Gelbe Leitungsrohre und Ventile in einem Gasspeicher.

Wie funktioniert ein Gasspeicher?

Funktion von Gasspeichern: das Wichtigste in Kürze

Grünes Icon mit einer Hand, die eine leuchtende Glühlampe hält
  • Gasspeicher gleichen Verbrauchsschwankungen aus. Im Sommer werden sie befüllt, im Winter entleert.
  • Sie sichern die Gasversorgung. Gasspeicher stabilisieren die Gasnetze und helfen, Lieferengpässe oder Störungen abzufedern.
  • Gasspeicher können ober- und unterirdisch liegen. Oberirdische Speicher haben eine geringere Kapazität.
  • Gasspeicher können für den Ausgleich saisonaler Energieschwankungen relevant sein. Nach Umrüstungen sind deutsche Gasspeicher in der Lage, auch Wasserstoff zu speichern, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wurde.

Mit Gas geht, was mit Strom noch nicht möglich ist: Wir können Gas in großen Mengen in Gasspeichern speichern. Das ist nötig, um die großen saisonalen Schwankungen im Gasverbrauch auszugleichen. Während wir im Sommer sehr wenig Gas für Warmwasser und Kochen benötigen, schnellt der Gasverbrauch im Haushalt in der kalten Jahreszeit nach oben, denn dann heizen wir.

Gasspeicher werden meist im Sommer befüllt, wenn mehr Gas eingekauft wird, als gebraucht wird. Im Winter, wenn der Energiebedarf höher ist, werden sie teilweise wieder entleert. Sie ermöglichen es, unsere Gasnetze stabil zu halten. Auch kurzfristig hohe Verbräuche zu Spitzenzeiten im Winter können so ausgeglichen werden. Mit der Einspeicherung von Gas werden außerdem kurzfristige Bedarfsänderungen beim Gashandel oder Lieferengpässe ausgeglichen, etwa bei technischen Problemen an Erdgasfeldern oder Pipelines.

Oberirdische Gasspeicherung in Gasometern, Kugel- oder Röhrenspeichern

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Gasspeicheranlagen: oberirdische Speicher und unterirdische Speicher. Oberirdische Speicheranlagen besitzen nur ein geringes Speichervermögen. Dafür kann Gas dort sehr schnell ein- und wieder ausgespeichert werden. Solche oberirdischen Gasspeicher werden vor allem in der Industrie und für lokale Bedarfe eingesetzt. Für die Versorgungssicherheit in Deutschland sind sie nicht relevant; viele wurden stillgelegt.

Neben Kugelspeichern und Röhrenspeichern aus Metall gibt es die besonders prägnanten Gasometer. Ein bekanntes und in Berlin viel geliebtes Beispiel dafür ist der alte Gasometer in Schöneberg auf dem EUREF-Campus, wo auch GASAG ihren Sitz hat. Innerhalb des zylinderförmigen Stahlgerüstes wurde Gas in einem großen, teleskopartig ausfahrbaren Behälter gespeichert. Das Industriedenkmal erhielt ein neues Leben als Veranstaltungsort und Bürohaus.

Unterirdische Gasspeicherung: Porenspeicher und Kavernenspeicher

Im Gegensatz zu den oberirdischen Anlagen haben die unterirdischen Gasspeicher ein immenses Speichervolumen und sind daher für die Versorgungssicherheit in Deutschland wesentlich. Sie können Verbrauchsschwankungen zwischen Sommer und Winter und große Lastspitzen kompensieren. Unter den Untertage-Speichern gibt es die Kavernenspeicher und die Porenspeicher.

Kavernenspeicher

Kavernenspeicher bestehen aus gigantischen unterirdischen Hohlräumen in Salzstöcken, die durch Aussolung von Steinsalz mit Wasser entstanden. Dafür notwendige Salzformationen gibt es vor allem im Norden und in der Mitte von Deutschland. Die oft eierförmigen Kavernen liegen tief unter der Erde und sind teilweise mehrere hundert Meter hoch. Ein Gasspeicher kann aus vielen einzelnen Kavernen bestehen. Der Gasspeicher Epe in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel stellt mit seinen 75 als Gasspeicherstätten genutzten Kavernen ein ganzes Speichersystem dar. Die Kavernen sind von einer dicken Salzschicht umgeben, die verhindert, dass Gas austreten kann. Da Kavernenspeicher sich verhältnismäßig schnell befüllen und entleeren lassen, werden sie sowohl für saisonale als auch für kurzfristige Schwankungen herangezogen.

Porenspeicher

Porenspeicher bestehen auch aus natürlichen Hohlräumen, allerdings sind diese winzig. Sie liegen in porösem Gestein, das ähnlich einem Schwamm Gas oder Flüssigkeiten aufnehmen kann. In dem Speichergestein befanden sich zuvor Erdgas- oder Erdölvorkommen oder auch Grundwasser (Aquiferspeicher). Porenspeicher bestehen oft aus Kalk- oder Sandstein, über dem eine dicke Schicht zum Beispiel aus Tonstein liegt, die für Gas undurchlässig ist. In diese Porenspeicher wird Gas mit immens hohem Druck hineingepresst. Porenspeicher haben zwar ein großes Speichervolumen, allerdings kann das Gas nur langsam ein- und ausgespeichert werden. Deshalb kommen Porenspeicher vor allem dann zum Einsatz, wenn jahreszeitliche Schwankungen ausgeglichen werden sollen.

