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Was macht die Erdgas-Versorgung so stabil?

Das hat verschiedene Gründe. Einer ist die hochmoderne Infrastruktur. So ist das Gasnetz in Deutschland das komplexeste in Europa. Seine hohe Verfügbarkeit macht Erdgas zu einem der verlässlichsten Energieträger am Markt.

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Es gibt Dinge, die sind für uns so selbstverständlich, dass wir sie erst bemerken, wenn sie nicht mehr zur Verfügung stehen. Wann haben Sie sich zuletzt Gedanken um die Luft zum Atmen gemacht oder zu sauberem Trinkwasser aus dem Hahn? Eben. Anders sieht es vielleicht mit dem Benzin für Ihr Auto aus. Die täglich schwankenden Preise erzeugen immer mal wieder ein Gefühl von Knappheit und schärfen das Bewusstsein dafür, dass der Zugang zu Energie nicht selbstverständlich ist. 

Erdgasversorgung noch sicherer als Stromversorgung

100 Sekunden, so lange mussten die Haushalte 2014 in Deutschland laut Bundesnetzagentur im Schnitt ohne Erdgas auskommen. Die restlichen rund 31,5 Millionen Sekunden des Jahres konnten sie nach Belieben ihr Badewasser erwärmen, kochen oder die Wohnung beheizen. Und dieser Wert ähnelt sich jedes Jahr. Stromkunden müssen da schon geduldiger sein. Hier lag der Durchschnittswert im gleichen Jahr bei 12 Minuten – das sind zwei Sekunden pro Tag.

Wie aber kommt es, dass unsere Versorgung mit Erdgas so unglaublich stabil ist?

Das hat verschiedene Gründe. Einer der wichtigsten ist die intelligente und hochmoderne Infrastruktur. So ist das Gasnetz in Deutschland das komplexeste in Europa. Allein 16 Fernleitungsnetzbetreiber mit einem rund 40.000 Kilometer langen Fernleitungsnetz über Grenzen hinweg stellen sicher, dass immer genügend Nachschub für den hiesigen Bedarf zur Verfügung steht. Und mehr als 700 regionale Verteilernetzbetreiber, wie zum Beispiel die NBB Netzgesellschaft mit 14.000 Kilometern Rohrnetzänge in Berlin und Brandenburg, sorgen dafür, dass dieses Erdgas Ihr Zuhause jederzeit mit Energie versorgt. So kommt in Deutschland eine Gesamtlänge von 511.000 Kilometern Netz zusammen, wie das Bundesministerium für Wirtschaft vorrechnet. Es reicht gut zwölf Mal um den Äquator.

Dieses dichte Netz ist historisch gewachsen. Bereits vor mehr als 170 Jahren baute die GASAG das erste Versorgungsnetz für die Straßenlaternen in Berlin aus und brachte damit das Licht in die düsteren Nächte der Hauptstadt. Seitdem haben sich immer wieder die Vorzüge des Brennstoffs bewährt. Neben seiner hohen Verfügbarkeit gehört dazu beispielsweise auch der Fakt, dass die Kunden keine eigenen Vorräte anlegen müssen. Die Lieferung erfolgt direkt zum Verbrauch, ohne dass man hierfür Gefahrengut im eigenen Keller lagern müsste.

Wichtigste Erdgas-Partner sind Norwegen und die Niederlande

Aus heimischen Quellen kann Deutschland nur rund sechs Prozent seines Erdgasbedarfs decken. Doch dank seiner glücklichen Lage in Europa und seiner hervorragenden Infrastruktur hat das Land einen guten Zugang zu den ausländischen Vorkommen. Mehr als die Hälfte seines Bedarfs deckt Deutschland bei seinen europäischen Nachbarn Norwegen (31 Prozent) und den Niederlanden (22 Prozent). Ein weiterer großer Lieferant ist Russland. Auch als Transitland für andere große Abnehmer wie Frankreich, Italien, Spanien und England spielt Deutschland eine wichtige Rolle.

Gasspeicher sind für ein Vierteljahr ohne Nachschub prall gefüllt

Eingesponnen in dieses dichte Versorgungsnetz müssen wir uns über Nachschub derzeit keine Sorgen machen. Zumal der Energieträger Gas über einen weiteren Vorteil verfügt, an dem es auf dem Strommarkt derzeit noch mangelt: Erdgas lässt sich für beliebige Zeit und ohne hohen technischen Aufwand in großen Mengen speichern. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat Anfang des Jahres errechnet, dass die 47 deutschen Untertage-Gasspeicher an 33 verschiedenen Standorten knapp 24 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas aufnehmen können. Das entspricht gut einem Viertel der in Deutschland im Jahr 2019 verbrauchten Erdgasmenge. Selbst eine Versorgungslücke von 90 Tagen oder rund 7,9 Millionen Sekunden könnte das Land also verkraften.

Erdgasleitung als Speicher- und Transportweg für regenerative Energie

Tatsächlich ist die gute Lagerfähigkeit des Energiemediums sogar für andere Branchen interessant. Insbesondere beim Ausbau der alternativen Energie setzen heute viele Anbieter auf das sogenannte Power-to-Gas-Verfahren, bei dem Wasser durch Strom aus Wind- oder Solarenergie mittels Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten wird. Der Wasserstoff wird dann in die Erdgasleitung gespeist, wo es zum unmittelbaren oder späteren Gebrauch zur Verfügung steht. Durch diese Umwandlung steht dann zum Beispiel die gewonnene Energie von Windrädern auch dann zur Verfügung, wenn gerade einmal Flaute herrscht. Ein sauberer, nachhaltiger Prozess, der zeigt, welch wichtige Rolle das Erdgasnetz auch künftig bei der Energiewende spielen wird.

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