Heizstromverbrauch berechnen - so geht's! .
Wer mit Strom heizt, möchte wissen, wie hoch die laufenden Kosten wirklich sind. Gerade bei elektrischen Heizsystemen kann der Verbrauch stark schwanken und ist auf den ersten Blick schwer einzuschätzen.
Mit wenigen Kennwerten lässt sich der Heizstromverbrauch berechnen: Geräteleistung in kW, tatsächliche Laufzeit, Wärmebedarf des Gebäudes und die Art der Regelung. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Einflussgrößen, zeigt praxisnahe Rechenwege und erläutert, wie Messungen helfen, theoretische Annahmen zu überprüfen und zu verfeinern.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eigentlich Heizstrom?
- Was ist Haushaltsstrom?
- Wie berechnet man den Heizstromverbrauch?
- Heizstromverbrauch über Wärmebedarf ausrechnen
- Heizstromverbrauch berechnen nach Personenzahl
- Heizstromverbrauch berechnen nach Gerät
- Heizstromverbrauch berechnen für eine Wohnung
- Wetter und Saison: Wie Heizgradtage bei der Verbrauchsabschätzung helfen
- Kostenberechnung: Strompreis, Tarife und Kosten pro Quadratmeter
- Von der Heizleistung zur passenden Leistung - Planung für effizienten Betrieb
- Nutzung und Belegung mitdenken
- Heizkosten berechnen pro Quadratmeter und Optimierung
- Fragen und Antworten zu Heizstromverbrauch berechnen
Was ist eigentlich Heizstrom?
Wer mit Strom heizt, stößt schnell auf den Begriff Heizstrom. Gemeint ist damit der Strom, der speziell für den Betrieb elektrischer Heizsysteme genutzt wird – etwa für Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen oder Direktheizungen. Physikalisch ist Heizstrom ganz normaler Strom.
Was ist Haushaltsstrom?
Dann gibt es noch den Begriff Haushaltsstrom. Der Unterschied? Liegt nicht im Strom selbst, sondern in der Art der Nutzung und Abrechnung: In vielen Fällen wird Heizstrom über einen separaten Stromzähler erfasst und über einen eigenen Tarif abgerechnet. Solche Tarife können günstiger sein oder zeitlich variieren, zum Beispiel bei Speicherheizungen, die bevorzugt nachts laufen. Gibt es keinen speziellen Heizstromtarif, wird der Heizstrom ganz normal zum Haushaltsstrompreis abgerechnet.
Wie berechnet man den Heizstromverbrauch?
Wie hoch der Heizstromverbrauch ausfällt, hängt vor allem von Gebäudezustand und Heizverhalten ab – etwa von Dämmung, Raumgröße, eingestellter Temperatur und der Regelung der Heizung. Um den Heizstromverbrauch realistisch zu berechnen, ist daher entscheidend, welche Heiztechnik eingesetzt wird und wie lange die Geräte tatsächlich laufen, etwa gesteuert durch Thermostate oder einen Taktbetrieb.
Kernformel für den Heizstromverbrauch
Wie genau lässt sich nun der Heizstromverbrauch berechnen? Die einfache Grundformel lautet:
Stromverbrauch (kWh) = Heizleistung (kW) × Betriebsstunden.
Die Heizleistung gibt an, wie stark ein Heizgerät ist. Die Betriebsstunden zeigen, wie lange es tatsächlich läuft. Beides zusammen ergibt den Stromverbrauch.
In der Praxis läuft eine elektrische Heizung jedoch nicht dauerhaft mit voller Leistung. Thermostate schalten das Gerät je nach Raumtemperatur ein und aus. Auch die gewünschte Raumtemperatur, die Außentemperatur, Sonneneinstrahlung oder andere Wärmequellen beeinflussen, wie lange die Heizung aktiv ist. Deshalb schwankt die tatsächliche Laufzeit von Tag zu Tag.
Für eine realistische Berechnung empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen: Zunächst schätzt man den Verbrauch auf Basis der Heizleistung und einer angenommenen Laufzeit. Anschließend überprüft man diese Schätzung durch Messungen, zum Beispiel mit einem Zwischensteckdosen-Stromzähler oder durch regelmäßiges Ablesen des Stromzählers. Um die Berechnung abzusichern, ist es sinnvoll, die Zählerstände wöchentlich zu notieren.