Wie funktionieren Gasspeicher?

Gashändler oder Gasversorger können Platz in Gasspeichern von den Betreiberfirmen mieten, um eingekauftes Gas, das ihre Kunden noch nicht brauchen, zwischenzuspeichern. Dieses Gas wird über Fernleitungen zum Gasspeicher transportiert. Auf dem Weg in die unterirdischen Speicher passiert es über Rohrleitungssysteme verschiedene Stationen der Speicheranlage: Nachdem das Gas im Ausscheider gereinigt wurde, wird in der Messanlage Menge, Qualität und Brennwert bestimmt.

Damit möglichst viel Gas in die Speicheranlage hineinpasst, wird es im Verdichter komprimiert, bis es einen sehr hohen Druck hat. Weil sich das Erdgas dadurch erhitzt, wird es anschließend wieder abgekühlt. Dann wird es durch große Rohre in die Speicher unter Tage geleitet und eingespeichert.

Wird Gas aus den Gasspeichern benötigt, wird es auf demselben Weg wieder ausgespeichert und aufbereitet. Ein Wasserabscheider entzieht dem Gas Feuchtigkeit, das es im Speicher aufgenommen hat. Dann wird es vorgeheizt, gemessen, getrocknet und wieder in die Ferngasleitungen eingespeist.

Die Gasspeicher in Deutschland

Deutschland verfügt über die größte Gasspeicherkapazität in Europa. Hier gibt es insgesamt 43 Gasspeicher, davon 29 Kavernen- und 14 Porenspeicher. Zusammen haben sie ein Volumen von etwa 23 Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas, das nutzbar ist (nach Daten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, Stand: 2025). Das entspricht etwas mehr als einem Viertel des Gasverbrauchs in Deutschland. Dieser lag laut Bundesnetzagentur 2025 bei 864 Terawattstunden.

Der größte Gasspeicher Deutschlands befindet sich im niedersächsischen Rehden. Mit einem Volumen von knapp vier Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas bevorratet er also gut ein Sechstel der deutschen Speicherkapazitäten. Er ist mit einer unterirdischen Fläche von rund acht Quadratkilometern einer der größten Porenspeicher in Westeuropa.

Wie hoch ist der Füllstand der Gasspeicher?

Die deutschen Gasspeicher waren Ende August 2026 zu rund 51 Prozent gefüllt. Damit lag der Füllstand etwa 17 Prozentpunkte unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Entwicklung aufmerksam und bewertet die Gasversorgung in Deutschland derzeit als stabil. Die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet.

Für die Versorgungssicherheit ist nicht allein der Speicherfüllstand entscheidend. Deutschland bezieht Gas über verschiedene Pipelineverbindungen und LNG-Terminals und ist in das europäische Gasverbundsystem eingebunden. Importe, Speicher, Infrastruktur und Gasverbrauch wirken dabei zusammen. Die aktuellen Speicherfüllstände und die Einschätzung der Versorgungslage veröffentlicht die Bundesnetzagentur in ihrem Lagebericht.

Die Zukunft der Gasspeicher: Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen

Auch im Energiesystem der Zukunft könnten Gasspeicher eine wichtige Rolle spielen. Wenn der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen im Energiesystem weiter steigt, ist ein Bedarfsausgleich unbedingt nötig. Denn Wind- und Solarenergie hängen vom Wetter ab.

Bei günstigen Windverhältnissen oder wenn die Sonne oft scheint, wird mehr Energie erzeugt, als gerade gebraucht wird. In anderen Zeiten wird Energie benötigt, obwohl gerade keine produziert wird. Herstellung und Verbrauch von Energie müssen also zeitlich entkoppelt werden, um den Energiebedarf jederzeit decken zu können. Doch Strom kann zurzeit noch nicht in großen Mengen und über längere Zeiträume gespeichert werden – die längerfristige Speicherung von Wasserstoff ist hingegen möglich.

Der überschüssige Strom aus Wind- und Solaranlagen könnte in einer Power-to-Gas-Anlage (PtG) in Wasserstoff umgewandelt werden, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wurde. Bei Bedarfspitzen, wenn mehr Energie gebraucht wird, könnte der Wasserstoff aus den Gasspeichern wieder in Strom zurückgewandelt und ins Stromnetz eingespeist werden.

Ein Forschungsprojekt unter dem Titel „Wasserstoff speichern – so viel ist sicher“, an dem auch GASAG beteiligt war, hat die Gasspeicher in Deutschland auf ihre Tauglichkeit für die Wasserstoffspeicherung untersucht. Das Ergebnis: Alle Kavernenspeicher und vier der Porenspeicher in Deutschland stehen – nach den nötigen Umrüstungen – für die Speicherung von Wasserstoff zur Verfügung.