Ein Mann lehnt an seinem Auto welches geladen wird durch die PV-Anlage auf dem Haus hinter ihm

PV-Überschussladen: Was ist das und wie funktioniert es?

Die PV-Anlage auf dem Dach produziert manchmal mehr Strom, als Sie in Ihrem Haushalt verbrauchen können. Dank des Überschussladens können Sie ihn nutzen, um Ihr Elektroauto zu laden. Wie funktioniert das und was sind die Voraussetzungen dafür?

Das Wichtigste in Kürze

  • Erzeugt die eigene PV-Anlage viel Solarstrom und der Strompreis am Markt ist niedrig, lohnt es sich mittels Überschussladen das eigene E-Auto aufzuladen.
  • Dazu muss die PV-Anlage mit der Wallbox gekoppelt und das E-Auto an die Wallbox angeschlossen sein.
  • Man unterscheidet zwischen dem automatischen, dem manuellen und dem dynamischen Überschussladen.

Was genau ist mit Überschussladen gemeint?

Solarstrom vom eigenen Dach ist in der Regel günstiger als Strom aus dem öffentlichen Netz. Erzeugt die Photovoltaikanlage mehr Strom, als der Haushalt gerade verbraucht, fließt der Überschuss normalerweise ins öffentliche Netz. Beim PV-Überschussladen wird dieser Strom stattdessen zum Laden des Elektroautos genutzt. Dafür müssen Photovoltaikanlage und Wallbox miteinander kommunizieren können.

Eigenheim hinter einer Hecke mit einer Solaranlage auf dem Dach.

Überschussladen: Ist meine PV-Anlage dazu in der Lage?

Sie haben bereits eine Photovoltaikanlage und möchten damit auch Ihr Elektroauto laden? Das ist grundsätzlich möglich. Wie viel Solarstrom dafür zur Verfügung steht, hängt unter anderem von der Anlagenleistung, dem Stromverbrauch im Haushalt, den Wetterbedingungen und den Ladezeiten ab. Eine Wallbox mit Überschusssteuerung kann den aktuell nicht benötigten Solarstrom gezielt zum Laden des Fahrzeugs nutzen.

Wenn das Elektroauto einphasig lädt, muss die entsprechende PV-Anlage dann einen PV-Überschuss von mindestens 1,4 Kilowatt (kW) produzieren, um mit dem Solarstrom die Batterie des Autos laden zu können. Lädt das Auto dreiphasig (üblich bei den meisten modernen Elektroautos), müssen mindestens 4,2 kW zur Verfügung stehen, also dreimal 1,4 kW.

Ob Ihre Photovoltaik-Anlage über eine Wallbox Ihr Elektroauto laden kann, hängt darüber hinaus auch davon ab, wie viel Strom Ihr jeweiliges Auto verbraucht und welche Fahrleistung es pro Jahr erbringt. Wie der ADAC berichtet, liegt der Strombedarf eines E-Autos bei rund 2.000 Kilowattstunden (kWh) für 10.000 gefahrene Kilometer. Wichtig zu wissen: Nicht jedes Elektroauto verfügt über eine Ausstattung, die das PV-Überschussladen möglich macht. Wer also über einen E-Auto-Kauf nachdenkt, sollte sich hier im Vorfeld gut beraten lassen.

Nahaufnahme eines an der Hauswand eines Hauses installierten Ladegerät für Elektrofahrzeuge vom Typ C

Was brauche ich, um PV-Strom fürs Elektroauto zu nutzen?

Um überschüssigen Strom aus der PV-Anlage für das Laden eines E-Autos nutzen zu können, benötigen Sie im Grunde drei Bausteine:

  1. eine Photovoltaik-Anlage nach den oben genannten Kriterien
  2. eine Wallbox (heimische Ladestation)
  3. ein Elektroauto

Tipp: Ein Stromspeicher kann als Ergänzung sinnvoll sein. Er kann den Strom-Überschuss speichern, sodass das E-Auto auch dann geladen werden kann, wenn die PV-Anlage keinen Strom erzeugt – zum Beispiel abends oder nachts. Zudem misst das Energiemanagement-System eines solchen Speichers den PV-Überschuss und leitet diesen ins E-Auto anstatt ins öffentliche Netz.

Wichtig zu wissen: Ein Stromspeicher ist dennoch keine zwingende Voraussetzung für das PV-Überschussladen. Eine intelligente Wallbox kann die Weiterleitung ebenso übernehmen. Lassen Sie sich am besten von einem Experten oder einer Expertin beraten, was die beste Option für Sie ist.