Auf dieser Grundlage lassen sich Annahmen schrittweise anpassen und der Heizstromverbrauch immer genauer bestimmen.
Heizstromverbrauch über Wärmebedarf ausrechnen
Der jährliche Wärmebedarf eines Gebäudes kann stark variieren. Unsanierte Altbauten benötigen oft mehr als 120 bis 180 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a). Teilsanierte oder gut sanierte Gebäude liegen deutlich darunter. Neubauten kommen häufig mit 30 bis 70 kWh/m²a aus, während Passivhäuser nochmals geringere Werte anstreben.
Elektrische Direktheizungen wandeln Strom nahezu vollständig in Wärme um. Das heißt aber nicht, dass sie automatisch sparsam sind. Entscheidend ist, wie viel Wärme das Gebäude verliert – über Wände, Fenster und beim Lüften. Je größer diese Verluste, desto länger läuft die Heizung und desto höher ist der Stromverbrauch.
Heißt: Der Wärmebedarf definiert, wie viel Heizwärme ein Gebäude über die Saison benötigt. Er ist er stärkste Treiber des Stromverbrauchs elektrischer Heizungen. Er hängt ab von:
- Baujahr
- Dämmstandard
- Fensterqualität
- Luftdichtheit
- Wärmebrücken
- Raumhöhe
- Lüftungs- und Nutzungsgewohnheiten
So lässt sich der Heizstrom inkl. Wärmebedarf grob abschätzen
Für eine erste Orientierung geht man so vor:
1. Nehmen Sie den spezifischen Heizenergiebedarf des Gebäudes (z. B. aus Energieausweis oder Baualtersklasse) in kWh/m²a.
2. Multiplizieren Sie diesen Wert mit der beheizten Wohnfläche.
Das Ergebnis ist der jährliche Wärmebedarf in Kilowattstunden – bei elektrischen Direktheizungen entspricht dieser Wärmebedarf nahezu eins zu eins dem jährlichen Heizstromverbrauch. Wer den Gebäudewert kennt, kann den Heizstrombedarf damit einfach und realistisch abschätzen.
Heizstromverbrauch berechnen nach Personenzahl
Klar – je mehr Personen in einem Haushalt leben, desto höher ist der Heizstromverbrauch. Allerdings sind die Unterscheide meist weniger groß als oft angenommen wird. Zwar steigen mit jeder zusätzlichen Person die internen Wärmelasten (etwa durch Körperwärme und Elektrogeräte), die Nutzungsdauer der Räume und die Komfortansprüche. Entscheidend bleiben jedoch die Wohnfläche und der energetische Zustand des Gebäudes.
Bei einer Person schwankt der Heizstromverbrauch besonders stark. Er reicht von sehr niedrigen Werten in kleinen Apartments mit seltener Nutzung bis zu deutlich höheren Verbräuchen, wenn die Wohnung ganztägig beheizt wird. Leben zwei Personen im Haushalt, erhöht sich der Heizstromverbrauch häufig dann, wenn zusätzliche Räume dauerhaft beheizt oder höhere Raumtemperaturen gewünscht werden. Der Mehrverbrauch ergibt sich also weniger aus der Personenzahl selbst als aus der intensiveren Nutzung der Wohnung. Bei drei Personen steigt der Heizstrombedarf oft weiter an. Gründe sind längere Anwesenheitszeiten, häufigere Nutzung aller Räume und ein insgesamt höheres Komfortniveau.
Für eine realistische Bewertung sind saisonale Verbrauchsmessungen pro Haushalt am aussagekräftigsten, weil sie tatsächliches Heizverhalten, Raumtemperaturen und Lüftung berücksichtigen. Für Berechnungen und Prognosen empfiehlt es sich, Wohnfläche und Gebäudestandard als Hauptfaktoren anzusetzen und die Personenzahl lediglich als Korrekturfaktor für Heizdauer und Komfortansprüche zu nutzen.
