Panorama der Stauseetalsperre Mooserboden bei Kaprun, Österreich

Was ist eigentlich der Stromsee?

Was ist eigentlich der Stromsee?

Der Strom in Deutschland fließt durch ein allgemeines Stromnetz. Dieses Netz verbindet Stromproduzenten, also Kraftwerke, mit Stromverbrauchern – Haushalten, Unternehmen, Industrie. Es stellt eine Art Sammelbecken dar, in das Strom aus vielen verschiedenen Quellen fließt. Das lässt sich am besten mit einem See vergleichen, deshalb „Stromsee“.

So funktioniert der Stromsee

Alle Arten von Kraftwerken speisen den Strom, den sie produzieren, in den Stromsee ein: Atom- und Kohlekraftwerke führen dem See Graustrom zu. Anlagen für regenerative Energien wie Wasserkraftwerke oder Windkraftanlagen leiten Ökostrom, also 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, ein. Auch Privatpersonen können den Strom ihrer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach, den sie nicht selbst verbrauchen, ins allgemeine Stromnetz einspeisen. Auf der anderen Seite befinden sich die Stromverbraucherinnen und -verbraucher: Sie entnehmen Strom aus dem Stromsee, wenn sie das Licht, die Kaffeemaschine oder den Computer anschalten.

Auch Gewerbe- und Industriebetriebe holen sich Strom aus dem Stromsee, um Büros und Läden zu betreiben und Waren zu produzieren. Strom kann momentan noch nicht in ausreichend großen Mengen gespeichert werden. Deshalb muss die Menge an Strom, die wir verbrauchen, direkt wieder ins Stromnetz eingeleitet werden. Der Strom im Stromsee bleibt so konstant auf demselben Niveau, und zwar auf der Netzfrequenz 50 Hertz – die steht für den gleichbleibenden Pegel. So ist sichergestellt, dass alle jederzeit Strom haben und niemand auf den Kaffee am Morgen oder die Serie am Abend verzichten muss.

Strom aus erneuerbaren und konventionellen Energiequellen

Ökostrom wird aus natürlichen Energiequellen wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse gewonnen. Erneuerbare Energien unterscheiden sich von fossilen Energieträgern dadurch, dass sie sich auf natürliche Weise erneuern. Als Graustrom wird Strom unbekannter Herkunft bezeichnet. Meist stammt er aus Atomkraft oder fossilen Brennstoffen wie Gas, Öl und Kohle.

Der Strom aus den verschiedenen Kraftwerken in Deutschland wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist und vermischt sich dort zu einem Strommix. Dazu kommt aus anderen Ländern importierter Grau- und Ökostrom. Im Stromsee befindet sich also immer eine Mischung beider.

Wie ist aktuell das Verhältnis von Ökostrom und grauem Strom im Stromsee?

Der Anteil der regenerativen Energien erreichte 2020 bei der Nettostromerzeugung 50,5 Prozent. Damit hat Ökostrom zum ersten Mal den Graustrom überholt! Im Jahr zuvor lag der Ökostrom-Anteil noch bei 46 Prozent.

Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist Windkraft mit 27 Prozent die wichtigste Energiequelle unter den Erneuerbaren. Es folgen Solarenergie mit 10,5 Prozent, Biomasse mit 9,3 Prozent und Wasserkraft mit 3,7 Prozent.

Das kommt in der Steckdose zu Hause an

Der Strom, der via Steckdose zu Hause alles am Laufen hält, entspricht der aktuellen Strommischung im Stromsee. Wer sich für Ökostrom entscheidet, bekommt nicht automatisch 100 Prozent Ökostrom in die Wohnung geliefert, da es kein eigenes landesweites Stromnetz für Ökostrom gibt. Hier ist langfristiges Denken gefragt.

Was tun, damit mehr Ökostrom in den Stromsee einfließt?

Jeder und jede kann die Nachfrage nach Ökostromprodukten beeinflussen. Und zwar ganz einfach mit dem Wechsel zu Ökostrom, also 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. Denn für jede verbrauchte Kilowattstunde in einem Ökostrom-Tarif wird eine Kilowattstunde Ökostrom aus regenerativen Anlagen in unser Stromnetz eingespeist.

Logisch: Je größer die Ökostrom Community wird, desto mehr fließt in den Stromsee. Aus der Steckdose kommt somit immer mehr Ökostrom – und zwar in allen Haushalten.

Die Vorteile von Ökostrom auf einen Blick

  • Regenerative Energiequellen wie Wasser, Wind und Sonne sind fast unbegrenzt verfügbar und erneuern sich selbst. Damit stellen sie eine Option für die zukünftige Energieversorgung dar.
  • Je mehr regenerative Energien für die Stromerzeugung genutzt werden, desto weniger fossile Energien werden verbraucht. So bleiben uns wertvolle Ressourcen erhalten.
  • Ökostrom steht im Zusammenhang mit dem Ausbau erneuerbarer Energien.

Ist Ökostrom nicht teurer?

Nein, Ökostrom ist heute durchschnittlich nicht mehr teurer als konventioneller Strom. Und er wird immer günstiger. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Anlagen für regenerative Energien zunehmend effizienter werden. Auch für die Gesellschaft ist Ökostrom preiswerter als konventionell erzeugter Strom. Denn es fallen keine hohen Folgekosten zum Beispiel für die Endlagerung von Atommüll an.