PV-Überschussladen: Drei Varianten einfach erklärt

Um ein Elektroauto mit überschüssiger Solarenergie laden zu können, gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, die wir Ihnen hier vorstellen:

Automatisches Überschussladen

Hier handelt es sich um eine sehr angenehme und komfortable Art des PV-Überschussladens. Dafür benötigen Sie allerdings eine Wallbox, also eine heimische Ladestation, die technisch dafür ausgerichtet ist. Heißt konkret: Die Wallbox muss mit einem sogenannten Energiemanagement-System (EMS) oder einem Energiemesser ausgestattet sein. Damit kann der Überschuss an Strom erkannt werden. Ist ein solcher Überschuss vorhanden, übermittelt der Wechselrichter ein Signal an die intelligente Wallbox und löst das Laden des E-Autos aus. All das geschieht ohne Ihr aktives Zutun, was viele Menschen als große Erleichterung empfinden.

Gute Nachricht: In modernen Wallboxen ist ein solches Energiemanagement-System meist bereits ganz oder teilweise integriert. Sonst ist es unter Umständen auch möglich, das vorhandene System der Solaranlage im Haus zu nutzen. Darüber hinaus gibt es Wallboxen, die um diese spezielle Technik ergänzt werden müssen.

Manuelles Überschussladen

Beim sogenannten manuellen Überschussladen sind die Besitzerinnen und Besitzer eines E-Autos stärker gefragt als bei der automatischen Variante. Denn hier fehlt die Automatik, die ihnen die Arbeit abnimmt. Um feststellen zu können, ob die PV-Anlage einen Strom-Überschuss produziert hat, müssen Menschen, die diese Art des Überschussladens gewählt haben, den Wechselrichter beobachten – auch möglich über eine App. Stellen Sie einen solchen Überschuss fest, können Sie die Wallbox manuell aktivieren und den Ladevorgang starten. Auch das ist in der Regel über eine App möglich.

Vorteil dieser Ladevariante: Sie benötigen keine speziell ausgerichtete Wallbox dafür – allerdings müssen Sie mehr Zeit einplanen, um die Handgriffe selbst zu erledigen. Und Sie müssen insgesamt zeitlich flexibel sein. Immerhin müssen Sie die sonnenreichen Stunden abpassen, den Überschuss feststellen und dann schnell darauf reagieren. Für viele Menschen ist das nicht alltagspraktisch.

Dynamisches Überschussladen

Das dynamische Überschussladen hat den großen Vorteil, dass Sie Ihren überschüssigen Strom vom Dach besonders effizient ausnutzen können. Dafür brauchen Sie allerdings eine Wallbox, die über eine dynamische Steuerung beziehungsweise einen Laderegler verfügt. Der Laderegler vergleicht kontinuierlich die Solarstrom-Produktion mit dem Strombedarf für den Haushalt und sorgt dafür, dass überschüssiger Strom in die Wallbox geladen wird.

Das Prinzip: Wenn viel überschüssiger Strom vorhanden ist, lädt die Wallbox stärker; wenn wenig vorhanden ist, sinkt die Ladeleistung. Der Vorteil dabei: Die Wallbox lädt jederzeit das absolute Maximum an Überschussstrom, das gerade zur Verfügung steht. Sie nutzen Ihren eigenen Solarstrom also voll aus.

PV-Überschussladen: Vorteile im Überblick

Wenn Sie das PV-Überschussladen für sich nutzen möchten, können Sie von einigen Vorteilen profitieren, die wir hier noch einmal zusammengefasst haben:

  • Stromkosten senken: Selbst produzierter Solarstrom ist in der Regel günstiger als Strom aus dem öffentlichen Netz. Wenn Sie mit dem Überschuss des Stroms aus Ihrer PV-Anlage auch noch die Batterie Ihres Elektroautos laden, sparen Sie Geld.
  • Eigenverbrauch erhöhen: Selbst produzierter Solarstrom kann direkt im Haushalt genutzt werden. Überschüssiger Strom lässt sich beispielsweise zum Laden eines Elektroautos verwenden.
  • Wirtschaftlichkeit: Je mehr PV-Strom Sie selbst verbrauchen, desto schneller rechnet sich die Investitionssumme Ihrer Solaranlage. Sprich: Die Amortisationsrate verbessert sich.