Heizstromverbrauch berechnen nach Gerät
Der Heizstromverbrauch hängt nicht nur von der Gebäudedämmung und der Wohnfläche ab, sondern ganz wesentlich vom eingesetzten Heizsystem. Unterschiedliche Geräte wandeln Strom auf unterschiedliche Weise in Wärme um, speichern Energie oder geben sie direkt ab.
Entscheidend für den Verbrauch sind dabei vor allem:
- Art der Wärmeerzeugung (direkt, gespeichert, per Strahlung oder mit Umweltwärme)
- Nennleistung des Geräts in Kilowatt (kW)
- Tatsächliche Laufzeit bzw. Ladezeit
- Regelung und Steuerung (Thermostate, Taktbetrieb, Zeitprogramme)
- Wärmeverteilung im Raum (Luft vs. Oberflächen)
Die gleiche Wohnfläche kann deshalb – je nach Heizgerät – sehr unterschiedliche Stromverbräuche verursachen. Für eine realistische Berechnung ist es daher sinnvoll, den Heizstromverbrauch gerätetypisch zu betrachten.
Typische elektrische Heizgeräte und ihr Einfluss auf den Verbrauch
Elektrische Direktheizungen (z. B. Konvektoren, Heizlüfter)
Direktheizungen wandeln Strom nahezu verlustfrei in Wärme um und geben diese sofort an die Raumluft ab. Der Heizstromverbrauch ergibt sich direkt aus Leistung und Laufzeit.
- Vorteil: einfache Berechnung
- Nachteil: hoher Verbrauch bei schlecht gedämmten Gebäuden, da die Geräte häufig laufen
Formel:
Heizstrom (kWh) = Geräteleistung (kW) × Betriebsstunden
Infrarotheizungen (Strahlungsheizungen)
Infrarotheizungen erwärmen nicht primär die Luft, sondern Oberflächen und Personen. Dadurch kann oft mit etwas niedrigeren Lufttemperaturen geheizt werden, ohne dass der Komfort sinkt.
Der Verbrauch hängt stark von Platzierung, Raumgeometrie und Nutzung ab. Bei falscher Auslegung oder fehlender Zonierung steigen die Laufzeiten deutlich. Typische Leistungsansätze liegen – je nach Gebäude – bei etwa 60 bis 100 W pro Quadratmeter.
Nachtspeicherheizungen
Nachtspeicherheizungen laden sich zu bestimmten Zeiten (meist nachts) elektrisch auf und geben die gespeicherte Wärme tagsüber ab. Der Stromverbrauch ergibt sich aus der geladenen Energiemenge, nicht aus der momentanen Heizleistung. Die Kosten hängen stark vom Tarif ab, der Verbrauch energetisch jedoch vom Gebäude. Der Heizstrom entspricht näherungsweise dem jährlichen Wärmebedarf des Gebäudes.
Wärmepumpen (Sonderfall Heizstrom)
Wärmepumpen nutzen Umweltwärme aus Luft, Erde oder Wasser. Sie erzeugen aus 1 kWh Strom ein Vielfaches an Wärme. Maßgeblich ist hier die Jahresarbeitszahl (JAZ).
Formel:
Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ
Beispiel: 9.000 kWh Wärmebedarf ÷ JAZ 3 = ca. 3.000 kWh Heizstrom
Wärmepumpen unterscheiden sich damit grundlegend von Direktheizungen.
