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„Berlin muss 2050 klimaneutral sein. Am besten schon früher“

Wann könnte Berlin klimaneutral sein? Ein Interview mit Professor Dr. Bernd Hirschl, Sprecher des Berliner Klimaschutzrates.

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Herr Prof. Dr. Hirschl, Sie als Mitglied des Berliner Klimaschutzrates: Wie stehen die Chancen, dass Berlin bis 2050 klimaneutral wird?
Bis 2050 müssen wir das schaffen! Die Frage, ob das gelingt, ist eigentlich gar nicht mehr zulässig. Vielmehr müsste sie lauten: Schaffen wir das schneller? Und wenn ja, wie? Das Thema Klimaschutz ist mittlerweile angekommen. Wir diskutieren nicht nur auf der kommunalen, sondern auch auf der europäischen Ebene über viel höhere Ziele und die Verbesserung der Förderbedingungen. Dieser übergeordnete Rahmen hilft uns auf kommunaler Ebene. Allerdings existieren weiterhin viele regionalspezifische Zielkonflikte. Die müssen wir angehen und gemeinsam lösen.

Wo in Berlin gibt es solche Konflikte?
Im Bereich der Mietenthematik und des Klimaschutzes. Das sind Diskurse, die im Moment noch in getrennten Arenen laufen. Das ist ein Fehler. Das Konzept des Mietendeckels folgt zwar einem berechtigten sozialpolitischen Anliegen, man darf es aber nicht ohne die Folgen für den Klimaschutz diskutieren. Der Mietendeckel bedeutet nämlich auch, dass die Investitionsbedingungen für Vermieter, etwa bei der energetischen Sanierung ihrer Häuser, weniger attraktiv sind. Man darf bei großen politischen Entscheidungen nicht mit Scheuklappen denken und den Klimaschutz ausklammern. Klimaschutz muss Mainstream politischer Entscheidungen und stets mitgedacht werden.

Jeder Einzelne kann in drei Bereichen etwas fürs Klima tun.

sagt Prof. Dr. Hirschl, Mitglied des Berliner Klimaschutzrates

Was kann jeder Einzelne tun, damit wir 2050 – oder früher – in einer klimaneutralen Hauptstadt leben?
Es gibt drei Bereiche:

  1. Selbst handeln. Eigentümer von Häusern oder Fahrzeugen können klimaverträgliche Investitionen tätigen. Das wird durch die Impulse, die aus der EU und von nationaler Ebene kommen, auch zunehmend attraktiver. Wir beobachten, dass sich viele Förderbedingungen stark verbessern. Eigentümer sind gut beraten, sie in Anspruch zu nehmen. Der einzelne Verbraucher muss sich fragen: Was kann ich tun? Lieber auf nachhaltigen Konsum und regionalen Konsum setzen und häufiger über den regionalen Biomarkt gehen, statt im Supermarkt zu kaufen und im Internet zu bestellen. Bewusst heizen, das Verkehrsverhalten ändern und – ganz wichtig: nicht mehr fliegen, zumindest nicht, ohne das verursachte CO2 zu kompensieren!
  2. Andere zum Handeln ermutigen. Das betrifft die große Zahl der Berliner Mieter. Die können keine energetischen Investitionen tätigen, aber ihre Vermieter auf bestimmte Angebote hinweisen. Anstatt sich also über den Zustand des Hauses zu beschweren, sollte man versuchen, mit dem Vermieter gemeinsam zu überlegen, was man tun kann. Wichtig ist auch, sich am klimapolitischen Diskurs zu beteiligen, auf die Straße zu gehen, seine Meinung zu äußern und Freunde und Bekannte mit ins Boot zu holen.
  3. CO2 kompensieren. Wenn ich es nicht schaffe, klimaneutral zu leben und auf Flüge zu verzichten, geht das nur mit einer entsprechenden Kompensation. Das darf uns aber keinesfalls davon abhalten, selber zu handeln!
In Berlin gibt es zahlreiche Klimaschutzinitiativen. Das reicht von kleinen Kiezprojekten bis zum Engagement der Wissenschaft und der Industrie. Wie behalten Sie da den Überblick?
Es gibt eine ganze Reihe sehr guter Übersichtsportale, auf denen man sich Klimaschutzaktivitäten in Berlin anschauen kann, etwa auf der Website der Stadt oder beim Berliner Informations- und Kommunikationsprogramm „ImpulsKlimaschutz“. Das betrifft aber vor allem den professionellen Bereich. Auf der fachlichen Ebene läuft das schon sehr gut. Bei den Kiez- und Bürgerinitiativen fehlt es leider noch an guter Vernetzung. Das wäre eine absolut förderungswürdige Aufgabe, gerade vor dem Hintergrund, dass sich zivilgesellschaftliche Akteure dann besser austauschen können, um systematischer zu kommunizieren.
Erneuerbare Energie ist ein knappes Gut, und das wird sie auch bleiben.

