an, wie viel Wärme im Jahr pro Quadratmeter zur Beheizung des Gebäudes erforderlich ist. Der Heizwärmebedarf wird in kWh/m²a angegeben (a steht für anno, also für Jahr).
Was verrät der Heizwärmebedarf?
Der Heizwärmebedarf (HWB) gibt Anhaltspunkte, wie energieeffizient – oder auch nicht – eine Immobilie ist. Je geringer der HWB ausfällt, desto besser. Die Angabe ist damit eine wertvolle Information für:
- Eigentümerinnen und Eigentümer sowie für Käuferinnen und Käufer von Immobilien (zur Einschätzung der laufenden Heizkosten)
- Mieterinnen und Mieter sowie für Vermieterinnen und Vermieter (zur Vergleichbarkeit von Kosten und Energieeffizienz)
- Energieberaterinnen und -berater sowie für Bauherren und Bauherrinnen (zur Planung von Sanierungen und Effizienzsteigerungen)
- Kreditgebende Banken und Versicherungen (beim Bewerten der Betriebskosten und Gebäudewert)
- Behörden und Marktteilnehmende (für Richtwerte in Energieausweisen und Standards)
Wo finde ich die Angabe des Heizwärmebedarfs?
Wie hoch der Heizwärmebedarf eines Gebäudes ist, verrät der Energieausweis. Dort finden Sie die Angabe in kWh/ m²a. Zudem wird im Energieausweis eine Einstufung vorgenommen – in der Regel von A++ bis G. G ist die schlechteste Einstufung.
Für eine grobe Einschätzung: Neue Gebäude sollten die Anforderungen der Klasse A erfüllen. Sanierte Altbauwohnungen sollten die Klassen B und C erreichen. Bei unsanierten Gebäuden kann es zu schlechteren Einstufungen kommen.
Zur groben Orientierung hier ein Überblick zur Einschätzung der Werte:
- Als gut gedämmt gelten: 40 bis 60 kWh/m²a
- Als durchschnittlich gedämmt gelten: 60 bis 120 kWh/(m²a)
- Schlecht gedämmt sind: mehr als 120 kWh/(m²a)
Durchschnittlicher Heizwärmebedarf in Deutschland
Häufig wird der durchschnittliche Heizwärmebedarf in Deutschland um ca. 150 bis 170 kWh/m²a angegeben. Dies variiert allerdings je nach Quelle.160 kWh/m²a ist eine plausible Grobangabe, aber kein fester offizieller Standard.
Wichtig zu wissen: 160 kWh/m²a ist ein ziemlich hoher Wert, obwohl viele Häuser einen deutlich niedrigeren aufweisen. Ein Grund für diesen hohen Durchschnittswert ist die Tatsache, dass es immer noch viele Häuser in Deutschland gibt, die zum Teil schlecht isoliert und gedämmt sind.
Ein Überblick üblicher Werte von Immobilien in Deutschland
- Neubauten: max. 70 kWh/m²a
- Passivhäuser: 15 kWh/m²a
- unsanierte Altbauten: 150 bis über 300 kWh/ m²a
- Niedrigenergiehäuser: ca. 50 kWh/ m²a
Wichtig zu wissen: Konkrete Werte hängen von Baujahr, Bauweise, Dämmung, Fenster, Heizung und Nutzungsverhalten ab.
Berechnung des Heizwärmebedarfs
Sie können den Heizwärmebedarf selbst berechnen, um eine grobe Einschätzung zur Energieeffizienz eines Gebäudes zu erhalten. Wir stellen Ihnen hier eine einfache, überschlägige Methode vor, um eine erste Schätzung zu erhalten. Komplexe Berechnungen des Heizwärmebedarfs mit Berücksichtigung sämtlicher Details sollten Sie allerdings Fachleuten überlassen.
Heizwärmbedarf berechnen: Schritt für Schritt
- Wohnfläche ermitteln: Messen Sie die Quadratmeter Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses.
- Richtwert wählen: Nutzen Sie einen Richtwert für den Heizwärmebedarf pro Quadratmeter – er hängt vom Gebäudealter und der Dämmung ab.
Diese Richtwerte lauten wie folgt:
· Neubauten: max. 70 kWh/m²a
· Passivhäuser: 15 kWh/m²a
· unsanierte Altbauten: 150 bis über 300 kWh/ m²a
· Niedrigenergiehäuser: ca. 50 kWh/ m²a[SA1]
3. Wenden Sie folgende Formel an: Multiplizieren Sie Ihre Wohnfläche mit dem gewählten Richtwert. So erhalten Sie den ungefähren Heizwärmebedarf.
Heizwärme berechnen - ein Beispiel
Wir gehen beispielhaft von einer 100-Quadratmeter-Wohnfläche in einem Einfamilienhaus und von einem gut gedämmten Zustand des Gebäudes aus. Dafür wählen wir den Richtwert von 50 kWh/m²a. Wir rechnen: 100 (m²) x 50 (kWh/m²a) = 5.000 kWh/a
Grob geschätzt liegt der Heizwärmebedarf in unserem Beispiel also bei circa 5.000 kWh pro Jahr.
Sie möchten es genauer wissen? Die professionelle Berechnung der Heizlast erfolgt auf der Basis der DIN EN 12831. Sie liefert verlässliche Werte, da Wärmeverluste über Bausubstanz und Luftwechsel konkret erfasst werden. Hierfür verwenden Fachleute eine entsprechende Planungssoftware, in die sie die zur Wärmebedarfsberechnung notwendigen Daten einfügen. Die Berechnung sollte immer durch Fachpersonal erfolgen.
Heizwärmebedarf und Heizgradtage: Den Unterschied verstehen
Manchmal geraten Begrifflichkeiten durcheinander. Beispielsweise bei den ähnlich klingenden Wörtern „Heizwärmebedarf“ und „Heizgradtage“. Wir klären auf, was Heizgradtage sind: Es handelt sich um eine statistische Größe, die den Heizbedarf einer Region über das Jahr hinweg abbildet. Sie ergeben sich aus der Differenz zwischen einer Referenz-Temperatur (oft 20 Grad Celsius) und der tatsächlich durchschnittlichen Außentemperatur, summiert über Tage, an denen es kälter ist als die Referenz.
Je mehr Heizgradtage (HGT), desto kälter ist es energetisch pro Jahr. Die Maßeinheit dient damit zur groben Abschätzung des bundes- oder jahreszeitbezogenen Wärmebedarfs in einer Region. Mit ihr lassen sich die klimatischen Bedingungen über ein Jahr messen. Das hilft, den regionalen Einfluss des Wetters auf den Heizbedarf abzuschätzen.
Sie möchten mehr über die Heizgradtage erfahren? Dann lesen Sie hier weiter.