Heizstromverbrauch berechnen für eine Wohnung
Um den Heizstromverbrauch für eine Wohnung realistisch zu berechnen, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen, das Gebäude, Heiztechnik und Nutzung miteinander verknüpft. In der Praxis haben sich folgende Schritte bewährt:
| Schritte |
|
|---|---|
| Gebäudebedarf ermitteln | Ausgangspunkt ist der spezifische Heizenergiebedarf des Gebäudes. Dieser lässt sich aus dem Energieausweis, dem Baujahr oder dem Sanierungsstand ableiten. Multipliziert mit der beheizten Wohnfläche ergibt sich der jährliche Wärmebedarf der Wohnung. |
| Heizgeräte erfassen | Im nächsten Schritt werden alle eingesetzten elektrischen Heizgeräte berücksichtigt. Wichtig sind dabei vor allem die jeweiligen Nennleistungen in Kilowatt sowie die Zuordnung zu einzelnen Räumen. |
| Laufzeiten realistisch abschätzen | Die tatsächliche Laufzeit der Heizgeräte hängt von Außentemperatur, gewünschter Raumtemperatur und Regelstrategie ab. Sinnvoll ist es, mit sogenannten äquivalenten Volllaststunden pro Heiztag zu arbeiten, statt von einem Dauerbetrieb auszugehen. |
| Verbrauch über die Heizsaison berechnen | Auf Basis von Leistung und Laufzeit lassen sich Wochen-, Monats- und Saisonverbräuche berechnen. Diese theoretischen Werte sollten über die Heizperiode hinweg mit realen Zählerständen abgeglichen werden, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen. |
| Ergebnisse prüfen und einordnen | Der ermittelte Heizstromverbrauch dient als Orientierungswert und sollte mit gebäudetypischen Kennzahlen verglichen werden. Auffällige Abweichungen lassen sich so entweder auf den Gebäudezustand oder auf das individuelle Heizverhalten zurückführen. |
Ergänzend hilft es, Thermostateinstellungen und Innenraumtemperaturen stichprobenartig zu dokumentieren. Auf diese Weise lassen sich Annahmen zu Laufzeiten und Komfortniveaus besser überprüfen. Über mehrere Heizperioden hinweg entsteht so eine belastbare Grundlage, um den Heizstromverbrauch einer Wohnung realistisch zu berechnen und gezielt zu optimieren.
Wetter und Saison: Wie Heizgradtage bei der Verbrauchsabschätzung helfen
Heizgradtage zeigen, wie stark das Wetter den Heizbedarf eines Gebäudes beeinflusst. Sie berechnen sich aus der Differenz zwischen einer Referenz-Raumtemperatur und der tatsächlichen Tagesmitteltemperatur und werden in der Regel für Regionen bereitgestellt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Wochen- oder Monatsverbräuche wetterbereinigt vergleichen. So können Sie milde und kalte Phasen direkt gegenüberstellen und Jahresprognosen für den Heizstromverbrauch deutlich zuverlässiger machen.
In der Praxis empfiehlt es sich, lokale Klimadaten mit den eigenen Zählerständen zu kombinieren. Damit lässt sich der Heizstromverbrauch besser einordnen, und die Planung für zukünftige Heizperioden wird einfacher. So entsteht eine praktische Verbindung zwischen Technik, Nutzung und Witterung, die hilft, den Heizstromverbrauch realistisch abzuschätzen. Wer mehr über Heizgradtage erfahren möchte, findet eine kompakte Einführung mit praktischen Anwendungstipps hier.
Kostenberechnung: Strompreis, Tarife und Kosten pro Quadratmeter
Die Kosten von Elektroheizungen ergeben sich aus Arbeitspreis (ct/kWh), Grundpreis des Vertrags und dem gemessenen Verbrauch. Regionale Preisunterschiede, zeitvariable Tarife und getrennte Zähler für Heizstrom beeinflussen die Endkosten.
Für eine realistische Abschätzung der jährlichen Heizkosten geht man so vor:
1. Schätzen oder ermitteln Sie den jährlichen Heizstromverbrauch in Kilowattstunden.
2. Multiplizieren Sie diesen Wert mit dem aktuellen Arbeitspreis Ihres Tarifs.
3. Rechnen Sie den Grundpreis anteilig hinzu.
Zwei Tipps:
1. Kosten pro Quadratmeter vergleichen: Zusätzlich hilft es, die Heizstromkosten auf einen Quadratmeter Wohnfläche umzulegen. Dieser Wert macht Gebäude und Nutzungsarten besser vergleichbar – unabhängig von Wohnungsgröße oder Bewohnerzahl.
2. Preise regelmäßig prüfen: Weil sich Strompreise ändern, sollten Sie Ihren Vertrag mindestens einmal im Jahr überprüfen und mit aktuellen Strompreisanalysen vergleichen.