sagt Prof. Dr. Hirschl, Mitglied des Berliner Klimaschutzrates

Gerade hat die Technologiestiftung Berlin eine Studie zum Thema „Vernetzte Energie im Quartier“ vorgestellt. Wie wichtig ist eine gute Klimabilanz einzelner Haushalte für die Berliner Klimaschutzziele bis 2050?
Der Quartiersansatz ist kein Ersatz dafür, sich nicht mehr um die energetische Sanierung von einzelnen Objekten und Haushalten zu kümmern. Wir werden nicht darum herumkommen, dass Gebäude sehr viel Energie einsparen müssen, weil wir umgekehrt gar nicht so viel erneuerbare Energie zur Verfügung haben. Erneuerbare Energie ist ein knappes Gut, und das wird sie auch bleiben. Deshalb müssen wir mit dem Verbrauch runter. Hinter dem Quartiersansatz steht die Überzeugung, dass wir das im Verbund schneller erreichen können. Auf technologischer Ebene müssen wir erneuerbare Energiepotenziale so effizient wie möglich nutzen. Für Solarenergie eignen sich manche Dächer besser als andere. Bei der Geothermie müssen wir schauen, ob es besser ist, an einem zentralen Platz eine geothermische Anlage zu realisieren, um mehrere Gebäude mitzuversorgen, statt viele Einzelbohrungen durchzuführen. Auch das Thema Speicherung ist möglicherweise einfacher über eine Netzversorgung zu lösen als für einzelne Objekte. Vor diesem Hintergrund könnte zum Beispiel der Berliner Erdgasspeicher ein Puzzleteil in der Energieversorgung sein. Das Schöne daran ist, dass er sich aufgrund seiner Tiefe für verschiedene Nutzungsszenarien eignen könnte. Als Wärmespeicher in geringerer Tiefe und in der größeren Tiefe als Wasserstoffspeicher oder zur Methanerzeugung.

In einer Metropole wie Berlin kommen alle Puzzleteile zusammen, die für eine klimaneutrale Zukunft von Belang sind: Energieversorgung, Gebäude- und Stadtentwicklung, Wirtschaft, Verkehr/Mobilität, private Haushalte und nicht zuletzt die Verwaltung müssen ineinandergreifen und zusammen gedacht werden. Haben Sie manchmal Sorge, dass sich Berlin mit solchen ambitionierten Zielen übernimmt?
Hier geht es ja nicht ums Wollen, sondern ums Müssen. Im Moment ist das Thema noch auf das Klimaschutz- und das Energieressort zugeschnitten. Das ist nicht glücklich. Denn für den Klimaschutz muss erstens gelten, dass er als Chefsache betrieben wird, und zweitens alle Politikfelder damit zu tun haben müssen, um diese Querschnittsaufgabe zu lösen. Man muss die politische Struktur anpassen, damit diese wichtige Herausforderung nicht in einzelnen Ressorts unter den Tisch fällt.

Ein abschließender Blick in die Zukunft: Sie kommen 2050 am Hauptbahnhof in Berlin an ...
Meine Assoziation lehnt sich an das an, was ich fast täglich erlebe. Erstens: Der Zug war pünktlich. Ich habe unterwegs produktiv gearbeitet, mich aber auch beim Blick durchs Zugfenster sehr gut entspannt. Am Bahnhof habe ich noch schnell einen regionalen Obstsaft gekauft und mich dann auf das Fahrrad geschwungen, um nach Hause zu radeln. Bis auf den regionalen Obstsaft ist das eigentlich schon jetzt meine Realität.

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