Wer seinen Heizstromverbrauch regelmäßig misst, kann Tarife gezielt anpassen und prüfen, ob sich Lastverschiebungen – etwa in günstigere Zeitfenster – lohnen.
Von der Heizleistung zur passenden Leistung - Planung für effizienten Betrieb
Die Heizlast gibt an, wie viel Heizleistung ein Raum oder ein Gebäude bei kalten Außentemperaturen tatsächlich braucht. Sie ist die Grundlage dafür, die richtige Geräteleistung auszuwählen.
Ist die Heizung zu klein dimensioniert, läuft sie lange im Dauerbetrieb. Das treibt den Stromverbrauch nach oben und erreicht oft trotzdem nicht die gewünschte Raumtemperatur. Ist die Heizung zu groß, schaltet sie ständig ein und aus. Dieses häufige Takten verschlechtert Komfort und Effizienz und kann ebenfalls zu hohe Kosten verursachen.
Eine überschlägige oder normgerechte Heizlastberechnung hilft, Heizgeräte sinnvoll auszulegen. So lassen sich Leistung, Regelung und Platzierung aufeinander abstimmen und unnötiger Stromverbrauch vermeiden.
Nutzung und Belegung mitdenken
In der Praxis spielt nicht nur das Gebäude, sondern auch die Nutzung eine Rolle: Eine Person in einem gut gedämmten 40-m²-Apartment benötigt deutlich weniger Heizleistung und andere Laufzeiten als zwei Personen in einer 70-m²-Wohnung oder drei Personen in einer 90-m²-Wohnung mit zusätzlichem Kinderzimmer.
Unterschiedliche Raumgrößen, Aufenthaltszeiten und Komfortansprüche verändern das benötigte Leistungsniveau und damit den Heizstromverbrauch.
Mit korrekt ausgelegten Heizgeräten und einer passenden Regelung lässt sich der Heizstromverbrauch realistisch berechnen – und das gewünschte Komfortniveau dauerhaft erreichen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine verständliche Einführung zur Heizlastberechnung.
Heizkosten berechnen pro Quadratmeter und Optimierung
Kennzahlen wie Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) oder Euro pro Quadratmeter helfen, Heizkosten übersichtlich zu vergleichen – sowohl zwischen verschiedenen Gebäuden als auch zwischen Haushalten. Für aussagekräftige Ergebnisse reicht es jedoch nicht, nur den Verbrauch zu betrachten. Der Wärmebedarf muss mit der Wohnfläche, der Leistung der Heizgeräte und deren Laufzeiten verknüpft werden. Anschließend sollten die Werte um Witterungseinflüsse bereinigt werden, damit kalte und milde Jahre vergleichbar bleiben.
Die Darstellung der Heizkosten pro Quadratmeter zeigt schnell, wo die Hauptursache für hohe Kosten liegt:
- Sind die Kosten pro Quadratmeter hoch, obwohl wenig geheizt wird, deutet das auf Schwächen der Gebäudehülle hin.
- Steigen die Kosten vor allem durch lange Laufzeiten, spielt das Nutzungs- und Heizverhalten die größere Rolle.
Typische Stellschrauben zur Optimierung
- Konkrete Einsparungen lassen sich vor allem erreichen durch:
- eine bedarfsgerechte Regelung der Heizung,
- das gezielte Beheizen einzelner Zonen statt aller Räume,
- Nachtabsenkung,
- geringere Wärmeverluste durch Lüften,
- bei Infrarotheizungen eine sinnvolle Platzierung der Strahlungsflächen
In der Auswertung bewährt es sich, den durchschnittlichen Heizstromverbrauch als Referenz festzuhalten und Abweichungen gezielt auf Gebäudeeigenschaften oder Nutzungsverhalten zurückzuführen. Diese Kennzahlen helfen dabei, den Heizstromverbrauch besser zu berechnen, einzuordnen und Einsparpotenziale gezielt zu nutzen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet Praxisleitfäden und Vergleichswerte im Beitrag zu Heizkosten pro Quadratmeter.
Fragen und Antworten zu Heizstromverbrauch berechnen
Wie berechnet man den Heizverbrauch?
Der Heizverbrauch elektrischer Direktheizungen wird aus der Nennleistung der Geräte und den äquivalenten Volllaststunden ermittelt. Basisformel: Verbrauch (kWh) = Leistung (kW) × Betriebsstunden. Für eine Saisonprognose werden die täglichen Betriebsstunden je Heiztag auf die Heizperiode hochgerechnet und anschließend mit Messwerten (Zählerstände, Zwischenzähler) plausibilisiert.
Alternativ kann über den spezifischen Wärmebedarf des Gebäudes gerechnet werden: Jahresverbrauch (kWh) ≈ spezifischer Bedarf (kWh/m²a) × beheizte Fläche (m²). Bei Direktheizungen entspricht die Wärmeabgabe näherungsweise dem Stromverbrauch. Bei Wärmepumpen ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) zu berücksichtigen.
Wie viel kostet 1 kWh Heizstrom?
Die Kosten pro kWh ergeben sich aus dem vertraglichen Arbeitspreis des Stromliefervertrags. Hinzu kommt der Grundpreis, der auf Monats- oder Jahresbasis anfällt und anteilig auf die kWh umgelegt werden kann. Ob ein separater Heizstromtarif vorliegt (z. B. mit Sperrzeiten oder Nebenzeiten) oder ein Standard-Haushaltstarif genutzt wird, entscheidet über die konkrete Höhe. Verbindlich sind die Angaben im Tarifblatt bzw. auf der Jahresrechnung.
Wie berechne ich die Heizkosten für meine Elektroheizung?
Heizkosten = Verbrauch (kWh) × Arbeitspreis (€/kWh) + anteiliger Grundpreis. Der Verbrauch ergibt sich aus der Summe aller eingesetzten Heizgeräte: Summe über alle Geräte [Leistung (kW) × Betriebsstunden]. Für mehr Präzision werden Wochen- und Monatsverbräuche mit Zählerständen erfasst und über die Heizsaison aufsummiert. Eine ergänzende Darstellung als Kosten pro Quadratmeter pro Jahr schafft Vergleichbarkeit zwischen Wohnungen und Gebäuden.
Ist Heizstrom teurer als normaler Strom?
Heizstrom ist technisch identisch mit Haushaltsstrom; Unterschiede ergeben sich allein aus der Tarifgestaltung und dem Messkonzept. Separate Heizstromtarife können – je nach Anbieter und Region – mit abweichenden Arbeitspreisen und Sperrzeiten angeboten werden. Ohne speziellen Heizstromtarif gelten in der Regel die Standard-Haushaltspreise. Ob Heizstrom teurer oder günstiger ist, hängt daher vom individuellen Vertrag ab.
Welche Richtwerte gibt es für den Heizstromverbrauch einer, zwei, oder Personen?
Die Wohnfläche und der Gebäudestandard dominieren den Verbrauch. Die Personenzahl wirkt vor allem über Komforttemperaturen, Anwesenheitszeiten und die Anzahl kontinuierlich beheizter Räume. Überschlägige Richtwerte für Direkt-Elektroheizung (ohne Wärmepumpe) wirken jeweils als Spannweiten:
- Heizstromverbrauch für eine Person (typisch 35 – 45 m²): ca. 2.000 – 6.000 kWh/a je nach Gebäudestandard (sehr gut gedämmt bis unsaniert).
- Heizstromverbrauch für zwei Personen (60 – 75 m²): ca. 3.500 – 11.000 kWh/a.
- Heizstromverbrauch für drei Personen (80 – 95 m²): ca. 4.500 – 14.000 kWh/a.
Diese Bereiche spiegeln vor allem Unterschiede in Dämmqualität, Fensterzustand, Luftdichtheit sowie individuelle Nutzung wider. Messwerte über eine volle Heizperiode liefern die verlässlichste Einordnung.
Wie wird der Heizstromverbrauch im Durchschnitt ermittelt?
Der Durchschnitt des Heizstromverbrauches lässt sich auf zwei Wegen bestimmen:
1. Top-down über Kennwerte: spezifischer Wärmebedarf (kWh/m²a) aus Energieausweis, Baualtersklasse oder Sanierungsstand × beheizte Fläche. Für Direktheizungen entspricht das näherungsweise dem Jahresstromverbrauch.
2. Bottom-up über Messung: systematische Erfassung der Zählerstände (täglich/wöchentlich/monatlich) über mindestens eine Heizperiode. Zur Vergleichbarkeit zwischen Jahren wird der Verbrauch mit Heizgradtagen wetterbereinigt. Der Durchschnitt ergibt sich als Mittelwert mehrerer Perioden oder als witterungsbereinigter Jahreswert.
Wie lässt sich der Wärmestromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen?
Bei Wärmepumpen ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) entscheidend. Formel: Stromverbrauch (kWh/a) = Wärmebedarf des Gebäudes (kWh/a) ÷ JAZ.
Beispiel: Beträgt der Wärmebedarf 9.000 kWh/a und die JAZ 3, resultiert ein Wärmestromverbrauch von rund 3.000 kWh/a. Die JAZ hängt von Quellentemperatur (Luft/Erde/Wasser), Vorlauftemperatur, Regelstrategie und Klima ab. Realistische JAZ-Werte werden über Monitoring (Wärmemengenzähler, Stromzähler) ermittelt.
Welche Rolle spielen Heizgradtage in der Prognose des Heizstroms?
Heizgradtage quantifizieren die Witterung der Heizperiode. Durch die Relation von gemessenen Verbräuchen zu Heizgradtagen werden milde und kalte Jahre vergleichbar. Anwendung: Monats- oder Jahresverbrauch durch die jeweiligen Heizgradtage teilen, den spezifischen Verbrauch je Heizgradtag ermitteln und mit einem durchschnittlichen Heizgradtage-Jahr multiplizieren. So entsteht eine wetterbereinigte Prognose, die Planungs- und Kostenvergleiche robuster macht.
Wie dimensioniert und betreibt man eine Infrarotheizung effizient?
Effizienz entsteht durch passende Leistungsdichte (typisch etwa 60–100 W/m² je nach Gebäudezustand), gezielte Platzierung der Paneele mit freier Sicht auf Aufenthaltszonen, gute Regelung (Thermostate mit Zeitprogrammen) und Zonierung (nur genutzte Räume beheizen).
Eine korrekte Heizlastabschätzung verhindert Unterdimensionierung (Dauerbetrieb) und Überdimensionierung (häufige Taktung). Niedrigere Lufttemperaturen bei gleicher Behaglichkeit sind möglich, wenn die Strahlungsflächen sinnvoll positioniert sind.
Welche Maßnahmen senken Heizstromverbrauch und Kosten ohne Komfortverlust?
- Absenkung der Solltemperatur um 1 K (typisch 6 – 10 % weniger Heizbedarf).
- Zeitprogramme, Nacht- und Abwesenheitsabsenkung, bedarfsorientierte Zonierung.
- Dichtungen, Stoßlüften statt Dauer-Kipp, Reduktion von Infiltration und Wärmebrücken.
- Vorhänge und Rollläden nachts schließen, Teppiche in stark auskühlenden Zonen.
- Präzises Monitoring mit Zählerständen und wetterbereinigter Auswertung (Heizgradtage).
- Bei Infrarot: Reflexionsflächen und freie Sicht optimieren, Möblierung anpassen.
- Langfristig: Dämmmaßnahmen, Fensterqualität und Luftdichtheit verbessern. Bei E-Heizung auch Tarif- und Messkonzept prüfen (separater Heizstromzähler, zeitvariable Tarife).
Welche Rolle spielen Heizgradtage in der Prognose des Heizstroms?
Heizgradtage quantifizieren die Witterung der Heizperiode. Durch die Relation von gemessenen Verbräuchen zu Heizgradtagen werden milde und kalte Jahre vergleichbar. Anwendung: Monats- oder Jahresverbrauch durch die jeweiligen Heizgradtage teilen, den spezifischen Verbrauch je Heizgradtag ermitteln und mit einem durchschnittlichen Heizgradtage-Jahr multiplizieren. So entsteht eine wetterbereinigte Prognose, die Planungs- und Kostenvergleiche robuster macht.